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Didaktische
Zielsetzung: Ausgewählte Behandlung von
Fragen der Kulturlandschaftsgenese Mitteleuropas in ihren wichtigsten
Phasen seit dem Neolithikum unter bes. Berücksichtigung methodischer
Ansätze Schlüsselbegriffe: Neolithische Landnahme, Altsiedelland / Jungsiedelland, Kolonisations- und Wüstungsphasen, genetische Siedlungstypen, Methoden der Altersbestimmung von Siedlungen, Ortsnamensmethode |
Eines der wichtigsten Paradigmen in der kulturgeographischen Forschung des frühen 20. Jahrhunderts war die "Rekonstruktion" der historischen Kulturlandschaft in Mitteleuropa. Robert Gradmann und Otto Schlüter waren die beiden großen Antagonisten in einer Diskussion, die den phasenhaften Siedlungsgang in Mitteleuropa im Verlauf der geschichtlichen Entwicklung zum Gegenstand hatte. Eine der Kernfragen dabei war die nach der frühesten Landnahme und Besiedlung beim Übergang des Menschen von der Wirtschaftsstufe des Jägers und Sammlers zum seßhaften Hackbauerntum. Dieser Wandel setzte um 5000 v. Chr. ein, nachdem sich das nacheiszeitliche Klima hinreichend erwärmt hatte und den Ackerbau ermöglichte (Ende der letzten Eiszeit rd. 10000 v. Chr.). Auffällig ist, daß die frühesten Ackerbauern offensichtlich waldfreie oder nur licht bewaldete Areale bevorzugten, etwa die Lößlandschaften oder die Steppenheidegebiete in Süddeutschland.
Die weitere Siedlungsgeschichte ist gekennzeichnet durch die Verbesserung der Anbautechniken, was mit der Verwendung von Metall zur Herstellung der Arbeitsgeräte möglich wurde. Um 4000 v. Chr. beginnt das Kupferzeitalter, gefolgt von der Bronzezeit (ab 2200 v. Chr. ) und der Eisenzeit [1] (ab 1200 v. Chr.). Die Kenntnisse von den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Organisationsformen der frühen Kulturvölker sind relativ gering. Zahlreich sind jedoch die archäologischen Spuren [2], wie Hügelgräber [3], Werkzeuge usw. Sehr viel mehr Informationen verbinden sich mit den Römern, die Zentraleuropa zu Beginn unseres Zeitalters eroberten. Sie konnten ihr Reich bis zur Rhein-Donau-Linie ausweiten. Innerhalb dieses Gebietes veränderten sie die Kulturlandschaft grundlegend. Sie schufen ein dichtes Straßennetz zur besseren Kontrolle des eroberten Landes; sie gründeten Städte wie Köln, Trier [4], Mainz, Regensburg und andere; sie intensivierten die Landwirtschaft durch neue Agrartechniken oder durch die Einführung neuer Anbaupflanzen, darunter die Weinrebe, die ihnen aus ihrer mittelmeerischen Heimat besonders vertraut war. Obwohl sie das Siedlungsgebiet der Germanen nicht erobern konnten, übermittelten sie uns doch durch die Beschreibungen des Tacitus wertvolle Informationen von deren Lebensraum.
Vieles von dem, was die Römer geschaffen hatten, ging im Zuge der Völkerwanderung (3. bis 5. Jahrhundert) verloren, als germanische und asiatische Völker wie die Alamannen, Franken, Ostgoten, Westgoten, Vandalen, Hunnen u.a. weite Teile Europas überrannten. Am Ende des 5. Jahrhunderts gelang es schließlich den Franken, die politischen Verhältnisse zu stabilisieren und allmählich ein Großreich aufzubauen, das an der Wende zum 9. Jahrhundert weite Teile West- und Südeuropas umspannte. Die Teilung des Fränkischen Reiches im Jahre 843 bedeutete den Beginn einer eigenstaatlichen Entwicklung, die im ostfränkischen Teil zur Bildung des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation führen sollte.
