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Didaktische Zielsetzung:
Erarbeitung eines Problembewußtseins hinsichtlich Kanadas als
territoriale bzw. nationale Einheit im geschichtlichen Werdegang und Darstellung der
Heterogenität in der heutigen Territorial- und Bevölkerungsstruktur Schlüsselbegriffe: Räumliche Dimension Kanadas, Provinzen und Territorien, Landnutzung, multikulturelle Gesellschaft, Urbevölkerung, offizielle Sprachen, natürliche Rohstoffe, Urbanisierung, Bevölkerungsverteilung |
Ziel dieser Einführung ist es, einige allgemeine Aspekte Kanadas aufzuzeigen, die bei der Behandlung des Landes [1] im Geographieunterricht von Interesse sein könnten. In den weiteren Textkapiteln werden diese Merkmale thematisch wieder aufgegriffen und vertieft. Am wichtigsten erscheint am Beginn einer Beschäftigung mit Kanada, auf dessen riesige Dimensionen hinzuweisen. Als zweitgrößtes Land der Welt nach Rußland erstreckt sich Kanada über eine Landfläche von rd. 9,97 Mio. km² (Tabelle 1), die jedoch nur von rund 30 Millionen Menschen bewohnt wird. Kanada ist ein föderales Land, das in 10 Provinzen und zwei sog. Territorien unterteilt [2] ist. Die Größe der einzelnen Provinzen variiert stark. Prince-Edward-Insel ist sowohl hinsichtlich der Landfläche als auch der Bevölkerung [3] die kleinste, Ontario und Quebec sind dagegen die größten aller Provinzen. Die Nordwest-Territorien sind zwar flächenmäßig noch größer, jedoch haben sie als Territorium einen anderen politischen Status, indem sie direkt der Bundesregierung in Ottawa unterstehen.
Kanada ist ein Land des Nordens, in dem die wirtschaftliche Nutzung in den meisten Gebieten durch das Klima eingeschränkt wird. Der südlichste Punkt Kanadas liegt auf 41°40‘ nördlicher Breite, der nördlichste in Ellesmere Island bei 83°06‘, nur wenige Hundert Kilometer vom Nordpol entfernt. In Distanzen ausgedrückt beträgt die größte Nord-Süd-Erstreckung des Landes 4.600 km. Die West-Ost-Erstreckung ist mit 5.500 km noch deutlich weiter. Dies macht erklärbar, daß sich das Land in seiner physischen Struktur, in seiner klimatischen und vegetationsgeographischen Gliederung sehr differenziert präsentiert. Nur 8 % des Staatsgebiets sind landwirtschaftlich nutzbar, 2 % davon ausschließlich für die Weidewirtschaft. Dennoch ist die absolut genutzte landwirtschaftliche Fläche beachtlich, nämlich fast zweimal so groß wie Deutschland. Kanada ist besonders bekannt für seine umfangreiche Getreideproduktion, speziell den Weizenanbau, jedoch ist die tatsächliche Produktionspalette sehr viel breiter. Insgesamt 23% des Landes sind mit Tundra bedeckt, weitere 3 % mit Eisfeldern. Wälder, viele davon noch unberührt, nehmen 45% der Landfläche ein, 12% sind Moore und Feuchtgebiete, 8% Wasserflächen. Der Mensch hat die natürliche Landschaft Kanadas weit weniger überprägt als etwa in Europa. Siedlungsflächen nehmen nur 1% der gesamten Fläche ein (Canada Yearbook, 1997, S. 7).
Die großen Landschaftsformen Kanadas lassen sich relativ klar definieren. Im Osten ist das Land durch den alten Gebirgszug der Appalachen begrenzt, der sich bis weit in den Süden der USA fortsetzt. Von besonderer Bedeutung für den historischen Gang der Besiedlung wurde der Sankt-Lorenz-Strom mit seinem Tiefland, das sich im Bereich der nordamerikanischen Seenplatte stark ausweitet. Die dritte Landschaftseinheit ist der Kanadische Schild, der fast die Hälfte des Territoriums umfaßt. Im Westen folgt die Landschaftseinheit der Großen Ebenen (oder Prärien), die ebenfalls in den USA ihre Fortsetzung finden. Der westliche Saum Kanadas ist schließlich geprägt von dem Gebirgssystem der Kordilleren, das sich in mehrere Ketten untergliedern. Die wichtigsten Massive sind die Rocky Mountains im Anschluß an die Großen Ebenen und die Küstenkordillere im Übergang zum Pazifischen Ozean. Dazwischen liegen ausgedehnte Beckenlandschaften und Hochplateaus z.B. das Becken von Kamloops, das Fraser Plateau u.a. Nach Norden hin löst sich Kanada in eine Insellandschaft auf, die als Kanadisches Archipel bezeichnet wird.
