|
Didaktische Zielsetzung:
Vermittlung von Einsichten in die Bedeutung und den Wandel des Transport- und
Kommunikationswesens Kanadas in historischer und aktueller Perspektive unter bes.
Berücksichtigung des technologischen Wandels. Schlüsselbegriffe: Historische Handelsstraßen, Wasserstraßen, das frühe Eisenbahnzeitalter, Bedeutungswandel verschiedener Verkehrsträger: Autobahnen, Schienenwege, Flughäfen |
Die räumlichen Dimensionen Kanadas sind für Europäer schwer vorstellbar. Bei einer Durchquerung von Ost nach West erstreckt sich Kanada zwischen dem Atlantik und dem Pazifik über fünfeinhalb Zeitzonen. Anders ausgedrückt: Wenn man sich in St. John‘s (Neufundland) um 12 Uhr mittags zum Mittagessen begibt, stehen die Bewohner von Victoria (Britisch-Kolumbien) um 6.30 Uhr morgens soeben auf. Dies bedeutet, daß in Kanada dem Transport- und Kommunikationswesen eine besondere Bedeutung zukommt.
Vor der Einführung moderner Transportmittel war das Birkenrindenkanu, das die Europäer von den Ureinwohnern kennengelernt hatten, über einen langen Zeitraum hinweg das wichtigste Transportmittel. Namentlich die Pelzhändler gelangten auf diese Weise in das Innere des Kontinents. Auch wenn das Birkenrindenkanu [1] längst der Vergangenheit angehört, so blieb doch die Bedeutung der Wasserstraßen für das Transportwesen bestehen. Mit dem 3.800 km langen St.-Lorenz-Strom besitzt Kanada z.B. einen Zugang vom Atlantik bis weit in das Landesinnere hinein. Bereits in den 1820er Jahren wurde mit dem Bau eines Kanals begonnen, um diesen Transportweg noch zu verbessern. Nach verschiedenen Ausbauphasen wurde das Projekt des Große-Seen/St-Lorenz-Seewegs [2] im Jahre 1959 abgeschlossen. Heute können ozeantüchtige Schiffe mit 200 m Länge und bis zu 25.000 BRT auf diesem Seeweg bis nach Duluth am Oberen See gelangen. Sie überwinden dabei insgesamt eine Höhendifferenz von 183 m, die in zahlreichen Schleusen und Kanälen (z.B. dem Wellandkanal, der die Niagarafälle zwischen dem Ontariosee und dem Eriesee umgeht) bewältigt werden.
Die Eisenbahn [3] war das erste moderne Transportmittel, das eine Verbindung zwischen dem Ost- und Westteil des Landes herstellte. Dabei ist zu betonen, daß für jegliche Art von Kommunikation zwischen Ost- und Westkanada auf dem Landwege der Kanadische Schild und die Kordilleren die größten natürlichen Hindernisse darstellten. Mit der Fertigstellung der Intercolonial Railway von Montreal nach Halifax im Jahre 1876 sowie der Canadian Pacific Railway [4] von Montreal nach Vancouver im Jahre 1885 war erstmalig eine transkontinentale Verbindung in Kanada vorhanden. Vorher gab es schon transkontinentale Eisenbahnstrecken in den USA, zum Beispiel seit 1869 die Union Pacific Railway von Chicago nach San Francisco.
Zusammen mit dem Eisenbahnbau, zum Teil aber auch schon früher, wurden Telegrafenleitungen verlegt, so daß mit der Inbetriebnahme der Eisenbahn auch moderne Informationsübermittlungen möglich wurden. Zwar gab es bereits 1916 eine erste Telefonverbindung [5] von Ost nach West, hierfür mußte jedoch das Leitungssystem der USA genutzt werden. Erst 1932 wurde ein flächendeckendes Telefonnetz für ganz Kanada einschließlich des Kanadischen Schildes eingerichtet. Dieses ermöglichte nun auch die Radioübermittlung, ohne auf US-Stationen angewiesen zu sein.
