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Didaktische
Zielsetzung: Allgemeine Kennzeichnung der
strukturellen Wandlungen im Agrarsektor unter besonderer
Berücksichtigung der Betriebsgrößenverhältnisse, der
Veränderungen im Produktionsbereich und der agrarpolitischen
Maßnahmen. Schlüsselbegriffe: Ländlicher Raum, Betriebsgrößen in der Landwirtschaft, Historische Wandlungen, Unterschiede in alten und neuen Bundesländern, Agrarproduktion, Flächenstillegung, Agrarpolitische Maßnahmen, Agenda 2000 |
Von außen gesehen wird Deutschland oft fast stereotyp als ein Industrieland par excellence beurteilt. Angesichts seiner Stellung als drittgrößte Industrienation der Erde nach den USA und Japan ist diese Einschätzung auch nicht grundsätzlich falsch, zumal der Anteil der Landwirtschaft an der Bruttowertschöpfung mit weniger als 1,5 % und der Erwerbsbevölkerungsanteil mit 3,2% (1996) gemessen an den übrigen Wirtschaftssektoren außerordentlich gering erscheint. Nur Belgien, Luxemburg und Großbritannien haben innerhalb der EU noch weniger Beschäftigte in diesem Sektor [1].
Gleichwohl nimmt der ländliche Raum in Deutschland gemäß der Definition des Bundesraumordnungsgesetzes rund zwei Drittel der Landesfläche [2] ein. Ein Viertel der Bevölkerung lebt in ländlichen Gebieten, rund 55 % der Landesfläche werden landwirtschaftlich, weitere knapp 30 % forstwirtschaftlich genutzt . Allerdings stellt sich die Situation in den Teilregionen des Landes sehr uneinheitlich dar. Die unterschiedliche naturräumliche Ausstattung ist hierfür ebenso verantwortlich wie die historisch gewachsenen Strukturen oder die jüngeren Transformationsprozesse, die sich auch und gerade in vielen ehemals agrarisch geprägten Räumen beobachten lassen. Von besonders nachhaltigem Einfluß war die politische Teilung Deutschlands und die Einbindung der BRD und der DDR in völlig konträre Wirtschaftssysteme zwischen 1949 und 1990.
Ein Indikator für die regionalen Unterschiede in der deutschen Landwirtschaft sind die Größenstrukturen [3] der Betriebe. Zwar lag die durchschnittliche Betriebsgröße 1997 bei 32,1 ha je Betrieb, jedoch sagt dieser Wert wenig aus über die tatsächlichen Verhältnisse. Im Gebiet der ehemaligen Bundesrepublik beträgt dieser Wert z.B. lediglich 24,7 ha, in den neuen Bundesländern dagegen 201,7 ha. Statistisch die größten Betriebe [4] bestehen in Mecklenburg-Vorpommern mit durchschnittlich 272,2 ha, am ungünstigsten liegen die Verhältnisse in Baden-Württemberg mit 17,9 ha pro Betrieb.
Die Unterschiede in den Betriebsgrößenverhältnissen haben v.a. historische Ursachen. In Ostdeutschland liegen die Wurzeln des Großgrundbesitzes bereits in der Gutswirtschaft des Mittelalters begründet. Noch heute legen die vielen Landschlösser [5] hiervon ein beredtes Zeugnis ab. Sehr nachhaltig wirkte sich auch die Phase der sozialistischen Landwirtschaft nach dem Zweiten Weltkrieg aus, als die durchschnittliche Größe der Produktionsgenossenschaften (LPG) in der Endphase der Entwicklung aufgrund der sozialistischen Bodenreform über 5000 ha LN betrug (Tab. aus I, 7 sozialistische Bodenreform). Von großer Bedeutung für die Entwicklung waren auch die Vererbungsformen. Die Realteilung, also die Aufteilung der Betriebe unter alle Erben, hat z.B. in ihrem Hauptverbreitungsgebiet in Südwestdeutschland zu einer extremen Zersplitterung des landwirtschaftlichen Besitzes geführt.
