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Didaktische Zielsetzung:
Problemorientierter Überblick über die wichtigsten
Wirtschaftsbereiche mit spezieller Behandlung des primären und sekundären
(verarbeitende Industrie) Sektors, des Handels und des Dienstleistungsbereichs. Schlüsselbegriffe: Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Fischerei, Bergbau, Primärresourcen, Energiewirtschaft, Verarbeitende Industrie, Autopakt, High-Tech, Handel, Handelspartner, Einzelhandel, Dienstleistungen |
Die Verteilung des Bruttosozialprodukts nach Wirtschaftssektoren weist Kanada als eine moderne Wirtschaftsnation aus. Mitte der 1990er Jahre wurden im primären Sektor nur rund 7%, im sekundären Sektor einschließlich Baugewerbe 24% und im tertiären Sektor 69% erwirtschaftet. Dies spiegelt die große Bedeutung des Industrie- und Dienstleistungsgewerbes wider, die für moderne Industriegesellschaften kennzeichnend ist. Gleichwohl ist der Reichtum an natürlichen Ressourcen [1], der für die Entwicklung Kanadas traditionell sehr wichtig war, auch heute noch ein solides Standbein der kanadischen Wirtschaft, insbesondere des Exportsektors. Ein genauerer Blick auf den primären Wirtschaftsbereich macht dies deutlich (vgl. Abb. zur Exporttheorie).
Zu den Reichtümern des Landes zählen die Energiereserven. Allerdings sind die verschiedenen Energieträger ungleichmäßig über das Land verteilt, so daß Wasserkraft, Kohle, Öl und Erdgas meist über große Entfernungen von ihren Lagerstätten oder Produktionsorten zu den Verarbeitungs- oder Verbrauchszentren transportiert werden müssen. Viele dieser Rohstoffe werden sogar exportiert, weil es für Kanada manchmal interessanter ist, billigere Energie aus dem Ausland zu importieren. Somit gibt es einen regen Rohstoff- und Energietransport innerhalb des Landes sowie über die Landesgrenzen hinweg.
Ein Energiesektor mit langer Tradition ist die Wasserkraftgewinnung [2]. Die ersten großen Wasserkraftwerke Kanadas wurden in Ontario an den Niagarafällen errichtet. Außerdem gibt es Elektrizitätswerke stromabwärts am St.-Lorenz-Fluß in Ontario und Quebec, die im Zusammenhang mit dem Ausbau des St.-Lorenz-Seewegs in den 1950er Jahren beträchtlich vergrößert wurden. Besonders günstige Voraussetzungen für die Gewinnung von Hydroenergie bestehen im Bereich des Kanadischen Schildes. An zahlreichen Standorten von Labrador bis Saskatchewan und in den Nordwest-Territorien wurden Kraftwerke errichtet. Quebec besitzt riesige Einrichtungen, von denen allerdings einige zu politischen Konflikten mit der Urbevölkerung und mit Umweltgruppierungen geführt haben. Dies trifft besonders auf das James-Bay Projekt am Grande Rivière zu, wo weitläufige Jagd- und Fischereigebiete der Urbevölkerung östlich der James Bay durch die Anlage von Staudämmen überflutet worden sind. Betreiber dieser Anlagen ist Hydro-Quebec, eine Gesellschaft, die unter starker Kontrolle der Provinzregierung von Quebec für die Energiegewinnung im Norden verantwortlich ist. Quebec selbst hat einen hohen Energiebedarf, u.a. im Bereich der Aluminiumindustrie. Gleichwohl spielt der Export in die USA eine wichtige Rolle, für den z.B. in den Elektrizitätswerken Labradors fast ausschließlich produziert wird.
