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Didaktische Zielsetzung: Verdeutlichung der komplexen Formungs- und Gestaltungsprozesse der Landschaft Kanadas unter Beachtung der großen Landschaftsräume, der eiszeitlichen Überformung sowie der Böden und ihrer Nutzungsmöglichkeiten.
Schlüsselbegriffe: Naturräumliche Gliederung, physische Landschaftsräume, Tiefländer, Gebirgsräume, Becken und Gräben, Morphologie und Morphogenese, Glaziale Überformung, Böden, Landnutzung |
Eines der ältesten Gesteine der Erde (rd. vier Milliarden Jahre)
ist der Kanadische
Schild [1], der sich über fast die Hälfte Kanadas erstreckt. Dieser harte und verfestigte
Gesteinskörper bildet den Kernbereich des nordamerikanischen Kontinents.
Im östlichen Teil dieses Schildes sind die Randbereiche so stark herausgehoben,
daß sie auf Baffin
Island [2] eine Höhe von über 2.000m erreichen. Der zentrale Teil dagegen
liegt unterhalb des Meeresspiegels und bildet mit der Hudson Bay eine große
Bucht, die weit in das Landesinnere hinein reicht und über die Hudson
Strait mit dem Atlantik verbunden ist.
Westlich und südlich schließen sich jüngere, ungefaltete
und weitgehend flachgelagerte Sedimentschichten des Paläozoikums und
jüngerer Erdzeitalter an, die als Tieflandregionen (Lowlands) oder
Tafelländer (Plains) bezeichnet werden. Dazu zählen die Inneren
Ebenen (Interior plains) ebenso wie das St.-Lorenz-Tiefland, das sich über
Südontario bis in das Gebiet südlich der Großen Seen erstreckt.
Im Übergangssaum der Inneren Ebenen mit dem Kanadischen Schild haben
sich in Zuge der Vereisung in nord-südlicher Abfolge riesige Seen
ausgebildet, die zwar heute nur noch als Restseen erhalten sind, als solche
aber gleichwohl aufgrund ihrer Größe die Landkarte Kanadas markant
prägen: Großer Bärensee, Großer Sklavensee, Athabascasee,
Winnipegsee und zahlreiche andere. Südlich des Schildes befindet sich
das größte Seengebiet der Welt, die sog. Großen
Seen [3]: Oberer See, Michigansee, Huronsee,
Erie- und Ontariosee. Der Seeboden des Oberen See, dem größten
dieses Seengebiets, liegt weit unter dem Meeresspiegelniveau.
Den äußeren morphologischen Rahmen Kanadas bilden drei Gebirgssysteme
unterschiedlichen Alters: die Kordilleren im Westen, die Appalachen im
Osten und die Inuit-Range im Norden. Die kanadischen Kordilleren entlang
der Pazifikküste sind 700 km breit und setzen sich aus zahlreichen
Gebirgsketten, eingeschlossenen Plateaus und Tälern zusammen. Die
berühmteste Bergkette sind die Rocky Mountains, die den östlichen
Abschluß des Systems bilden. Höchster Gipfel Kanadas ist mit
5.959 m der Mount Logan in der St. Elias Range im Yukon-Territorium. Der
Mount Robson [4], für viele der
schönste Berg Kanadas, ist mit 3.954 m der höchste Berg in Britisch-Kolumbien.
Die Kordilleren sind ein relativ junges Gebirgssystem, das in der Phase
der alpidischen Gebirgsbildung entstanden ist. Diese steht im Zusammenhang
mit der Plattentektonik bzw. ganz allgemein der Kontinentalverschiebung
während des Tertiärs. Die Auffaltung der Kordilleren wurde dadurch
bewirkt, daß die Pazifische Platte am Westrand des nordamerikanischen
Kontinents unter die Nordamerikanische Platte abtauchte. Im Bereich der
USA sind diese bis heute noch nicht abgeschlossenen tektonischen Vorgänge
in den häufigen Erdbeben (Sankt Andreas Graben) und in aktivem Vulkanismus
noch gut zu beobachten. Im kanadischen Abschnitt der Kordilleren gibt es
keinen aktiven Vulkanismus, aber auch hier sind einige Gipfel vulkanischen
Ursprungs.
An der Ostküste Kanadas, im Gebiet der Atlantikprovinzen sowie
im südöstlichen Quebec, befinden sich die weitaus älteren
und niedrigeren Appalachen, die fast 600 km breit und im nördlichsten
Abschnitt in zahlreiche Halbinseln, Inseln, Golfs, Buchten zerlegt sind.
Die Gipfel liegen meist unterhalb von 1.000 m. Der höchste Berg Ostkanadas
befindet sich auf der Halbinsel Gaspé in der Provinz Quebec mit
einer Höhe von 1.200 m. Die bereits im Erdaltertum (Paläozoikum)
aufgefalteten Appalachen stellen ein sog. Rumpfgebirge dar. Dies bedeutet,
daß die ehemals frischen Gebirgsformen alpinen Typs im Zuge einer
mehrere Hundertmillionen Jahre andauernden Erosion wieder abgetragen worden
sind. Übrig geblieben ist eine Rumpffläche, die in ihrer sanfthügeligen
Oberflächenstruktur heute ein typisches Mittelgebirgsrelief darstellt.