Die Palette der Transport- und Kommunikationswege ist damit nicht erschöpft. Sie erfaßt noch zahlreiche andere Bereiche, die hier nur angedeutet seien. Regelmäßiger Luftverkehr zwischen Montreal und Vancouver begann 1939. Zwei Jahre später wurde eine Linie von Montreal nach Halifax eröffnet. Seit den 50er Jahren führen Öl-Leitungen von Alberta nach Zentral- bzw. Ostkanada (wobei ein großer Teil der Strecke durch die USA führt, um den Kanadischen Schild südlich zu umgehen) sowie zur Pazifischen Küste. Am Ende der 1950er Jahre wurde ein landesweites Fernsehnetz eingerichtet. Die erste transkontinentale Straße ist seit 1960 der sog. Trans-Canada-Highway [6]. Seit 1980 ermöglichen es Satellitenübertragungen, daß z.B. die Tageszeitung The Globe and Mail landesweit gleichzeitig hergestellt werden kann, was ihr tägliches Erscheinen in allen Teilen des Landes gewährleistet. Große Fortschritte verzeichnete der elektronische Datentransfer durch die Glasfasertechnologie. Die Kommunikation via Satelliten ist die jüngste Errungenschaft einer verbesserten Datenübermittlung für Fernsehen, Telefon, Fax und Computer.
Die Einbindung des Nordens in das Transport- und Kommunikationswesen Kanadas stellte eine noch größere Herausforderung als die Ost-West-Verbindung dar. Auf der Suche nach der sog. Nordwestpassage [7] (die Verbindung vom Atlantik zum Pazifik nördlich des amerikanischen Kontinents) oder einem Zugang zum Nordpol gelangten Forscher und Abenteurer schon seit dem 16. Jahrhundert per Schiff in die arktischen Gebiete. Es sollte aber noch Jahrhunderte dauern, bevor diese Bemühungen belohnt wurden. Der Norweger Roald Amundsen [8] war der erste, der in den Jahren 1903 bis 1906 die Nordwestpassage durchsegelte und der Amerikaner Robert Peary [9] beansprucht, 1909 als erster den Nordpol erreicht zu haben.
Von besonderer Bedeutung für die Einbindung des Nordens in das Kommunikationssystem Kanadas waren von Beginn an wirtschaftliche Interessen. 1670 wurde in Großbritannien die Hudson Bay Company [10] gegründet, eine Pelzhandelsgesellschaft, die ein weites Netz von Handelsposten errichtete, in denen Handelsgüter aus Europa gegen Pelze eingetauscht wurden. Im 19. Jahrhundert wurde der Walfang in der östlichen und westlichen Arktis sowie in der Hudson Bay intensiviert. In dieser Phase stießen die Pelzhändler über den Mackenzie River bis in die westliche Arktis vor, um auch hier Handelsposten zu errichten. Auch die berittene Nord-West Polizei, die 1920 in Royal Canadian Mounted Police [11] (königlich-kanadische berittene Polizei) umbenannt wurde, spielte bei der Erschließung des Nordens eine wichtige Rolle, ebenso wie die Missionare, die mit Motorschiffen in die östlichen Arktis und mit Booten und Kanus in die westliche Arktis vordrangen, um hier ihre Missionsstationen zu errichten.