In Ontario ist der Bedarf an Energie so groß, daß neben Wasserkraftwerken auch Atomkraftwerke betrieben werden. Manitoba dagegen verfügt über einen starken Energieüberschuß, der vor allem in die USA exportiert wird. Britisch-Kolumbien schließlich besitzt riesige Wasserkraftwerke in den Tälern der Kordilleren und exportiert Strom im Rahmen langfristiger Vereinbarungen ebenfalls in die USA. In Kanada gibt es noch weitere Potentiale für Hydroenergiegewinnung, allerdings würde ihre Nutzung zwangsläufig Eingriffe in die Ökologie und in die Lebensräume der Urbevölkerung nach sich ziehen. Diese negativen Begleiterscheinungen von Wasserkraftwerken werden heute höher eingeschätzt als in der Vergangenheit, mit der Konsequenz, daß derzeit keine weiteren Anlagen mehr geplant sind.
Kohle [3] wurde lange Zeit an der Atlantikküste in Neuschottland abgebaut und bildet dort die Grundlage einer lokalen Eisen- und Stahlindustrie. Ein weiteres Abbaugebiet befand sich an der Pazifikküste auf Vancouver Island, allerdings sind diese Bergwerke inzwischen stillgelegt. Kanadas größte Kohlelagerstätten befinden sich in den Rocky Mountains, in der angrenzenden Vorbergzone (den sog. Foothills) und in den Prärien. Zusammen entfallen auf diese Reviere 95% aller in Kanada geförderten Kohle. Alberta ist die führende Provinz, gefolgt von Britisch-Kolumbien und Saskatchewan. Die in Kanada geförderte Braunkohle wird weitestgehend in Kanada verbraucht, während große Teile der Steinkohlenförderung nach Japan exportiert werden. In den industriellen Kernregionen des Landes, in Ontario und Quebec, gibt es keine Kohlevorkommen, so daß hier die für die Eisen- und Stahlindustrie benötigte Kohle aus den USA importiert werden muß. In Neuschottland, Ontario, Saskatchewan und Alberta wird Kohle vorwiegend für Wärmekraftwerke genutzt.
Erdöl [4] wurde erstmalig im 19. Jahrhundert in Südontario gefördert, Anfang des 20. Jahrhunderts dann auch in Alberta, jedoch in beiden Gebieten nur in geringen Mengen. Bis 1947 war Kanada daher von Ölimporten abhängig. In jenem Jahr wurde ein bedeutendes Ölfeld südlich von Edmonton (Alberta) entdeckt, das zum Grundstein für eine umfangreiche Petroindustrie wurde. Derzeit ist Alberta mit Abstand die wichtigste ölproduzierende Provinz, gefolgt von Saskatchewan. Diese beiden Provinzen sowie Britisch-Kolumbien verfügen außerdem über beachtliche Erdgasvorkommen [5]. In Pipelines wird das Öl und Gas zu den großen Absatzmärkten in Ontario, Quebec und den USA transportiert. Große Erdölreserven wurden außerdem in der Arktis entdeckt. Aufgrund der hohen Erschließungskosten in diesem Gebiet werden sie jedoch derzeit nicht abgebaut. Auch im Festlandsockel des Atlantischen Ozeans vor Neuschottland wird Öl gefördert, ebenso in dem seit 1998 in Betrieb genommenen Hibernia-Ölfeld [6] weit draußen im Atlantik, rund 300 km vor St. John’s, Neufundland. Im nördlichen Alberta wird Öl aus ölhaltigen Sanden gewonnen, die entlang des Athabascaflusses bei Fort McMurray lagern. Diese Ölsandfelder [7] stellen eine der größten Erdölreserven der Welt dar.
Aufgrund der großen Bedeutung seiner Erdöl- und Erdgasproduktion ist Alberta heute führende Rohstoffprovinz des Landes. Aber auch die Provinzen, die in den Kanadischen Schild mit seinen ausgedehnten vulkanischen und metamorphen Gesteinen hineinreichen, verfügen über wichtige, kommerziell nutzbare Bodenschätze der verschiedensten Art. Im Norden Saskatchewans finden sich z.B. in dem Sockel des Kanadischen Schildes die reichhaltigsten Uranlager [8] der Welt. Manitoba verfügt über bedeutende Nickel- und Kupfervorkommen. In Ontario spielt der Gold-, Silber-, Kupfer-, Zink- und Nickelbergbau eine wichtige Rolle. Die Provinz Québec verfügt über bedeutende Lagerstätten an Eisenerz, Gold und verschiedener Nichtmetalle (darunter Asbest). Auch in Labrador gibt es große Eisenerzreserven. 1993 wurden reichhaltige Nickelvorkommen direkt an der atlantischen Küste in Labrador entdeckt, mit deren Erschließung inzwischen begonnen wurde.
