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Didaktische Zielsetzung:
Problemorientierte Analyse der Vorgänge, die zum Werden der Nation Kanada
geführt haben, mit bes. Berücksichtigung der Gründernationen im Hinblick auf
aktuelle Probleme des Landes. Schlüsselbegriffe: Urbevölkerung, britische und französische Eroberung, Pelzhandel, Kolonialstatus, Provinzen, ethnische Konflikte, Regionalentwicklung |
Vor Ankunft der Europäer war Nordamerika von Indianern und Inuit bewohnt, die als Urbevölkerung [1] des Kontinents bezeichnet werden. Um das Jahr 1000 n. Chr. kam es, nach heutigem Kenntnisstand, zu einem ersten Kontakt dieser Bevölkerung mit den Europäern, als die Wikinger [2] an der nördlichsten Spitze Neufundlands, an der Stelle des heutigen L’Anse aux Meadows unweit von Saint Anthony, eine kleine Siedlung gründeten. Diese bestand jedoch nur kurze Zeit. Für die nächsten rd. 500 Jahre blieb der nordamerikanische Kontinent von Siedlungsversuchen durch die Europäer verschont.
Im 16. Jahrhundert setzte dann ein Wettlauf gleich mehrerer europäischer Kolonialmächte um die Eroberung Nordamerikas ein. Beteiligt waren die Engländer, die Franzosen, die Spanier, die Holländer und einige andere. Zwangsläufig kamen sie dabei schon bald in Kontakt, häufig auch in Konflikt mit der Urbevölkerung, die diesen Kontinent bereits seit vielen Tausend Jahren bewohnte. Über die genaue Zahl der Ureinwohner, die um das Jahr 1500 im Gebiet des heutigen Kanada lebten, ist nichts bekannt. Schätzungen reichen von weniger als einer halben Million bis zu einer Million Menschen. Die Wirtschaftsform der meisten Stämme war nomadisch und auf Jagd und Fischfang ausgerichtet. Allerdings wurde in einigen Gebieten – zum Beispiel im südlichen Ontario - auch Ackerbau betrieben.
Im Verlauf des 16. und 17. Jahrhunderts etablierten sich Frankreich und England endgültig als bedeutendste Kolonialmächte in Nordamerika. Ihre im Vergleich zur Urbevölkerung überlegenen technischen und militärischen Kenntnisse und Möglichkeiten erlaubten es ihnen, rasch neue Gebiete zu erobern. Im Zuge dieser Ausdehnung wurde die Urbevölkerung verdrängt, teilweise sogar vernichtet, wie das Beispiel der Beothuck Indianer Neufundlands zeigt. Aber nicht nur die Auseinandersetzungen mit der Urbevölkerung, sondern auch der Kolonialmächte untereinander kennzeichneten das politische Geschehen bis Mitte des 18. Jahrhunderts. Im Zuge dieser Rivalitäten besiegten die Briten die Franzosen in einer legendär gewordenen Schlacht im Jahre 1759/60 [3] auf den Plaines d’Abraham unweit der Stadt Québec. Neufrankreich, das vorher vom Sankt-Lorenz-Tiefland über die große nordamerikanische Seenplatte bis hinunter nach Louisiana gereicht hatte, verschwand 1763 durch den Friedensschluß von Paris von der Landkarte und wurde zur britischen Kolonie. Kurze Zeit später führte der Amerikanische Unabhängigkeitskrieg [4] (1776-1784) zur Gründung eines separaten Landes, den Vereinigten Staaten. Lediglich die nördlichen Teile des Kontinents blieben im Besitz der britischen Krone, das Gebiet, aus dem weitere knapp 100 Jahre später Kanada werden sollte.
Das wirtschaftliche Interesse der europäischen Mächte an Nordamerika in jener Zeit war vorwiegend auf den Pelzhandel [5] gerichtet. Er wurde zu einem der wesentlichen Motoren für die Eroberung und Abgrenzung des heutigen Gebiets von Kanada. Dabei wurde das Land von zwei Brückenköpfen aus erschlossen: dem St.-Lorenz-Strom im Osten und der Hudson Bay im Norden. Geführt von Indianern, die das lokale Terrain kannten und selber Jagd betrieben, dehnten die Pelzhändler ihre Erkundungs- und Eroberungszüge allmählich bis an die Pazifikküste aus, wobei sie den Peace River, den Fraser River und andere Flußverbindungen oder Landwege nutzten. Den Arktischen Ozean erreichten sie über den Mackenzie River. Somit wurden bereits in der Pelzhandelszeit grob die Grenzen des heutigen Kanadas abgesteckt.
