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Didaktische Zielsetzung: Faktische Kennzeichnung und Verdeutlichung der Wechselbeziehungen physischer Raumfaktoren mit dem Ziel einer ökologischen Interpretation des kanadischen Naturraums (in Verbindung mit Texteinheit 2).
Schlüsselbegriffe: Geologische und klimatische Faktoren Kanadas, Permafrost, Auswirkungen des Klimas auf Landnutzung, natürliche Vegetation, Vegetationszonen, Laub- und Nadelwälder, Tundra und Taiga, Baumgrenze |
Zwei große, natürliche Grundmuster kennzeichnen Kanada: die
im allgemein ost-west-verlaufenden Vegetationsgürtel, die von vornehmlich
nord-süd-gerichteten geologischen und physisch-geographischen Merkmalen
überlagert werden (vgl. Canadian
landscapes) [1]. Die
verschiedenen Vegetationszonen spiegeln die Anpassung an die nördliche
Lage Kanadas wider. Die geographische Lage sei hier noch einmal wiederholt:
Kanada erstreckt sich von 41°40‘ nördlicher Breite in Südontario
bis auf 83°06‘ Grad auf Ellesmere
Island [2]. Über
diese Strecke von insgesamt 4.600 km erfolgt eine deutliche klimatische
Zonierung vom gemäßigten Klima im Süden bis zum extrem
arktischen Klima im Norden. Von West nach Ost dehnt sich Kanada über
5.500 km vom 52°37‘ bis zum 141° westlicher Länge aus. Auch
in dieser Dimension ergeben sich starke Gegensätze, wobei die beiden
Gebirgssysteme an der Atlantik- [3]
und an der Pazifikküste von unterschiedlichem klimatischem Einfluß sind.
Von grundlegender Bedeutung für das Klima ist die Anordnung der
landschaftlichen Großformen in ihrer Lage zu den Klimazonen. Im Süden
liegt Kanada im Bereich der ektropischen Westwindzone, im Norden dagegen
im Bereich der subpolaren Ostwinde. Entscheidend ist nun, daß sich
im Westen mit dem Kordillerensystem ein Hochgebirge von bis zu 6.000 m
Höhe den pazifischen Luftmassen entgegenstellt. Das bedeutet, daß
im Stau des Gebirges sehr hohe Niederschläge fallen. Vancouver erhält
jährlich im Durchschnitt 1068 mm Niederschlag, das etwas nördlicher
gelegene Prince Rupert sogar 2415 mm. Mit zunehmender Höhe über
NN nehmen die jährlichen Regenmengen am Westabhang der Küstenkordillere
bis über 4000 mm zu. Dies macht erklärlich, daß sich hier
ein (außertropischer) Regenwald hat ausbilden können, der in
dieser Form in der Welt einmalig ist.
Nach Überschreiten des Gebirges haben die pazifischen Luftmassen
ihre Feuchtigkeitsfracht weitgehend verloren, zumal sie sich beim Abgleiten
in die tiefer gelegenen Inneren Ebenen erwärmen und damit auch mehr
Wasserdampf speichern können. Die Folge ist, daß die Niederschläge
im Lee der Gebirge stark zurückgehen. Calgary (Alberta) erhält
z.B. im Jahresmittel lediglich noch 437 mm, Saskatoon (Saskatchewan) sogar
nur 352 mm Jahresniederschlag. Oft erreichen diese warmen Luftmassen die
Prärien als föhnartige Fallwinde, die als Chinook bezeichnet
werden und die wegen ihrer verheerenden austrocknenden Wirkung sehr gefürchtet
sind. Von Norden her können jedoch auch extreme Kaltluftmassen bis
weit nach Süden vordringen, weil hier keine Gebirgsbarriere das Land
schützt. Vielmehr bietet das relativ flache Relief des arktischen
Archipels und des Kanadischen Schildes ein offenes Tor für die winterlichen
Kaltlufteinbrüche (cold waves) oder die Blizzards, die das Innere
des ganzen nordamerikanischen Kontinents bei Temperaturen bis unter –40°C
in Eis und Schnee erstarren lassen können (Klimatabelle).
Der Osten des Landes wird dagegen durch den Atlantik beeinflußt,
besonders stark in den sog. maritimen Provinzen (Neufundland, Neu-Braunschweig,
Prinze-Edward-Insel, Neu-Schottland), die sich im Jahresverlauf relativ
ausgeglichener Temperaturen erfreuen, dafür aber häufig auch
Regen in Kauf nehmen müssen. Insbesondere Neufundland leidet unter
seinem schlechten Ruf als Regenküche und hält viele Besucher
davon ab, sich dieser östlichsten Provinz des Landes zuzuwenden. St.
