Deutschland befindet sich auf dem Weg zu einer Dienstleistungsgesellschaft. Dies läßt sich unter anderem am Rhein-Main-Gebiet verdeutlichen. Die wichtigste Stadt der Region ist Frankfurt [1]. Sie hat sich im Zuge ihrer Geschichte [2] zu einem wichtigen politischen, administrativen und kommerziellen Zentrum entwickelt. Schon unter den Römern hatte die Stadt am Main eine zentrale Versorgungsfunktion für die umliegenden Garnisonen. Auf diese Zeit weist noch heute die Stadtteilbezeichnung "Römerstadt" im Norden Frankfurts hin.
Zu einer überregional bedeutsamen Kaufmanns- und Handelsstadt wird Frankfurt unter den Staufern im Mittelalter. Die Entwicklung wurde vor allem von Friedrich II. gefördert; Frankfurt wurde zum sog. "Markt der Märkte" bestimmt (Dieckhoff 1987: 312). Dies bedeutete, daß Frankfurt schon damals Märkte von überregionaler Bedeutung hatte, die auch als Messen bezeichnet wurden. Als Messestadt [3] zog Frankfurt im Jahre 1478 die ersten Buchhändler [4] in die Region. Seit 1530 wird der Buchdruck unter anderem in Frankfurt heimisch. Durch die Verknüpfung von Messe und Buchdruck entwickelt sich die Stadt zur wichtigsten Druckerstadt Deutschlands, was sich heute noch in der Buchmesse sowie der Präsenz großer Verlage wie Suhrkamp [5] und Fischer widerspiegelt.
Die Wirtschaftsstruktur der Stadt wurde im Verlauf des 17./18. Jahrhunderts durch die Ansiedlung von Glaubensflüchtlingen bzw. eine zunehmende Konzentration jüdischer Bürger geprägt. Insbesondere bei den seit Mitte des 16. Jahrhunderts eingewanderten Protestanten aus den habsburgischen Niederlanden handelte es sich um wohlhabende Gewerbetreibende und Kaufleute. Die jüdische Bevölkerung war demgegenüber stärker in Finanz- und Börsengeschäfte engagiert (Pletsch 1989: 213). In diesem Zusammenhang nimmt auch die Bedeutung Frankfurts als Finanzzentrum zu; im 18. und 19. Jahrhundert hat die Stadt die Vorrangstellung auf dem europäischen Geldmarkt. Erste Großbanken entstehen, wie zum Beispiel das "Bankhaus Bethmann" [6] oder die "Frankfurter Bank" als erste Gesellschaftsbank.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts durchläuft die Region eine wirtschaftliche Krise, verursacht durch den Börsenkrach an der Wallstreet und die damit verbundene Weltwirtschaftskrise. Nach dem Zweiten Weltkrieg bekommt Frankfurt einen erneuten Anschub und kann an seine Tradition als anerkannte Metropole in der Bundesrepublik Deutschland anknüpfen. Die Stadt war in dieser Zeit als neue Hauptstadt favorisiert, wurde jedoch aufgrund einer geopolitischen Entscheidung nicht dazu ernannt. Frankfurt lag zu dicht an der Grenze zum Ostblock und die Alliierten wollten politische und wirtschaftliche Macht nicht an einem Ort vereint haben. Auf Initiative der Amerikaner wurde u.a. die "Bank der deutschen Länder" (Vorgänger der Deutschen Bundesbank) 1948 von Berlin nach Frankfurt verlegt. In diesem Zusammenhang zogen schon früh Unternehmen und Verbände von Berlin in das Rhein-Main-Gebiet. Die erste Messe nach dem Krieg findet am 3.10.1948 statt. Hinzu kam, daß Frankfurt die Kontaktstelle der Alliierten war, außerdem hatte es eine optimale Lage innerhalb Deutschlands, die auch durch die Nähe zum Flughafen [7] verstärkt wird. Heute befinden sich in Frankfurt über 400 in- und ausländische Finanz- und Kreditinstitute [8]. Dies läßt die große Bedeutung Frankfurts als eines der wichtigsten Finanzzentren der Welt erkennen. Einige der hervorzuhebenden Finanzinstitutionen sind die Deutsche Bundesbank [9] (Notenbank [10] der Bundesrepublik), die Frankfurter Börse [11], wo rund 80% des Umsatzes aller deutschen Börsen getätigt wird, und die Europäische Zentralbank [12].
Neben weiteren Großbanken [13] wie die "Deutsche Bank", "Commerzbank" und "Dresdner Bank" als deutsche Unternehmen und "Bankers Trust International" und "Schweizerische Bankgesellschaft" als ausländische Unternehmen sind auch Regionalbanken, Privatbanken, Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken vertreten.
