Texteinheit 3: Bodenschätze und Bergbau in Deutschland

(Dirk Lange und Martin Reiss)

Didaktische Zielsetzung: Kennzeichnung der wirtschaftlichen Bedeutung der Bodenschätze in Deutschland, insbesondere der Kohlevorkommen. Besondere Beachtung wird dem heutigen Strukturwandel und den Strukturproblemen im Bergbau gewidmet. Am Beispiel des Reviers Niederlausitz werden die Probleme nach der deutschen Wiedervereinigung für eine Bergbauregion diskutiert.

Schlüsselbegriffe:Bodenschätze, Lagerstätten, Rohstoffe, Bergbau, Strukturwandel, Rekultivierung, Umsiedlungen, Energiewirtschaft, Kohle- und Stahlkrise, Industrialisierung 

Bodenschätze sind natürliche Anreicherungen nutzbarer Rohstoffe, die als ober- und unterirdische Lagerstätten [1] in der Erdkruste vorkommen und als Ausgangsstoff für einen weiteren Verarbeitungsprozeß abgebaut werden können, wenn sie von volkswirtschaftlichem Nutzen sind. Die Erschließung (Prospektion) und Gewinnung (Förderung) der Rohstoffe aus den Lagerstätten sind Tätigkeitsbereiche im Bergbau, wobei hierzu auch die Aufbereitung bestimmter Rohstoffe wie Kohle, Erze, Erdöl, Salze, Gesteine und Erden gehören. Der Abbau erfolgt bei oberflächennahen Lagerstätten im Tagebau [2] und bei tiefer liegenden im Tiefbau (Untertagebau [3] (Leser 1992: 75).

Die wirtschaftliche Bedeutung des Bergbaus [4] in Deutschland als Basis für ein Industrieland ist in der heutigen Dienstleistungsgesellschaft eher untergeordnet. Deutschland verfügt über nur geringe Vorkommen an Bodenschätzen und ist im wesentlichen auf ausländische Rohstoffimporte angewiesen. Als bedeutende Ressourcen sind lediglich Braun- [5] und Steinkohle [6], sowie Kali- und Steinsalz zu nennen (Kulke 1998: 66).

Die größten Braunkohlelagerstätten in Deutschland befinden sich im Rheinischen Revier [7], Lausitzer Revier und im Mitteldeutschen Revier. Trotz sinkender Fördermengen ist Deutschland mit Abstand weltweit größter Produzent von Braunkohle (1994: 21,7 % Welt-Produktionsanteil) (Fischer Weltalmanach 1996: 1063). Als die jüngste aller Kohlen (Entstehung im Tertiär) sind Braunkohlelagerstätten [8] meist nicht tiefliegend und deshalb überwiegend im Tagebau gewinnbar. Die Mächtigkeit der Braunkohleflöze erlaubt einen großflächigen Abbau weiträumiger, offener Gruben unter Einsatz großer Förder- und Absetzmaschinen. Die Braunkohle wird in Deutschland hauptsächlich zur Energieerzeugung verwertet. Die Erzeugung von Braunkohle-Veredlungsprodukten, wie z.B. Briketts und Koks, verliert dagegen zunehmend an Bedeutung.

Anders verhält es sich bei der Steinkohle, die sich in älteren geologischen Schichten (Entstehung mesozoisch und v.a. paläozoisch) und folglich in zumeist tieferen Bereichen der Erdkruste befindet. Steinkohle wird also häufig im Tiefbau gefördert und hat in Deutschland mit dem Ruhrrevier [9] und dem Saarrevier [10] die größten Lagerstätten. Aufgrund des höheren Inkohlungsgrades (höherer Gehalt an elementarem Kohlenstoff) im Ablauf der Kohlebildung ist Steinkohle energetisch effizienter als Braunkohle und neben der Nutzung in der Stromerzeugung zur Verwertung im Hüttenwesen und für die Stahlindustrie [11] von Bedeutung. Die Steinkohleförderung wird in Deutschland nur noch durch hohe staatliche Subventionen aufrechterhalten (1995: über 10 Mrd. DM).  Im Gegensatz dazu ist die Braunkohleförderung subventionsfrei [12] (Fischer Weltalmanach 1996: 1074)

Die Förderung weiterer Primärenergieträger wie Erdöl [13], Erdgas [14] und Uran, ist in Deutschland aufgrund der geringen Lagerstättenpotentiale relativ unbedeutend. Abbaustätten für Erdöl und Erdgas sind das nordwestdeutsche Tiefland, der Oberrheingraben und das Alpenvorland. Uranvorkommen im Schwarzwald, Erzgebirge und in Nordostbayern werden nicht genutzt (Henningsen/ Katzung 1992: 123ff.).