John’s, die Hauptstadt Neufundlands, erhält im Durchschnitt 1500 mm
Niederschlag, und dies recht gleichmäßig über das Jahr
verteilt. Vielleicht liegt gerade in dem oft verhangenen Himmel auch ein
besonderer Reiz, weil er die Menschen und dieses Land auf besondere Weise
geprägt zu haben scheint.
Die Ausprägung der Vegetationszonen erfolgt in logischer Abhängigkeit
von den klimatischen Verhältnissen. Die breite Nord-Süd-Folge
der verschiedenen Vegetationszonen verdeutlicht die zunehmend einschränkende
Wirkung des Klimas im Norden. Stetig abnehmende Temperaturen verdrängen
Pflanzen, die lange Wachstumsphasen beanspruchen. Rund die Hälfte
des Landes ist von Wäldern bedeckt. Im Südosten herrschen Laubwälder
vor, die weiter nördlich allmählich in Mischwälder und schließlich
in den großen (borealen) Nadelwaldgürtel übergehen. Nördlich
der Nadelwälder schließt sich eine im wesentlichen baumlose
Tundra mit flachen Büschen, Moosen und Flechten an, die fast den gesamten
Norden Kanadas bedeckt. In diesem Übergangsbereich werden die Zusammenhänge
zwischen Klima und Vegetation besonders deutlich. Zwar spricht man auch
hier von einer Baumgrenze, diese entspricht jedoch einem Saum, der sich
zum Teil über mehrere Hundert Kilometer erstreckt. Wichtigster klimatischer
Einflußfaktor ist im Norden die mangelnde Wärme, es handelt
sich also um eine Wärmemangelgrenze. Auch in den Inneren Ebenen (Interior
Plains) des Westens gibt es noch baumlose Gebiete, die Prärien. Hier
ist der limitierende Klimafaktor jedoch die Trockenheit, weniger die Temperaturen.
Die geringen Niederschlagsmengen, soweit überhaupt vorhanden, fallen
zudem noch sehr unregelmäßig und mit unterschiedlicher Intensität.
In manchen Teilen der Prärieprovinzen herrschen halbwüstenhafte
Klimabedingungen.
Ganzjährig gefrorener Untergrund – Permafrost – ist Resultat der
kontinuierlich abnehmenden jährlichen Durchschnittstemperaturen im
Norden. Rund 50% des Landes sind Permafrostgebiete, was große Problemen
beim Bau von Häusern, Straßen oder Pipelines bewirkt. Das Beheizen
der Gebäude führt z.B. bei fehlender Isolierung zum Auftauen
des Untergrunds und hat zwangsläufig innerhalb kurzer Zeit Bauschäden
oder gar das Zusammenfallen der Bauwerke zur Folge.
Ein geeigneter Indikator für das nördliche Klima in hoher
Breite ist die Zahl der Heizeinheiten, die zum Pflanzenwachstum benötigt
werden. Sie werden normalerweise in Tagen, in denen Wachstumstemperaturen
bestehen (mindestens 5 Grad Tagesdurchschnittstemperatur), gezählt.
In Südontario, wo ausreichende Niederschläge und Temperaturen
lange Wachstumsphasen gewährleisten, ist Anbau nahezu unbeschränkt
möglich. Selbst Wein, Obst, Gemüse und andere Sonderkulturen
(z.B. Tabak) können in den besonders geschützten Lagen angebaut
werden. Die Provinz mit dem mildesten Klima ist Britisch-Kolumbien. Auch
dort kann mit Hilfe der künstlichen Bewässerung in einigen Tälern
Wein- und Obstanbau betrieben werden (berühmt hierfür ist das
Okanagan-Valley). Im südlichen Manitoba, Saskatchewan und Alberta
herrscht extensiver Anbau vor. Am verbreitetsten sind hier Weizen und Raps
(Canola).
Wegen der kurzen Wachstumsperioden und der Frostgefahr endet die Landwirtschaft
nördlich des 49. Breitengrades. Eine Ausnahme bildet das Peace River
Gebiet in Nord-Alberta, wo pazifische Luftmassen wetterwirksam werden,
was noch 450 km nördlich von Edmonton (http-link) eine landwirtschaftliche
Nutzung ermöglicht. Hier jedoch ist bereits die polare Anbaugrenze
des Ackerbaus erreicht, also die Grenze, jenseits derer zumindest eine
rentable Landwirtschaft nicht mehr möglich ist.
Fragen und Aufgaben:
[1]
http://sts.gsc.nrcan.gc.ca/clf/landscapes.asp
[2]
http://www.canadianparks.com/nunavut/ellesnp/index.htm
[3]
http://atlas.gc.ca/site/english/maps/environment/land/relief
[4]
http://www.wetterzentrale.de/
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