|
Didaktische Zielsetzung:
Problemorientierte Behandlung von Umweltaspekten, wie z.B. die Artenbedrohung
(Tiere und Pflanzen) in Kanada. Gleichzeitig Diskussion verschiedener Maßnahmen des
Naturschutzes (z.B. Naturparks). Schlüsselbegriffe: Wildbestand, Artenbedrohung, Pelzhandel, Forstwirtschaft, Nationalparke, Umweltverschmutzung, Umweltschutz, Umweltorganisationen |
Man könnte meinen, ein so riesiges Land wie Kanada mit so wenigen Einwohnern könne keine Umweltprobleme haben. Gerade das Gegenteil ist der Fall. Die ökologische Sensibilität in einem Land am Rande der Arktis ist sehr viel größer, als dies ursprünglich vermutet worden ist. Die Tatsache, daß heute viele der Umweltprobleme weit entfernt von den Gebieten beobachtet werden, wo die meisten Kanadier wohnen, hat erst spät ein Umweltbewußtsein aufkommen lassen. Dabei sind die Probleme nicht erst ein Phänomen des 20. Jahrhunderts.
Vor der Ankunft der Europäer nutzte die Urbevölkerung die Flora und Fauna zur eigenen Existenzsicherung. Sie befand sich damit aber im Einklang mit der Natur, denn es wurde immer nur so viel entnommen, wie tatsächlich zum Leben benötigt wurde. Mit dem Aufkommen des Pelzhandels im 17./18. Jahrhundert (1670 wurde z.B. das spätere Handelsimperium der Hudsons Bay Company gegründet) änderte sich dies sehr rasch, zumal im absolutistischen Europa jener Zeit der Bedarf an Luxusgütern ständig anstieg. Ein Grund dafür, daß sich der Pelzhandel derart schnell vom St. Lorenz Strom und der Hudson Bay aus über das gesamte Gebiet des heutigen Kanada ausbreitete, war die rasche Ausrottung des Bibers [1] in einigen östlichen Teilen des Landes und die daraus folgende ständige Suche nach weiteren, noch unberührten Jagdgebieten. Manche Spezies sind völlig verschwunden. Ein besonders drastisches Beispiel ist die völlige Ausrottung der sog. Passenger Pigeon [2] im 19. Jahrhundert. Selbst die Büffel [3], (die ehemals zu Millionen die Prärien bevölkerten), waren um die Jahrhundertwende vom Aussterben bedroht.
Das gleiche gilt für den Fischfang, der in den Küstengewässern Ostkanadas bereits um das Jahr 1000 n.Chr. von Europa aus bezeugt ist. Besonders die Intensivierung des Walfangs in der Frühneuzeit hat zu einer drastischen Reduzierung der Bestände geführt. Die Dezimierung der Walpopulationen zwischen dem 17. und 18. Jahrhundert wird z.B. als ein Grund für den Untergang der Thule-Kultur im Lebensraum der Inuit angeführt. Probleme dieser Art haben sich bis in die jüngste Zeit fortgesetzt. Aufgrund von schonungsloser Übernutzung der Kabeljau-Bestände in den neufundländischen Gewässern durch kanadische und vor allem auch europäische Fischfangflotten kam es z.B. Anfang der 1990er Jahre fast zu deren Ausrottung in den kanadischen Gewässern. Die gesamte Kabeljaufischerei [4] an der Atlantikküste mußte eingestellt werden, um den Fischbestand [5] zu retten. Diese Maßnahmen waren Anlaß zu ernsthaften politischen Verwicklungen zwischen Kanada und einigen europäischen Ländern, darunter auch Deutschland.
Ein anderes Problem sind die Wälder, wobei gerade hier oft die Meinung vertreten wird, daß der Waldreichtum Kanadas schier unerschöpflich sei. Aber das stimmt nur sehr eingeschränkt, auch wenn potentiell der größte Teil der rd. 3,2 Mio km² Waldfläche des Landes nutzbar wäre. Dies ist jedoch ökonomisch überhaupt nicht denkbar, da der größte Teil dieser Wälder weit entfernt liegt von den Siedlungszentren und ein Transport über viele Hunderte oder gar Tausende Kilometer viel zu hohe Kosten verursachen würde. Insofern kommt es in Nachbarschaft der Siedlungen im Süden verbreitet zu Übernutzungen, die für viele Bestände eine echte Bedrohung darstellen. Dies gilt insbesondere für die außertropischen Regenwälder im Westen des Landes. Sie sind Relikte einer Waldformation, die sich kaum je regenieren könnten, würden sie heute den Kettensägen zum Opfer fallen.
