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Didaktische
Zielsetzung: Vermittlung von Einsichten in die
Bedeutung und den Wandel des Transport- und Kommunikationswesens in
historischer und aktueller Perspektive unter bes. Berücksichtigung
des technologischen Wandels Schlüsselbegriffe: Historische Handelsstraßen, Kreuzungsfunktion Mitteleuropas, Eisenbahnzeitalter, Bedeutungswandel der Verkehrsträger im Vergleich: Autobahnen, Schienenwege (Transrapid), Wasserwege, Flughäfen |
Die zentrale Lage Deutschlands im Herzen Europas hat sich seit frühester Zeit in der Ausbildung, Überlagerung und Kreuzung von Verbindungswegen der unterschiedlichsten Art niedergeschlagen. Nachgewiesenermaßen bereits in neolithischer Zeit, möglicherweise aber schon deutlich früher, haben sich kulturelle Überlagungen in Europa vollzogen, an denen Zentraleuropa einen wichtigen Anteil hatte. Die physische Beschaffenheit bot günstige Voraussetzungen für diese Migrationsbewegungen. In westöstlicher Richtung eignete sich das Norddeutsche Tiefland ebenso als Durchgangskorridor wie z. B. das Oberrheintal in nordsüdlicher Richtung. Ein großes Hindernis zwischen Nord- und Südeuropa bildeten die Alpen. Die jüngste Entdeckung eines mumifizierten Körpers im Eis des Ötztalgletschers [1] beweist indessen, daß Verbindungen über die Alpen bereits 4.000 Jahre v. Chr. existiert haben. Deutlich später, mit der Ausbreitung des Römischen Reiches, ist ein erstes europäisches Straßennetz von insgesamt rund 320.000 km Länge entstanden, das bereits zum größten Teil aus gepflasterten Straßen bestand. Dieses Netz reichte jedoch nur bis an die Grenzen des Reiches und endete somit an Rhein und Donau. Über ein frühes Straßensystem im germanischen Gebiet jenseits dieser Flüsse ist nur wenig bekannt.
Eine Zäsur im Ausbau der zentraleuropäischen Verkehrswege stellt die Völkerwanderungszeit dar. Erst das Aufleben des Handels im Mittelalter brachte eine Erneuerung der alten, bzw. den Bau neuer Handelswege mit sich. Sie wurden gleichzeitig zum Rückgrat des mittelalterlichen Städtesystems, das sich zwischen dem 11. und 13. Jahrhundert entwickelte. In den folgenden Jahrhunderten hat sich das Straßennetz innerhalb der politischen Grenzen der europäischen Nationalstaaten unterschiedlich entwickelt. Paris wurde z.B. zum Knotenpunkt des Straßensystems im zentralstaatlich organisierten Frankreich. Demgegenüber fehlte Deutschland aufgrund der politisch fragmentierten Struktur ein solcher zentraler Ort. Somit entstand hier auch ein wesentlich verzweigteres Straßennetz, das die vielen politischen Einzelterritorien miteinander verknüpfte und gleichzeitig günstige Voraussetzungen für die Handelsbewegungen auf dem ganzen Kontinent schuf.
Im Laufe des 20. Jahrhunderts hat das deutsche Straßennetz aufgrund der zunehmenden Verbreitung des Autos einen entscheidenden Ausbau erfahren. Das gilt insbesondere für das Netz mehrspuriger Verkehrsachsen, die Autobahnen. Das Autobahnnetz [2] wurde seit den 1950er Jahren in den westdeutschen Bundesländern kontinuierlich verbessert und erweitert, während Ostdeutschland selbst bereits bestehende Verbindungen aus früheren Jahren vernachlässigte. Die Gesamtlänge des Autobahnnetzes beträgt heute rund 11.000 km und ist, trotz vielfältiger Bedenken von Umweltschützern, in weiterem Ausbau begriffen.
Das deutsche Eisenbahnsystem ist ebenfalls ein wichtiges Transportmittel sowohl für den Waren- als auch den Personenverkehr. Seit seiner Entstehung [3] in der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde es als Staatsunternehmen geführt und ist erst in jüngster Zeit in eine private Aktiengesellschaft, die Deutsche Bahn AG [4], umgewandelt worden. Das gesamte Schienennetz [5] beträgt heute rund 43.800 km. In Ostdeutschland befindet es sich in einem sanierungsbedürftigen Zustand, der dringend Verbesserungen bedarf. Trotz der zunehmenden Bedeutung des Automobils ist die Eisenbahn immer noch ein wichtiges Verkehrsmittel zur Personenbeförderung. Allerdings sind in den vergangenen Jahrzehnten zahlreiche Nebenstrecken aus wirtschaftlichen Überlegungen stillgelegt worden. Besonders effizient ist der Inter City Express (ICE), der die meisten deutschen Großstädte miteinander verbindet. Das prestigeträchtigste Eisenbahnprojekt ist die Magnetschwebebahn Transrapid [6], ein Hochgeschwindigkeitszug, der laut Planung ab dem Jahr 2005 die beiden Städte Hamburg und Berlin mit einer Geschwindigkeit von 400 km/h verbinden soll. Die Reisezeit zwischen diesen beiden Städten wird dann nur noch eine Stunde betragen und ist somit vergleichbar mit der Verbindung per Flugzeug.