Außer an den Banken zeigt sich die Bedeutung der Rhein-Main-Region [14] als Dienstleistungsstandort auch in der Ansiedlung zahlreicher weiterer Dienstleistungsunternehmen [15] wie Versicherungsgesellschaften (z.B. R+V-Versicherungen [16]), Werbeagenturen, Unternehmenshauptverwaltungen (z.B. Nestlé [17], Ferrero) und in der Konzentration der Medienwirtschaft, die in Form von Rundfunk, Fernsehen und Zeitungen überregionaler Bedeutung vertreten ist. Beispielsweise haben das ZDF und SAT 1 ihren Hauptsitz in Mainz, der Hessische Rundfunk in Frankfurt. Die Frankfurter Rundschau und die Frankfurter Allgemeine Zeitung werden ebenfalls in Frankfurt verlegt.
Eine bedeutende Funktion der Region als Dienstleistungsstandort hat das Messe- und Kongreßwesen [18]. Es gibt 34 Messen in der Stadt Frankfurt mit insgesamt 40.600 Ausstellern und 1,6 Mio. Besuchern ( Stand: 2003 [19]). Internationales Ansehen genießen insbesondere die Buchmesse und die Internationale Automobil Ausstellung (IAA). Die meisten dieser Funktionen konzentrieren sich in der Frankfurter City, wobei Banken schwerpunktmäßig in dem sogenannten Bankenviertel ansässig sind, das sich im Innenstadtbereich über das Bahnhofsviertel und das Westend erstreckt. Aufgrund der starken räumlichen Konzentration entstand die typische Wolkenkratzer-Skyline, der Frankfurt den Beinamen "Mainhattan" [20] verdankt. In diesem Zusammenhang sind in räumlicher Hinsicht weitere Verdichtungen tertiärer Funktionen entstanden. Ein beeindruckendes Beispiel ist die "Bürostadt" Niederrad, die in der Nähe des Frankfurter Flughafens gelegen ist und von daher einen günstigen Standort bietet.
Der Flughafen gehört zu den jüngeren Entwicklungen der Region. Er wurde 1911/12 in Zeppelinheim gegründet worden ist. Mit der Gründung der Deutschen Lufthansa [21] im Jahre 1926 setzte ein systematischer Ausbau des Luftverkehrs innerhalb Deutschlands ein, verbunden mit dem Ausbau des Flughafens. Ab den 1950er Jahren nimmt die Zahl der Fluggäste und das Frachtaufkommen [22], das erheblich zur Entwicklung der Region beiträgt, rasant zu. Gemessen am Frachtaufkommen ist der Frankfurter Flughafen der größte in Europa. Viele Stadtteile und Umlandgemeinden profitieren direkt von der Flughafennähe, so etwa der Stadtteil Kelsterbach, in dem zahlreiche Luftfrachtspeditionen angesiedelt sind. Die Bedeutung hinsichtlich des Frachtgutes zeigt sich auch darin, daß nahezu die gesamte Bundesrepublik als Einzugsgebiet für den "Frachtsammelflughafen" zu bewerten ist. Zudem gibt es im Frankfurter Raum zahlreiche Zulieferbetriebe für Luftfrachtverpackungen. Deutlich wird die entscheidende Funktion des Frankfurter Flughafens auch an den ständigen Erweiterungsplänen [23] (Cargo City Süd, neue Landebahn, Terminalerweiterung).
Die Bedeutung des Dienstleistungszentrums Rhein-Main spiegelt sich auch in der Arbeitsmarktsituation [24] wider. Insgesamt leben im Rhein-Main-Gebiet über 3,8 Mio. (1991) Einwohner, davon rund 65% in den teilweise sehr stark verdichteten Landkreisen. Die 1,9 Mio. Arbeitsplätze der Region entfallen dagegen zu 53% auf die Stadtkreise. Nur 16% der Bevölkerung leben in der Stadt Frankfurt, wo jedoch 29% der Arbeitsplätze konzentriert sind. Mit 90 Beschäftigten auf 100 Einwohner wird im Rhein-Main-Gebiet eine Erwerbsdichte erreicht, die weit über den Vergleichswerten anderer deutscher Städte liegt (vgl. Freund 1991: S.276). Dieser Überblick zeigt, daß Frankfurt schon früh eine Metropole war und sich die nationale und internationale Bedeutung des Rhein-Main-Gebiets [25] zunehmend verstärkt hat. Dabei umfaßt die Region nicht nur die Stadt Frankfurt mit dem stark ausgeprägten Dienstleistungssektor. Die umliegenden Gemeinden wie Rüsselsheim [26] mit dem Opelwerk [27], oder auch Offenbach [28] und Hanau [29] sind bedeutende Industriestandorte. Auch in Zukunft wird sich das Rhein-Main-Gebiet im Zuge der zunehmenden Globalisierung als Dienstleistungsmetropole Europas behaupten können, denn die Region bietet alle günstigen Voraussetzungen dafür.
Weiterführende Links:
ZDF, SAT 1, Hessischer Rundfunk,
Frankfurter
Rundschau, FAZ
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