Auch außerhalb des Kanadischen Schildes gibt es viele Lagerstätten. In den Sedimentschichten der inneren Ebenen Saskatchewans befinden sich die weltgrößten Kalireserven, die zur Herstellung von Dünger genutzt werden. Eine große Bandbreite an Rohstoffen wird in Britisch-Kolumbien abgebaut, unter anderem Gold, Kupfer, Blei und Zink. Der Bergbau begann mit dem berühmten Goldrausch im Jahr 1858 zu den Goldlagerstätten der inneren Hochebenen Britisch-Kolumbiens. Die weitaus größten Goldvorkommen wurden 1896 im Gebiet des Klondike im Yukon entdeckt, die 1898 zu dem legendären Klondike-Goldrausch [9] führten. Heute ist der Goldbergbau in den Nordwest-Territorien allerdings wichtiger als im Yukon. Yellowknife ist seit den 1930er Jahren ein Zentrum für den Goldabbau, jedoch könnte die Erschließung einer bedeutenden Diamantenmine [10] 290 km nördlich von Yellowknife in den kommenden Jahren einen neuen Bergbauboom auslösen. Das Vorkommen liegt nördlich der Baumgrenze im Gebiet des Permafrosts. Von daher muß die Ausbeutung mit großer Sorgfalt erfolgen, um die Landschaft sowie die Karibuherden dieses Gebietes nicht zu gefährden. Etwas nördlich von Resolute in den Nordwest-Territorien liegt die nördlichste Mine der Welt, in der seit 1981 Blei und Zink abgebaut werden.
All dieses darf nicht darüber hinwegtäuschen, daß primäre Handelsgüter wie Fisch, Pelze und landwirtschaftliche Produkte stets wichtigte Antriebskräfte für die Entwicklung Kanadas waren und teilweise auch heute noch sind, was in der Literatur immer wieder hervorgehoben wird. Die Fischerei [11] ist insbesondere in den atlantischen und pazifischen Schelfgebieten wichtig, wobei es hier gerade in der jüngeren Vergangenheit wegen Überfischung zu ernsthaften Problemen und politischen Konflikten mit anderen Fischfangnationen gekommen ist. So mußte 1992 der Kabeljaufang an der Atlantikküste vorübergehend eingestellt werden. Dadurch wurde vielen Gemeinden, insbesondere in Neufundland, die Lebensgrundlage entzogen. Zu erwähnen ist auch die Binnenfischerei, deren kommerzielle Bedeutung jedoch im Vergleich zur Ozeanfischerei deutlich geringer ist.
Einen besonderen Stellenwert hat für Kanada die Forstwirtschaft [12], mit Schwerpunkten in Britisch-Kolumbien und Québec. Britisch-Kolumbien ist insbesondere aufgrund seiner ausgedehnten ektropischen Regenwälder der führende Holzproduzent des Landes, in dem rund die Hälfte aller forstwirtschaftlichen Produkte hergestellt werden. Die Holzwirtschaft [13] ist außerdem traditionell in Quebec, Ontario und Neubraunschweig von großer Bedeutung. In jüngerer Zeit wurde die Forstwirtschaft auch in Alberta, Saskatchewan und Manitoba intensiviert, was ein Vordringen des Menschen in die zentralen und nördlichen Gebiete des borealen waldgürtels impliziert. Wichtigste Produkte der stark exportorientierten Holzindustrie sind Zellulose und Papier.