Wirtschaftlich bedeutende Salzlagerstätten [15] befinden sich in verschiedenen Teilgebieten Deutschlands. Von besonderer Bedeutung ist das für die Düngemittel-Produktion wichtige Kalisalz [16]. Der Abbau wird in Tiefen bis zu 1000 m in mehreren Revieren in Hessen, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Niedersachsen betrieben. Hierbei handelt es sich ausschließlich um Salzbildungen aus der Zechsteinphase. Steinsalz [17] wird hauptsächlich in Muschelkalkgebieten gewonnen und stellt eine Grundlage für die Speisesalzerzeugung und die chemische Industrie (Chlorgehalt) dar. Stillgelegte Salzbergwerke, bzw. -schächte dienen teilweise als Endlagerdeponien für radioaktive Abfälle (Beipiel: Morsleben [18]) (Henningsen/ Katzung 1992: 103ff.)

Durch die Tätigkeiten des Bergbaus bei der Gewinnung von Bodenschätzen können eine Vielzahl an Konflikten entstehen. Sie erstrecken sich von räumlichen über soziale, kulturelle, ökonomische bis zu ökologischen Konsequenzen. Augenfälligste Auswirkungen des Bergbaus sind die Veränderungen des Landschaftsbildes durch Tagebaugruben, Halden oder Bergsenkungen. Hier sind die Maßnahmen der Rekultivierung [19] nach Beendigung des Abbaus von Bodenschätzen für die Weiternutzung von Bergbaufolgelandschaften von Bedeutung. Durch die Erschließung neuer Abbaugebiete - insbesondere im Tagebau - können ganze Ortschaften von Umsiedlungen [20] betroffen sein (Härle 1998: 4 -10).

Die speziellen Probleme des Bergbaues sollen im folgenden am Beispiel der Niederlausitz [21] aufgezeigt werden. Hier befindet sich die zweitgrößte Braunkohle-Lagerstätte Mitteleuropas (nach der Niederrheinischen Bucht), wobei nur die zwei obersten Braunkohleschichten (Ober- und Unterflöz) der insgesamt fünf voneinander getrennten Flözschichten abgebaut werden (LpB 1994: 4).Im Niederlausitzer Revier wurde 1989 die weltweit größte Menge an Braunkohle (195 Mio. t = 1/6 der Weltproduktion) gefördert (Schwede 1997: 7).

Die Phase einer intensiven Bergbautätigkeit mit industrieller Folgenutzung setzte in diesem Revier nach 1870 ein. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts wurde ein großer Teil der geförderten Kohle zur Verstromung verwendet (erstes deutsches Braunkohlekraftwerk 1911 in Hirschberg). Die Nutzung gewann nach dem Zweiten Weltkrieg noch an Bedeutung, als das Niederlausitzer Revier zum bedeutensten Zentrum der Energiewirtschaft in der DDR wurde. So entstanden z.B. in Jänschwalde [22] und Boxberg Europas größte Braunkohlekraftwerke. Aufgrund der Autarkiebestrebungen der DDR sollte das Hüttenwesen mit eigenen Rohstoffen versorgt werden. Darum entstanden in der Niederlausitz zwei der größten Kokereien (Lauchhammer und Schwarze Pumpe), welche mittels des Braunkohle-Hochtemperatur-Verfahrens vor allem Stadtgas produzierten. Das "Gaskombinat Schwarze Pumpe" erzeugte zwei Drittel der gesamten Stadtgasproduktion der DDR. Als weitere Erzeugnisse wurden Koks, Briketts ("Rekord") und, für die chemische Industrie, Teer und Phenol hergestellt (LpB 1994: 5 - 9). In unmittelbarer Nähe der Tagebaugruben entstand in Lauchhammer als Folgeindustrie der Maschinenbau. Der Betrieb "Lauchhammerwerk" versorgte den gesamten Bergbau der Niederlausitz mit Tagebaugeräten. Die Gießerei des Werkes produzierte zudem sämtliche Badewannen der DDR sowie Bronzekunstguß. In Weißwasser und Umgebung bildete sich ein wichtiger Standort der Glasindustrie [23], da im Niederlausitzer Revier hochwertigen Quarzsanden lagern (LpB 1994: 7).

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands kam es zu einem erheblichen Rückgang der Fördermengen in der Niederlausitz (1996: -67% bezogen auf 1989) aufgrund der Stillegung der Tagebaubetriebsflächen. Der Transformationsprozess der Region von einer altindustriellen Monostruktur zu einem möglichst vielgestaltigen Wirtschaftsgefüge hatte u.a. die Privatisierung des Senftenberger Braunkohlekombinats und die Gründung der Lausitzer Braunkohle AG (LAUBAG) [24] zur Folge. Daraus resultierte ein deutlicher Abbau von Arbeitsplätzen im Revier (1989: 79.016; 1996: 13.883) (Schwede 1997: 47). Durch Rekultivierungsmaßnahmen [25] und Bergbausanierung [26] wird der Versuch unternommen, Alternativen insbesondere im Fremdenverkehr und der Naherholung zu schaffen. Probleme bei der Rekultivierung gibt es aufgrund der geringen Bodengüte, welches eine Aufforstung erschwert (Schwefelkiesgehalt des Unterflözes).