Zu den wesentlichen Kennzeichen des jüngeren Wandlungsprozesses zählt der starke Rückgang der Arbeitskräfte in der Landwirtschaft und der Zahl der Betriebe ganz allgemein. 1950 waren in diesem Wirtschaftsbereich noch rd. vier Mio. Vollarbeitskräfte beschäftigt. 1997 war die Zahl auf rd. 650.000 gesunken. Wurden 1949 noch fast zwei Mio. Betriebe gezählt [6], so betrug deren Zahl 1998 lediglich noch 484.290. Allein zwischen 1981 und 1997 wurde ein Rückgang [7] von mehr als 300.000 Betrieben registriert. Diese Entwicklung hat zur stetigen Zunahme der durchschnittlichen Betriebsgrößen beigetragen, indem ein großer Teil der durch die Betriebsaufgaben freigesetzten Flächen von den verbleibenden Betrieben zugekauft, gepachtet oder in sonstigen Formen mitbewirtschaftet wurden. In den alten Bundesländern liegt der Pachtlandanteil heute bei knapp 50 %, in den neuen Bundesländern gar bei 91 % der landwirtschaftlich genutzten Flächen. Dennoch ist ein Wesensmerkmal der deutschen Landwirtschaft dadurch nicht grundlegend verändert worden, daß nämlich der größte Teil der Betriebe, wie bereits in der Vergangenheit, als Familienbetriebe geführt wird. Mehr noch: knapp 59 % aller Betriebe werden lediglich im Nebenerwerb bewirtschaftet [8], was bedeutet, daß das Familieneinkommen überwiegend aus nichtlandwirtschaftlicher Tätigkeit erwirtschaftet wird. Statistisch liegen die Anteile der Nebenerwerbsbetriebe heute in den neuen Bundesländern [9] besonders hoch, jedoch bewirtschaften sie insgesamt nur geringe Flächen.
Eine der Konsequenzen dieses Wandels ist die ungünstiger werdende sog. innere Verkehrslage der Betriebe, also die Vermehrung der verstreut liegenden Landstücke eines Betriebes. Dies hat das traditionelle Problem der Besitzzersplitterung, das insbesondere in Gebieten mit Haufendorf- und Gewannflurstrukturen und hier wiederum in den Gebieten mit Realteilung ohnehin als historische Erblast ein starkes Handicap darstellte, eher noch verstärkt. Bereits seit dem 19. Jahrhundert werden zur Beseitigung dieser Ungunstmerkmale Flurbereinigungsmaßnahmen durchgeführt, die nach dem Zweiten Weltkrieg auf der Grundlage der Flurbereinigungsgesetze von 1953 und 1976 im Gebiet der BRD verstärkt fortgesetzt wurden.
In der ehemaligen DDR sind im Zuge der sozialistischen Landreform die traditionellen Parzellenstrukturen praktisch völlig zerstört worden. Hier entstanden riesige zusammenhängende kollektive Besitzeinheiten, die teilweise ganze Gemarkungsteile umfaßten. Auch nach der Wende sind diese Strukturen nicht grundlegend verändert worden, obwohl eines der Ziele des 1990 erlassenen Landwirtschaftsanpassungsgesetzes (1990) in der Auflösung der LPGs und die Reprivatisierung des landwirtschaftlichen Grundbesitzes lag. Das Gesetz regelte u.a. das Ausscheiden von LPG-Mitgliedern, die Neustrukturierung der LPG in neuen Rechtsformen sowie die Rückerstattung von Flächen, Inventarbeiträgen oder Vermögensanteilen (Eckart 1998: 379). Das LPG-Gesetz trat am 31.12.1991 außer Kraft.
Ebenso grundlegend wie die Betriebsgrößenstrukturen haben sich die Verhältnisse in der Bodennutzung verändert. Sie sind einerseits im Sinne einer horizontalen Betriebsvereinfachung zu verstehen, d.h. einer Reduzierung des Produktionsspektrums auf wenige Produktionszweige, teilweise sind sie aber auch das Ergebnis agrarpolitischer Zielsetzungen und Maßnahmen auf nationaler und/oder internationaler Ebene (z.B. im Rahmen der EU-Agrarpolitik). Hinsichtlich der Nutzung überwiegt das Ackerland (11,8 Mio ha von 17,2 Mio ha Gesamt LF), ungeachtet regional unterschiedlicher Anteile im Kulturartenverhältnis [10] (Anteile an Ackerland und Grünland). Vorherrschend ist der Getreidebau, der, bei leicht steigender Tendenz in den letzten Jahren, rund 60 % der Ackerflächen einnimmt. Hackfrüchte, insbesondere der Kartoffelanbau, sind in ihren Anbauanteilen seit Jahrzehnten rückläufig, selbst die Zuckerrübe [11], auch wenn sie als Handelsprodukt vor allem in den fruchtbaren Ackerbaulandschaften Deutschlands (etwa in den Bördenlandschaften) nach wie vor bedeutsam ist. Rund ein Viertel der Produktion entfällt allein auf Niedersachsen.
Auch im Bereich der Viehwirtschaft hat die deutsche Landwirtschaft erhebliche strukturelle Veränderungen erfahren. Das traditionelle Bild der Betriebe, in der praktisch alle &130;üblichen&145; Viehgattungen mit dem Ziel der Selbstversorgung und der Marktproduktion vertreten waren, gehört heute weitgehend der Vergangenheit an. Der Rückgang der Zahl der Arbeitskräfte bedingte zwangsläufig Umorientierungen im Bereich der arbeitsintensiven Viehwirtschaft, die teilweise agroindustriellen Charakter [12] angenommen hat. Dies trifft insbesondere für den nordwestdeutschen Raum zu, wo sich bedeutende Konzentrationen im Bereich der Geflügelhaltung und Schweinemast vollzogen haben. Der wichtigste Bereich der Veredlungswirtschaft ist die Milchproduktion [13]. Rund 60 % der Haupterwerbsbetriebe erwirtschaften heute ihr Betriebseinkommen überwiegend aus der Viehwirtschaft.