Schon im 19. Jahrhunderts gab es erhebliche Bedenken gegenüber der Art und Weise, wie die Sägemühlen die Flüsse verschmutzten und Übernutzungen den Waldbestand bedrohten. Daraufhin wurden zum Schutz des Waldes und der Umwelt Gesetze erlassen, die jedoch nur unzureichend umgesetzt wurden. Immerhin wurden große Naturparks, wie zum Beispiel der Algonquin Park [6] in Ontario, gegründet, um die Waldressourcen zu bewahren, aber auch, um Erholungs- und Freizeitgebiete zu schaffen. Der Banff National Park [7] in den Rocky Mountains in Alberta wurde 1885 von der kanadischen Regierung eingerichtet, um als erster von vielen weiteren Nationalparks attraktive Landschaftszüge zu schützen, ohne sie indessen völlig für die Öffentlichkeit zu verschließen. Dies sind zwar wichtige Maßnahmen zur Erhaltung der Wälder und der Natur ganz allgemein, jedoch reichen sie nicht aus, um deren Bedrohung zu verhindern. Gerade in jüngster Zeit ist es zu zahlreichen Protestbewegungen gegen die kanadische Waldwirtschaft gekommen, etwa im Zusammenhang mit Konzessionen, die im Clayoquot-Gebiet auf Vancouver Island an die Forstindustrie erteilt worden sind, um Teile der Regenwälder in diesem Gebiet abzuholzen.
Besondere Gefährdungen bestehen auch im arktischen Norden des Landes, seit dieser in die wirtschaftliche Nutzung mit einbezogen wurde. Hierbei spielen die Erdöl- und Ergaslager eine ebenso bedeutende Rolle wie die geradezu gigantischen Maßnahmen zur Elektrizitätsgewinnung. Schon Anfang der 1970er Jahre wurden in einem berühmt gewordenen Report eines kanadischen Anwalts (Berger Report) auf die Gefahren der Anlage von Pipelines durch die sensiblen Ökosysteme Kanadas hingewiesen. Symptomatisch ist auch das James Bay Projekt im Norden der Provinz Quebec, wo riesige Flächen im Zusammenhang mit dem Staudammbau am Grande Rivière überflutet wurden, um das Wasserpotential zur Gewinnung von Elektrizität zu nutzen.
Kanada ist sich heute seiner Umweltprobleme sehr wohl bewußt. Im Laufe des 20. Jahrhunderts gab es immer wieder Bemühungen der Regierung, die natürlichen Ressourcen wie Wälder, aber auch Jagd- und Fischgründe zu schonen. Verbunden damit war das ständig wachsende Bemühen, durch die Einrichtung von Nationalparks Naturräume in attraktiven Fluß- und Seenlandschaften, im Bereich des Kanadischen Schildes und der Gebirge zu schützen und sie damit gleichzeitig für Freizeitzwecke zu konservieren. Seit den 1960er Jahren hat sich das allgemeine öffentliche Bewußtsein über die Notwendigkeit, die Natur vor Verschmutzung und Zerstörung zu bewahren, ständig geschärft. Zahlreiche Umweltgruppen und offizielle Umweltabteilungen der Regierungsbehörden wurden seitdem gegründet. Kanada ist eines der wenigen Länder, die ein eigenes Umweltministerium unterhalten (Environment Canada). All dies hat zur Folge, daß heute jegliche Art der Nutzung natürlicher Ressourcen in Kanada hohe offizielle Umweltauflagen erfüllen muß. Sie werden von speziellen Regierungsagenturen überwacht. Auch internationale Umweltorganisationen haben sich in diese Überwachung eingeschaltet, etwa im Kampf gegen das Töten von Seehunden [8], gegen die Jagd auf Pelztiere und im Zusammenhang mit der Kahlschlagpraxis [9] in den Wäldern. Lokale Gruppierungen, darunter oft auch die Urbevölkerung und forstwirtschaftliche Unternehmen [10], deren Lebensgrundlagen von diesen Ressourcen abhängen, lehnen eine solche externe Einmischung ab. Da diese Waren jedoch auf internationalen Märkten gehandelt werden, haben Protestorganisationen von außen einen erheblichen Einfluß. Der Konflikt hat somit ganz sicher eine internationale Dimension, aber es ist nicht einfach, in jedem Falle Lösungen zu finden, die alle Beteiligten in ihren Interessen befriedigen werden.
|
Fragen und Aufgaben:
|
[1]
http://wildlifepark.gov.ns.ca/kids/coloringpages/beaver.gif
[2]
http://www.ris.net/~tony/ppigeon.html
[3]
http://www.tallgrass.org/buffalo.html
[4]
http://arcticcircle.uconn.edu/NatResources/cod/mckay.html
[5]
http://www.gov.nf.ca/fishaq/statistics/statistics.stm
[6]
http://www.algonquinpark.on.ca
[7]
http://www.canadianrockies.net/bnpmain.html
[8]
http://www.ifaw.org/ifaw/general/default.aspx?oid=21446
[9] http://www.greenpeace.org
[10]
http://www.weyerhaeuser.com/environment/practsustainforest/forestrycanada/default.asp
| Seitenanfang | Inhalt | VGT Home |