Bedeutete der Einsatz von Motorschiffen und der Eisenbahn [12] bereits einen Fortschritt für die Reisen in den Norden, so brachte das Flugzeug in den 1920er Jahren den entscheidenden Durchbruch. Buschpiloten erlangten in Kanada zu jener Zeit große Popularität, wenn sie mit kleinen, im Sommer mit Pontons für die Landung auf Seen und Flüssen ausgerüsteten Flugzeugen (die im Winter durch Skier ersetzt wurden) in den Norden flogen. Buschflugzeuge [13] ermöglichten zum ersten Mal eine zügige Kommunikation zu isolierten Siedlungen. Sie waren außerdem hilfreich bei der Suche nach Entwicklungsstandorten für Bergwerke, indem sie die benötigten Arbeiter sowie die Ausrüstung transportieren konnten. Heute verfügen alle größeren Gemeinden im Norden über Landebahnen. Der Luftverkehr kann als das eigentliche Binde- und Verbindungsglied des Nordens betrachtet werden, da die meisten Wasserwege nur im Sommer schiffbar sind. Sie dienen vor allem dem Transport schwerer Güter, die im Zusammenhang mit der wirtschaftlichen Erschließung in den Norden gebracht werden. Hierbei spielen auch die alljährlich im Winter eingerichteten Eisstraßen auf den Seen und Flüssen eine gewisse Rolle.
Einige Eisenbahnverbindungen verlaufen ebenfalls in nördlicher Richtung. 1922 wurde in Nordalberta eine Strecke entlang des Athabaska River bis nach Fort McMurray [14] gebaut, um eine Transportverbindung zum Mackenzie River zu schaffen. 1929 wurde in Manitoba eine Eisenbahnlinie bis nach Churchill an der Hudson Bay angelegt, das zu einem Umschlagplatz für Getreide aus den Prärien ausgebaut wurde. 1932 erhielt Moosonee an der James Bay einen Eisenbahnanschluß, was Ontario den Zugang zum Norden ermöglichte. Weitere Eisenbahnverbindungen wurden v.a. für den Erztransport zu den großen Rohstofflagerstätten hergestellt. Dazu zählt zum Beispiel die Strecke zu den Eisenerzlagern in Schefferville, Nordquebec (1954) sowie eine Linie nach Hay River in den Nordwest-Territorien (1964). In den etwas stärker besiedelten Gebieten der westlichen Arktis wurden auch einige Straßen geschaffen, darunter der Alaska Highway, der 1942 während des Zweiten Weltkrieges innerhalb kurzer Zeit von US-amerikanischen Armeeingenieuren gebaut wurde. 1961 entstand eine Straßenverbindung zu den Goldminen in Yellowknife [15], 1979 erreichte der Dempster Highway im Yukon Territorium den Unterlauf des Mackenzie-River. Im Zusammenhang mit dem Wasserkraftprojekt an der James Bay entstand in den 1970er Jahren eine Straße nach Radisson, Québec. Wo alle übrigen Kommunikationsträger versagen, verbinden heute Fernsehen und Telephon via Satellit die Menschen und Siedlungen miteinander und stellen den Kontakt mit der Außenwelt sicher.
|
Fragen und Aufgaben:
|
[1]
http://www.nativetech.org/brchbark/bigcanoe.htm
[2]
http://www.greatlakes-seaway.com/en/home.html
[3]
http://www.cprheritage.com/photo_graphics/trainsfreight/FrameSet.htm
[4]
http://www8.cpr.ca/cms/English/default.htm
[5]
http://www.privateline.com/TelephoneHistory/History1.htm
[6]
http://freespace.virgin.net/john.cletheroe/usa_can/can/tch.htm
[7]
http://www.voicenet.com/~jstewart/nwt/nwt.html
[8]
http://www.deutsches-museum.de/mum/dioramen/e_amund.html
[9]
http://www.matthewhenson.com/1911.html
[10]
http://www.gov.mb.ca/chc/archives/hbca/about/hbca.html
[11]
http://www.rcmp.ca/history/history_e.htm
[12]
http://collections.ic.gc.ca/maritime_museum/commerce/cpcn.html
[13]
http://collections.ic.gc.ca/sgraham/home.htm
[14]
http://www.fortmcmurrayhistory.com/index.htm#return
[15]
http://www.gov.nt.ca/RWED/gallery/minerals/pouringgold.htm
| Seitenanfang | Inhalt | VGT Home |