Was die Siedlungsgeschichte angeht, so wird die Phase vom 7. bis 9. Jahrhundert als die der Fränkischen Staatskolonisation bezeichnet. Dies bedeutete eine Neuorganisation der dörflichen Gesellschaft, aber auch die Verdichtung des Siedlungsnetzes durch die Neuanlage von Dörfern. Sie vollzog sich vorwiegend in Gebieten, die bereits in Kultur genommen waren (Altsiedelland), im Gegensatz zum Hochmittelalter, als unter dem Zeichen eines zunehmenden Bevölkerungsdruckes eine große Rodungsphase einsetzte (Jungsiedelland). Zwischen dem 10. und 12. Jahrhundert wurden auf Veranlassung des Adels und der Kirche große Waldgebiete in den Mittelgebirgslandschaften Mitteleuropas gerodet. Zahllose Siedlungen entstanden in Gebieten, die vorher vom Menschen noch kaum je in Nutzung genommen waren.
Eines der großen wissenschaftlichen
Verdienste Schlüters lag darin, die verschiedenen Phasen der Besiedlung
Mitteleuropas zu definieren. Er bediente sich dabei der Ortsnamensmethode,
die zwar nicht unumstritten ist (man denke an mögliche Umbenennungen
von Orten), die aber dennoch eine brauchbare Orientierung ermöglicht.
Schlüter unterschied folgende Phasen:
Außer durch ihre Namen können ländliche Siedlungen auch durch ihre Formen unterschieden werden. Frühe Siedlungen, die der 1. und 2. Phase i.S. Schlüters entsprechen, sind in ihrem Grundriß meistens unregelmäßig, durch unterschiedliche Haus- und Hofformen geprägt und auch hinsichtlich der Größe sehr uneinheitlich - vom kleinen Weiler bis zum großen Haufendorf. Spätere Siedlungen, insbesondere wenn sie im Zuge geplanter Kolonisation des Hochmittelalters oder des Absolutismus im 17./18. Jahrhundert entstanden sind, haben überwiegend regelmäßige Grundrißformen, etwa Straßendörfer, Angerdörfer [5], Hufendörfer in ihren verschiedenen Formen (Waldhufen, Moorhufen, etc.). Diese regelmäßigen Formen sind besonders östlich der Elbe verbreitet, da hier im Zuge der Ostbewegung im Hochmittelalter durch den Deutschen Ritterorden das ehemals slawische Siedlungsgebiet tiefgreifend verändert wurde (vgl. Abb. Siedlungstypen).
Es ist jedoch zu betonen, daß der Siedlungsgang in Mitteleuropa nicht kontinuierlich erfolgte. Er wurde immer wieder durch Stagnations- oder Wüstungsphasen unterbrochen, auch wenn es nicht einfach ist, deren tatsächliche Dimension zu erhellen. Die Völkerwanderungszeit stellt eine solche Unterbrechung dar. In der Bedeutung sehr viel größer war die spätmittelalterliche Wüstungsphase des 14./15. Jahrhunderts. Eine der Hauptursachen hierfür war die Pest, die in Europa erstmals 1348 auftrat und die große Teile der Bevölkerung dahinraffte. Andere Ursachen waren Kriege, die viele Dörfer zerstörten, etwa die Religionskriege im 16. und der Dreißigjährige Krieg im 17. Jahrhundert. Mehr als 40% der ländlichen Siedlungsplätze fielen in dieser Zeit in Mitteleuropa wüst, wovon die meisten auch nicht wieder aufgebaut wurden. Da die Bevölkerung dezimiert war, dehnten sich die Wälder wieder aus (teilweise durch die Landesherren gelenkt) und begruben die alten Siedlungen unter sich. Auf diese Weise blieben zumindest Spuren von ihnen erhalten, die heute als Zeugnisse der Vergangenheit wichtige Forschungshinweise geben.
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Fragen und Aufgaben:
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[1] http://www.dhm.de/museen/heuneburg/de/einfuehrung1.html
[2]
http://www.bawue.de/~wmwerner/english/ipf.html
[3]
http://www.altmuehltal.de/kinding/lehrpfad/huegelgraeber.htm
(27.08.2003)
[4]
http://www.trier.de/tourismus/sehenswertes/porta.htm (27.08.2003)
[5]
http://www.herder-institut.de/index.php?lang=de&id=2591
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