Das Straßen- und Schienennetz Deutschlands wird ergänzt durch ein gut ausgebautes Wassertransportsystem. Hamburg und Bremen/Bremerhaven sind die beiden wichtigsten Hafenstädte an der Nordsee, in denen bereits im Mittelalter Stoffe, Wein und Baumwolle umgeschlagen wurden. Später wurden diese beiden Häfen zu Toren zur Neuen Welt, durch die Millionen von Deutschen in der Hoffnung auf eine besseres Leben jenseits des Atlantik an Bord der Überseeschiffe gingen. Diese Hafenstädte waren traditionell auch wichtige Standorte für den Schiffsbau. Die Hafenstädte an der Ostseee, etwa Kiel [7], Lübeck [8], Rostock [9] und andere, haben sich früh auf den Handel mit Pelzen und Bernstein spezialisiert, nachdem der Hansebund eine Handelsunion mit vielen Städten Nordeuropas geschaffen hatte. Die Hanse kann als eine erste Freihandelszone der Welt bezeichnet werden.
Für das inländische Wassertransportnetz haben sowohl natürliche [10] als auch künstliche Wasserwege [11] seit Jahrhunderten eine bedeutsame Rolle gespielt. Heute sind viele Schiffe und Frachtkähne auf diesen Wasserwegen mit intermodalen Containern ausgestattet, die auf andere Transportmittel umgeladen werden können. Aber auch ohne diesen Wechsel der Transportmittel ist es heute möglich, Waren per Fluß- und/oder Kanalweg vom Atlantik nach Rußland, in die Ukraine oder das Schwarze Meer zu verschiffen. Unter allen deutschen Flüssen sind Rhein und Elbe die wichtigsten Verkehrsverbindungen zwischen den großen Wirtschaftszentren. Nachdem der Rhein Anfang des 19. Jahrhunderts kanalisiert worden war, entwickelte er sich zu Europas wichtigstem Wasserweg, auf dem auch heute noch ein reges Schiffsaufkommen zu verzeichnen ist. Der Mittellandkanal, der entlang der Südgrenze der Norddeutschen Tiefebene verläuft und fast alle nördlich fließenden Flüsse verbindet, ist ebenfalls von großer Bedeutung. Der Nord-Ostseekanal (ehemals Kaiser-Wilhelm-Kanal) wurde bereits im 19. Jahrhundert gebaut. Die Fertigstellung des Main-Donau-Kanals im Jahr 1992 ist das jüngste Kanalprojekt, dessen ökonomische und umweltschädigenden Einflüsse heftig umstritten sind. Unbeschadet dieser Kontroversen stellt er eine wichtige Ergänzung des Transportnetzes dar, der insbesondere für die Einbindung Osteuropas in das gesamteuropäiische Wirtschaftsgefüge eine wichtige Rolle zufallen könnte. Mit dem Main-Donau-Kanal ist es nun möglich, per Wasserweg von der Nordsee (Mündung des Rheins) bis zur Donaumündung am Schwarzen Meer zu gelangen. Die Strecke ist über 3.500 km lang und verbindet mehrere osteuropäische Staaten mit Westeuropa.
Der Luftverkehr ist die jüngste Ergänzung des deutschen Transportwesens. Frankfurt besitzt den größten europäischen Flughafen für den Frachtverkehr, beim Personenverkehr ist nur London Heathrow bedeutender. Frankfurt ist außerdem Sitz der 1926 gegründeten Lufthansa Fluggesellschaft [12]. Über 52.000 Menschen arbeiten weltweit in diesem Unternehmen, davon rund 28.000 bei der Deutschen Lufthansa AG. Wöchentlich starten rund 3.500 Flugzeuge in über 100 Zielorte der Welt. In den letzten Jahren haben jährlich 30 Millionen Passagiere den Frankfurter Flughafen genutzt, bei steigender Tendenz. Der zweitwichtigste Flughafen Deutschlands ist der Flughafen München Franz Josef Strauß [13], dessen internationale Bedeutung seit seiner Eröffnung im Jahr 1992 ständig gewachsen ist. Für Charterflüge ist der Düsseldorfer Flughafen wichtigste Anlaufstelle. Berlins Bedeutung als internationaler Flughafen hat mit dem Fall der Mauer stark zugenommen. Dieser Trend wird sich in Zukunft erwartungsgemäß fortsetzen. Schließlich haben alle größeren Städte Deutschlands regelmäßige Flugverbindungen zu verschiedenen europäischen Zielorten. Allerdings sollte erwähnt werden, daß Fliegen in Deutschland und Europa relativ teuer ist. Die hohen Flugpreise sind zum Teil das Ergebnis protektionistischen Verhaltens der Regierungen, da es sich bei den Fluggesellschaften meist um Staatsunternehmen handelt oder bis in die jüngere Vergangenheit gehandelt hat (zum Beispiel Air France, British Airways, Lufthansa u.a.). Erst 1997 ist die Lufthansa privatisiert worden und damit härteren Wettbewerbsbedingungen ausgesetzt.
Fragen und Aufgaben:
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[1] http://www.oetzi-dorf.com/deu/seite2.htm (28.08.2003)
[2]
http://www.destatis.de/basis/d/verk/verktab1.htm
[3]
http://www.uni-oldenburg.de/nausa/KARTE/frameis.htm
[4]
http://www.db.de/site/bahn/de/unternehmen/konzern/geschichte/chronik/1994__1999/1994__1999.html
(28.08.2003)
[5]
http://www.destatis.de/basis/d/verk/verktab1.htm
[6]
http://www.transrapid.de/de/index.html
[7]
http://www.kiel.de
[8]
http://www.luebeck.de
[9]
http://www.rostock.de
[10]
http://www.destatis.de/basis/d/geo/geoflust.htm
[11]
http://www.destatis.de/basis/d/geo/geokanat.htm
[12]
http://www.lufthansa.de
[13]
http://www.munich-airport.de
[14]
http://www.transrapid.de/de/index.html
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