Administrativ war dieses große Gebiet in verschiedene Kolonien aufgeteilt. Sie waren Teil des Britischen Empires, das von London (England) aus regiert wurde. Im Jahre 1867 schlossen sich die drei Kolonien Neubraunschweig, Neuschottland und Kanada (bestehend aus Canada East – heutiges Quebec – und Canada West – heutiges Ontario), also dem heutigen Ostkanada, zur kanadischen Konföderation [6] zusammen. Die ehemaligen Kolonien werden heute Provinzen genannt, und die Zuständigkeitsbereiche der zentralen Regierung sowie der Provinzregierungen wurden in der neuen Föderation sorgfältig ausgearbeitet. Jede Provinz erhielt eine eigene Provinzhauptstadt, Ottawa [7] wurde zur Bundeshauptstadt erklärt. Im weiteren Verlauf kamen die übrigen Provinzen hinzu: Manitoba im Jahr 1870, Britisch-Kolumbien 1871, nachdem die Bundesregierung in Ottawa zugesagt hatte, eine transkontinentale Eisenbahnverbindung zu bauen. Prince-Edward-Insel schloß sich 1873 dem Bundesstaat an, nachdem die Zahlung eines großen Haushaltsdefizits durch den Bund sowie die Aufrechterhaltung einer Schiffsverbindung zum Festland zugesichert worden war. 1905 entstanden im Westen die beiden Provinzen Alberta und Saskatchewan. Als letztes schloß sich Neufundland mit Teilen der Halbinsel Labrador 1949 dem kanadischen Bundesstaat an.
Eine etwas andere Entwicklung vollzog sich im Norden. 1880 wurden die Rechte über die damals bekannten Arktischen Inseln von der Britischen Krone auf Kanada übertragen, allerdings waren noch einige Gebiete unentdeckt. Erst zwischen 1898 und 1902 erforschte der norwegische Arktikforscher Otto Sverdrup [8], der unter schwedischer Flagge segelte, weitere Gebiete im nördlichen Inselmeer westlich von Ellesmere Island. Allerdings wurden die auf diesen Entdeckungen beruhenden Landansprüche des neu gegründeten Landes Norwegen (das im Jahre 1905 von Schweden unabhängig wurde), 1930 freundschaftlich gelöst und die Inseln Kanada zugesprochen. Der gesamte Norden des Landes jenseits des 60. Breitengrades blieb von Beginn an der zentralen Regierung in Ottawa direkt unterstellt. Es handelt sich hierbei um die sog. Nordwest-Territorien und das Yukon Territorium, in denen erst Ende des 20. Jahrhunderts eine politische Neuordnung eingeleitet wurde. So wurden die Nord West - Territorien 1999 in zwei Gebiete unterteilt: in die östliche Arktis unter dem Namen Nunavut [9] (= unser Land) und die westliche Arktis, für die bislang noch kein Name gefunden worden ist.
Hinsichtlich des politischen Status ist Kanada seit 1867 ein souveränes Land, jedoch ist es nach wie vor eingebunden in das britische Commonwealth. Es handelt sich um eine konstitutionelle Monarchie, mit Königin Elisabeth II. [10] von England als Staatsoberhaupt, die somit gleichzeitig Königin von Kanada ist. Sie wird in Kanada durch einen Generalgouverneur (gouvernor general) repräsentiert. Die Staatsform ist eine parlamentarische Demokratie mit föderativem Charakter. Seit dem Ersten Weltkrieg ist Kanada Mitglied des Völkerbundes (League of Nations). Heute ist es Mitglied des Commonwealth [11], der Vereinten Nationen [12] und der NATO [13].
Aufgrund der großen Dimension Kanadas ist es sinnvoll, das Land in Regionen oder Sektionen zu unterteilen. Sie bestehen jeweils aus einer oder mehreren Provinzen bzw. Territorien und werden auch von den Kanadiern als eigene Regionen verstanden. Die Atlantische Region (Atlantic Canada) umfaßt die Provinzen Neufundland, Prince-Edward-Insel, Neuschottland und Neubraunschweig, wobei die drei letzteren auch als maritime Provinzen bezeichnet werden. Physisch-geographisch gesehen ist diese Region stark in Höhenkämme, Täler, Halbinseln und Inseln mit zahlreichen Golfs, Buchten und Meeresengen untergliedert. In der historischen Entwicklung haben verschiedene Kolonialmächte hier ihre Spuren hinterlassen.