Im hohen Norden Kanadas gibt es noch ein weiteres altes, wenngleich
wesentlich kleineres Gebirgssystem, die weniger bekannte Inuit Range, die
ungefähr 400 km breit ist und die auf Ellesmere Island eine Höhe
von 2.616 m erreicht. Der nordamerikanischen Landmasse ist außerdem
noch ein Schelfgebiet im Atlantik vorgelagert, das seit Jahrhunderten wegen
seiner reichhaltigen Fischgründe [5]
wirtschaftlich bedeutsam ist. In der jüngeren
Geschichte wurden hier die in den Sedimentschichten eingelagerten Erdgas-
und Erdölvorkommen erschlossen, die rund 300 km von der Küste
entfernt liegen. Der Festlandsockel im Arktischen Ozean birgt ebenfalls
Öl- und Gasreserven [6],
sie liegen jedoch zu weit entfernt, um mit der heutigen Technologie rentabel
genutzt werden zu können.
Die Gebirgsformen [7]
im Westen und Osten Kanadas ähneln in vielerlei Hinsicht denen der
europäischen Alpen oder Zentraleuropas. Dies erklärt sich aus
vergleichbaren Rahmenbedingungen, unter denen diese Gebirge entstanden,
wieder abgetragen oder überformt worden sind. Wichtig in diesem Zusammenhang
ist die eiszeitliche (pleistozäne) Vergletscherung, die fast die gesamte
Fläche Kanadas erfaßt hat. Heute ist lediglich noch das Kordillerensystem
vergletschert. Das Columbia
Eisfeld [8] im Jasper Nationalpark in den Rocky Mountains, das größte zusammenhängende
Gletscherfeld Kanadas, ist z.B. eine beliebte Touristenattraktion. Auch
die höchsten Erhebungen im Norden, zum Beispiel auf Baffin Island
oder Ellesmere Island, sind ganzjährig mit Eiskappen bedeckt.
Weit verbreitet sind glaziale Ablagerungen der unterschiedlichsten Formen.
Fast das gesamte Farmland Kanadas besteht aus Böden, die aus solchen
Ablagerungen entstanden sind. Ursprungsgebiet dieser Materialien war zum
großen Teil der Kanadische Schild, von wo aus sich die kontinentalen
Eismassen während der letzten Eiszeit nach Norden, Westen und Osten
vorgeschoben haben. Nach der Vereisung [9]
blieb der Schild als flacher Rücken glattgeschliffener, resistenter
Felsen zurück. Allerdings hat das Eis unzählige Hohlformen hinterlassen,
die durch ihre Ausrichtung Hinweise geben auf die ehemalige Fließrichtung
der Gletscher. Sie werden heute ganz überwiegend durch Seen und Flüsse
oder auch weitverbreitete Sumpfareale nachgezeichnet. Dazwischen finden
sich immer wieder Sande und Schotter, die durch Schmelzwasser abgelagert
wurden, sowie Tone, die in periglazialen
Seen akkumulierten [10].
Besonders stark wirkte die glaziale Abtragung in den Bereichen des Kanadischen
Schildes, in denen weichere paläozoische Gesteine vorherrschten. Diese
Gebiete bildeten somit den Ausgangspunkt für die Schotter, Sande und
Lehme, die durch das vorstoßende Eis abgetragen wurden. Nach Rückzug
des Eises blieben mächtige Schotterablagerungen in Form von End-
und Grundmoränen [11] zurück. Im Zuge der postglazialen Klimaerwärmung und der sich
allmählich ausbreitenden Vegetation entstanden hierauf fruchtbare
Böden, die heute günstige Voraussetzungen für die landwirtschaftliche
Nutzung bieten. Auch lakustrine Ablagerungen aus den periglazialen Seen
spielen diesbezüglich in Teilen der Prärien und im südlichen
Ontario eine große Rolle. Sie sind auch die Grundlage für einige
Ackerbauinseln im Bereich des Kanadischen Schildes in Ontario und Quebec.
In diesen nördlichen Lehmgürteln (Clay Belts) beeinträchtigen
allerdings die kurzen Wachstumsperioden sowie Frostgefahren den Anbau,
da sie im klimatischen Grenzbereich der kommerziellen Landwirtschaft liegen.
Fragen und Aufgaben:
[1]
http://freespace.virgin.net/john.cletheroe/usa_can/can/canshld.htm
[2]
http://sts.gsc.nrcan.gc.ca/clf/landscapes_details.asp?numero=269
[3]
http://www.great-lakes.net
[4]
http://www.out-there.com/robson/rob-bpk.htm
[5]
http://home.tallships.ca/dPTranslations/dPFischerei.html
[6]
http://www.nickles.com
[7]
http://www.uwsp.edu/geo/faculty/lemke/alpine_glacial_glossary/
[8]
http://www.photo.net/photo/pcd1765/columbia-icefield-sunset-37
[9]
http://www.entrenet.com/~groedmed/glaciers.html
[10]
http://www.mnr.gov.on.ca/mnr/water/p741.html
[11]
http://www.homepage.montana.edu/~geol445/hyperglac/depland2/
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