Nicht zuletzt aufgrund der tierischen Produktion, deren Anteil am Gesamtumsatz der Landwirtschaft im Jahre 1998 rd. 61 % betrug (Gesamtproduktionswert 63,9 Mrd. DM, davon pflanzl. Erzeugn. 25,9 Mrd. DM; tier. Erzeugn. 38,0 Mrd. DM; Agrarbericht 1999, Tab. 12) zählt Deutschland heute auch europaweit zu den führenden Agrarnationen. Bei Raps [14], Kartoffeln, Milch und Schweinefleisch nimmt sie unter den 15 Ländern der EU [15] den ersten, bei Zucker, Getreide, Rind-/Kalbfleisch und Eiern den zweiten Rang ein. Allerdings unterliegt die deutsche Landwirtschaft innerhalb der EU [16] und auch auf globaler Ebene einem erheblichen Konkurrenzdruck, der weitere Veränderungen bewirken wird. Diese Frage gewinnt auch vor dem Hintergrund der Überproduktion und des damit verbundenen hohen Subventionsaufwandes eine wichtige Rolle. Zahlreiche Maßnahmen zielen auf die Reduzierung der Agrarproduktion ab. Hier sind z.B. die Programme der Flächenstillegung [17] zu nennen, die sich im Jahre 1998 allein in Deutschland auf 821.146 ha und damit auf rund 4,8 % der insgesamt rd. 17,2 Mio. ha LN erstreckten.
In dieser Situation suchen viele
Landwirte nach Alternativen. Nischen bedeuten z.B. der ökologische
Landbau, der 1997 in 8.184 Betrieben mit einer LF von 389.683 ha betrieben
wurde (Agrarbericht 1999: 22). Unter dem Schlagwort Urlaub auf dem
Bauernhof [18] versuchen viele Betriebe in
attraktiven Landschaftsgegenden [19], zusätzliche Einnahmen zu
erwirtschaften. Je nach den gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen der
verschiedenen Teilregionen Deutschlands und Europas wird sich die
Landwirtschaft auch in den kommenden Jahren weiter verändern, nicht
zuletzt auch vor dem Hintergrund der Agenda
2000 [20],
die eine grundlegende Reform der Agrarpolitik für Marktmaßnahmen
und für die Entwicklung des ländlichen Raumes vorsieht. Angesichts
der vielen damit verbundenen wirtschaftlichen und sozialen Probleme stellt
der
Agrarsektor für die Zukunft der EU [21] eine echte Herausforderung dar.
Fragen und Aufgaben:
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[1]
http://www.bmgs.bund.de/download/statistiken/stat2003/Stb2_4.xls
[2]
http://pro.agrar.hu-berlin.de/cdrom/bmelf/Zahlen/folien/folie02.htm
[3]
http://pro.agrar.hu-berlin.de/cdrom/bmelf/Zahlen/folien/folie12.htm
[4]
http://www.verbraucherministerium.de/data/0005369D7F881050BEF66521C0A8D816.0.pdf
[5]
http://www.all-in-all.com/3544.htm
[6]
http://www.verbraucherministerium.de/data/0005369D7F881050BEF66521C0A8D816.0.pdf
[7]
http://pro.agrar.hu-berlin.de/cdrom/bmelf/Zahlen/folien/folie14.htm
[8]
http://pro.agrar.hu-berlin.de/cdrom/bmelf/Zahlen/folien/folie15.htm
[9]
http://www.bml.de/landwirtschaft/ab-1999/material/tab004.htm
[10]
http://www.bml.de/landwirtschaft/ab-1999/material/tab010.htm
[11]
http://www.landwirtschaftsverlag.com/media/boden10.htm
[12]
http://agrarnet.de/galerie.html
[13]
http://www.triesdorf.de/LLA/bilder/melkenkl.jpg
[14]
http://www.landwirtschaftsverlag.com/media/boden8.htm
[15]
http://pro.agrar.hu-berlin.de/cdrom/bmelf/Zahlen/folien/folie36.htm
[16]
http://www.ispa.uni-vechta.de/staff/windhorst/eurotier98/wind_e.htm
[17]
http://www.bml.de/landwirtschaft/ab-1999/material/tab096.htm
[18]
http://www.bauernhofurlaub.de
[19]
http://www2.bauernhofurlaub.de/56.0.html?&tx_dpbauernhofselect_pi1[bdland]=1
[20]
http://europa.eu.int/scadplus/leg/de/lvb/l60002.htm
[21]
http://www.bml.de/index-000B1FAE1F6910ECAE0D6521C0A8D816.html
[22]
http://www.bioland.de/
[23]
http://www.demeter.de
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