Gerade am Beispiel der Bergbautätigkeiten in diesem Revier werden die Probleme immer wieder sehr deutlich. So verursacht z.B. die Neuerschließung bzw. die Verlegung des Tagebaus weitreichende Veränderungen im Landschaftsbild. Teilweise sind auch Siedlungen von diesen Veränderungen betroffen, wie der Fall der Gemeinde Horno [27] verdeutlicht. Der gesamte Ort und seine 370 Einwohner mußten den Bergbautätigkeiten weichen.

Mit einem Anteil von 27% (1996) an der gesamtdeutschen Stromerzeugung [28] trägt die Braunkohle zu einem stabilen und kostengünstigen Energiemix in der Stromversorgung bei (Schwede 1997: 7). Waren bisher zukunftsorientierte Investitionen zur Schaffung von hochmodernen Fördertechniken vorrangig, so stellt sich u.a. durch die Reduzierung der CO2-Emissionen (Klimagipfel von Berlin 1995) auch für die Braunkohle die Frage nach den Prioritäten in der Energiewirtschaft (Bundesverband Braunkohle) [29].

Fragen:

1. Beschreibe Probleme der Bergbauwirtschaft. Welche Entwicklung gab es hinsichtlich der Beschäftigtenzahl und der Fördermengen nach der Wiedervereinigung Deutschlands ?
2. Welche Unterschiede bestehen zwischen Ressourcenvorkommen und der Menge an geförderten Rohstoffen ?
3. Schreibe einen Aufsatz über "Bergbau und Umwelt". Welche Umweltprobleme entstehen durch den Bergbau ?
4. Diskutiere die Entwicklungsmöglichkeiten von Bergbaufolgelandschaften. Welche Konflikte können zwischen Naturschutz und Tourismus entstehen?

Interaktives Quiz

[1] http://www.uni-tuebingen.de/uni/emi/alt/sammlung/erze.htm
[2] http://www.mining-technology.com/projects/rhineland/rhine4.html
[3] http://www.nrw-online.de/bergbau/utage_19.htm
[4] http://www.destatis.de/basis/d/prohan/prodg2.htm
[5] http://www.kohlenstatistik.de/uebersicht.htm#braunkohle
[6] http://www.kohlenstatistik.de/uebersicht.htm#steinkohle
[7] http://www.mining-technology.com/projects/rhineland/rhine1.html
[8] http://www.mining-technology.com/projects/rhineland/rhine2.html
[9] http://www.kohlenstatistik.de/ftp/LB_3_2001.PDF
[10] http://www.saarland.de/einblicke_landesgeschichte.html
[11] http://www.saarstahl.com/deutsch/produktionsstaetten/index.html
[12] http://www.wdr.de/tv/markt/archiv/00/1113_1.html
[13] http://www.bgr.de/saf_energie/home.htm
[14] http://www.ruhrgas.de/
[15] http://www.eduvinet.de/autoren/geo/bauer/salzla4.htm
[16] http://www.kalisalz.basf.de/bereiche/kali.cfm
[17] http://www.naturkost.de/produc/p11121.htm
[18] http://www.bfs.de/endlager/morsleben.html
[19] http://www.mlur.brandenburg.de/n/niederla.htm
[20] http://www.heuersdorf.de/
[21] http://www.niederlausitz.de/web/index.html
[22] http://www.hfinster.de/StahlArt2/archive-Lausitz-BW-83-3-22.11.2000-de.html
[23] http://www.weisswasser.de/de/stadt/geschichte_glasindustrie.php#
[24] http://www.mlur.brandenburg.de/n/niederla.htm
[25] http://www.mlur.brandenburg.de/n/n_touris.htm
[26] http://www.bul.de/home.htm
[27] http://www.faktuell.de/Hintergrund/Background85.shtml
[28] http://www.strom.de/wysstr/stromwys.nsf/WYSInfoDokumentePunkt2Lookup/C057BF7035984636C1256CC2005F621A?OpenDocument&
[29] http://www.braunkohle.de

Verwendete Literatur

Weiterführende Links:
Rohstoffverbrauch, Statistik der Kohlenwirtschaft, Mitteldeutsche Straße der Braunkohle, Salzabbau, Eimerkettenbagger, Kunstguß Lauchhammer


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