Schwerpunkt des frankokanadischen Lebens in Nordamerika ist Quebec, das sich kulturell vom übrigen Kanada abhebt und historisch entlang des St. Lorenzflusses ausgedehnt hat. Ontario, zwischen den Großen Seen und der Hudson Bay gelegen, ist das Industrie- und Finanzzentrum Kanadas sowie das Media-Zentrum des englischsprachigen Kanadas. Ontario und Quebec sind beide für sich genommen wichtigste Regionen, sie werden jedoch aufgrund ihrer Lage häufig als Zentralkanada bezeichnet, was durch die Bevölkerungsballung sowie die erhebliche Konzentration wirtschaftlichen Potentials in diesen beiden Provinzen noch bekräftigt wird.
Die Provinzen Manitoba, Saskatchewan und Alberta, in den überwiegend flachen Großen Ebenen mit ihrem charakteristischen weiten Blick zum Horizont gelegen, werden als Prärieprovinzen bezeichnet. Dieser Name geht zurück auf die im südlichen Bereich vorherrschenden Graslandgebiete, die seit rund einhundertzwanzig Jahren als Agrarland und Energierreservoir intensiv genutzt werden. Britisch-Kolumbien, westlich der mächtigen Kette der Rocky Mountains, ist in seiner physischen Landesnatur von Gebirgskämmen, markanten Talzügen und Plateaulandschaften der Kanadischen Kordilleren geprägt. Die Provinz besitzt das mildeste Klima des Landes und verfügt über ausgedehnte Waldbestände.
Das gesamte Gebiet von Manitoba bis Britisch-Kolumbien, das von den Europäern erst lange nach dem östlichen Teil des Landes Schritt für Schritt erschlossen wurde, wird oft gemeinhin als der Westen bezeichnet. Dieser Begriff birgt viele subtile Assoziationen, denn er vermittelt die Vorstellung einer offeneren, entspannten und lebendigen Gesellschaft, die sich vom Ostteil des Landes unterscheidet und die Zentralkanada die Finanz- und Regierungsmacht mißgönnt. Allerdings werden die Begriffe hier oft auch unscharf verwendet. Das prosperierende Britisch-Kolumbien mit seinen naturräumlichen Besonderheiten wird gelegentlich auch als eigenständige Einheit verstanden und als der Ferne Westen bezeichnet, dies um so mehr, als diese Provinz hinsichtlich seiner Wirtschaftsbeziehungen und seiner Bevölkerungsstruktur mehr und mehr dem Pazifik zugewendet zu sein scheint.
Der Begriff Norden zur Kennzeichnung eines Teiles von Kanada wird unterschiedlich verwendet. Zum einen bezeichnet er die riesige Fläche in Kanada nördlich der besiedelten Ökumene, häufig wird darunter aber auch der Kanadische Schild verstanden, auch wenn dessen Randbereiche nicht weit weg von den größten urbanen Zentren Kanadas liegen. Selbstverständlich zählen das Yukon Territorium und die Nordwest-Territorien ebenfalls zum Norden. Der kanadische Geograph Louis Edmond Hamelin hat das ganze Land als ein Land des Nordens bezeichnet, wobei er mit Hilfe eines sog. Nordizitätsindexes eine Unterteilung vorgenommen hat in Basis-Kanada (besiedelter Süden), den nahen Norden (vorwiegend der boreale Nadelwaldgürtel), den fernen Norden (Tundrengürtel) und den extremen Norden (arktisches Archipel).
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Fragen und Aufgaben:
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[1]
http://www.ainc-inac.gc.ca/hrtg/index_e.html
[2]
http://www.win.tue.nl/cs/fm/engels/discovery/viking.html
[3] http://www.ccbn-nbc.gc.ca/
[4]
http://www.pbs.org/ktca/liberty/chronicle/
[5]
http://www.sasked.gov.sk.ca/docs/elemsoc/g4u22ess.html
[6]
http://www.collectionscanada.ca/2/18/h18-2000-e.html
[7]
http://www.city.ottawa.on.ca/
[8]
http://www.sverdrup2000.org/welcome.htm
[9]
http://www.sverdrup2000.org/nunavut.htm
[10]
http://www.pch.gc.ca/jubilee/english.htm
[11]
http://www.dfait-maeci.gc.ca/foreign_policy/commonwealth/menu-en.asp
[12]
http://www.unac.org/en/index.asp
[13]
http://www.nato.int/docu/other/de/deutsch.htm
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