Von besonderem Interesse ist die Bevölkerungsstruktur Kanadas, dies sowohl hinsichtlich der räumlichen Verteilung als auch der Herkunft. Im Vergleich der Provinzen untereinander wird deutlich, daß sich die Bevölkerungsdichte zwischen ihnen um einen Faktor von 20 unterscheidet. Es wäre allerdings irreführend, die Bevölkerungsdichte auf Provinzebene als Indikator für die tatsächliche Bevölkerungsverteilung heranzuziehen. Außer in den maritimen Provinzen (Neufundland, Neu-Schottland, Neu-Braunschweig und Prince-Edward-Insel) konzentrieren sich die Bewohner der meisten Provinzen auf einen schmalen Saum im Süden, während die nördlichen Teile fast ebenso dünn besiedelt sind wie das Yukon-Territorium oder die Nordwest-Territorien.
Der mit Abstand größte Teil der kanadischen Bevölkerung setzt sich aus Immigranten aus sämtlichen Teilen der Welt zusammen. Im 17. und 18. Jahrhundert waren es zunächst die Franzosen, dann in zunehmendem Maße die Engländer, die sich in Kanada ansiedelten. Im 19. Jahrhundert öffnete sich das Land Einwanderern aus der ganzen Welt, besonders nachdem die Prärien im Zuge des Eisenbahnbaus für die Besiedlung erschlossen worden waren. In der jüngsten Vergangenheit sind immer mehr Immigranten aus den pazifischen Anrainerstaaten nach Kanada übergesiedelt. Aufgrund dieser ethnischen Vielfalt bezeichnet sich Kanada selbst gerne als eine multikulturelle Gesellschaft, oder aber als ein kulturelles Mosaik. Die Urbevölkerung spielt mit rund einer Million Menschen zahlenmäßig heute eine vergleichsweise geringe Rolle. Sie wird untergliedert in Indianer, Inuit und Metis (Mestizen), die ihrerseits wieder in eine Vielzahl eigener Kultur- und Sprachgruppen zu untergliedern sind. Das Verhältnis zwischen den Ureinwohnen und der übrigen kanadischen Gesellschaft ist bis heute nicht in allen Fragen geklärt, wobei gerade in jüngster Zeit die Landforderungen der Urbevölkerung einen wachsenden Konfliktbereich bei den Verhandlungen mit Regierungsbehörden darstellen.
Kanada ist offiziell ein zweisprachiges Land [4] mit den beiden Amtssprachen Englisch und Französisch. Dies bedeutet jedoch nicht, daß alle Kanadier diese Sprachen tatsächlich beherrschen. Vielmehr sagt es nur aus, daß in allen offiziellen Regierungsstellen oder Behörden (wie z.B. Verwaltungen, Poststellen, Zoll etc.) garantiert sein muß, daß der Service in beiden Sprachen angeboten wird. Allerdings gibt es diesbezüglich auch Probleme. Die letzten beiden Dekaden sind z.B. von vielfältigen Bestrebungen innerhalb der französischsprachigen Provinz Quebec gekennzeichnet, Französisch als einzige Sprache zu akzeptieren und sich sogar vom kanadischen Bundesstaat zu lösen. Zu erwähnen ist in diesem Zusammenhang die große Zahl weiterer lebendiger und noch täglich gesprochener Sprachen [5], da 30% aller Kanadier weder englischer noch französischer Abstammung sind und eine zunehmende Zahl von Personen einen multikulturellen Hintergrund besitzt.
Was die Wirtschaftsbasis angeht, so verfügt Kanada über reichhaltige Rohstoffreserven [6]. Von daher ist der Export von Rohmaterial [7] sowohl in der historischen Entwicklung als auch in der heutigen Struktur noch sehr bedeutsam. Mehr als 76% der Bevölkerung leben in Städten, davon allein 40% in den drei größten Agglomerationsräumen [8] Toronto, Montreal und Vancouver. Der Einfluß des mächtigen Nachbarstaats USA auf Kanada ist groß, da es nicht nur militärisch und wirtschaftlich stark ist, sondern auch die Kultur der in beiden Ländern vornehmlich englischsprachigen Bevölkerung prägt.
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Fragen und Aufgaben:
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[1]
http://atlas.gc.ca/site/english/maps/reference/national/can_political_e/referencemap_image_view
[2]
http://atlas.gc.ca/site/english/maps/reference/national/politicaldivisonsinteractive
[3]
http://www.statcan.ca/english/Pgdb/demo01.htm
[4]
http://www.statcan.ca/english/census96/dec2/off.htm
[5]
http://www12.statcan.ca/english/census01/products/standard/themes/RetrieveProductTable.cfm?Temporal=2001&PID=55539&APATH=3&GID=431515&METH=1&PTYPE=55440&THEME=41&FOCUS=0&AID=0&PLACENAME=0&PROVINCE=0&SEARCH=0&GC=0&GK=0&VID=0&FL=0&RL=0&FREE=0
[6]
http://www2.nrcan.gc.ca/es/es/resources_e.cfm
[7]
http://www.statcan.ca/english/Pgdb/gblec04.htm
[8]
http://atlas.gc.ca/site/english/maps/peopleandsociety/QOL/miz
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