Spricht man von der kanadischen Landwirtschaft, so denkt man fast automatisch an die Weizenfelder [14] der Prärien, insbesondere Saskatchewans, das hinsichtlich des Produktionswertes der landwirtschaftlichen Produkte unter den Provinzen Kanadas traditionell die Spitzenposition einnimmt. Weizen und andere Getreidearten sowie Raps ( canola) [15] sind die wichtigsten Anbaupflanzen der Prärien, die teilweise in Monokultur angebaut werden. In jüngerer Zeit hat der Agrarsektor in der Provinz Alberta einen bedeutenden Aufschwung genommen. Die expandierenden Städte dieser Provinz stellen einen geeigneten Absatzmarkt für Milchprodukte dar, außerdem gibt es ausreichend Weide- und Anbauflächen. Auch in Manitoba herrscht der Getreidebau vor, viele Betriebe betreiben jedoch gleichzeitig noch Viehwirtschaft. Eine Sonderstellung in den Westprovinzen nimmt Britisch-Kolumbien ein. Im unteren Frasertal werden vorwiegend Molkereiprodukte für den nahen urbanen Markt produziert (Großraum Vancopuver). Im Landesinneren, insbesondere in den inneren Becken- und Plateauflächen, herrscht extensive Viehwirtschaft vor. In einigen besonders begünstigten Gebieten wie etwa im Okanagantal wird Obst- und Gemüseanbau auf Bewässerungsgrundlage betrieben.
Der Ostteil des Landes stellt sich hinsichtlich der landwirtschaftlichen Nutzung differenzierter dar. Südontario besitzt eine sehr diversifizierte und relativ intensive Landwirtschaft. Neben Mais und Sojabohnen werden in einigen klimatisch begünstigten Gebieten Gemüse, Obst, Tabak und Wein angebaut, außerdem gibt es viele gemischtwirtschaftliche Farmen, die neben dem Ackerbau zusätzlich Milch- und Fleischwirtschaft betreiben. Quebec ist landesweit führend bei der Herstellung von Molkereiprodukten, während in den maritimen Provinzen eine diversifizierte Landwirtschaft vorherrscht. Prince-Edward-Insel und Neubraunschweig sind Spezialanbaugebiete für Kartoffeln, während in Neuschottland dem Obst- und Gemüseanbau neben der Milchwirtschaft eine große Bedeutung zukommt. Insgesamt ist die Vielfalt der landwirtschaftlichen Produktion [16] Kanadas sehr breit. Das Land ist ein wichtiger Exporteur von Nahrungsmitteln, mit Weizen, Raps und Rindern als wichtigsten Exportgütern in diesem Sektor. Sie bewirken einen Handelsüberschuß im Bereich landwirtschaftlicher Güter, obwohl Kanada auch große Mengen an Lebensmitteln importiert, so zum Beispiel tropische und subtropische Früchten wie Bananen und Orangen sowie Gemüse für die Wintermonate.
Der Überblick macht deutlich, daß Kanadas Rohstoffbasis auch heute noch ein wichtiger Motor der wirtschaftlichen Entwicklung darstellt. Es wurden sogar Wachstumstheorien entwickelt, um dieses Phänomen zu beschreiben. Sie werden als Rohstoff-Wachstums-Theorie (die sog. Staple-growth-theory) bezeichnet. Die Relevanz dieser Theorie ist gleichwohl vor dem Hintergrund der jüngeren Entwicklung zurückgegangen, da sich auch in Kanada in den letzten Jahrzehnten ein verstärkter Trend zur verarbeitenden Industrie herauskristallisiert hat.
Allerdings hat sich dieser Prozeß nicht landesweit einheitlich vollzogen. Seit dem späten 19. Jahrhundert konzentriert sich Kanadas industrielle Kernregion auf die beiden Provinzen Ontario und Quebec. Ontario produziert im Durchschnitt der letzten Jahre einen Wertanteil von rund 50% aller im Land hergestellten Güter, Quebec trägt weitere 25% dazu bei. Der größte Anteil der kanadischen Eisen- und Stahlerzeugung liegt in Ontario, mit der dafür notwendigen Kohle aus den USA. Die benötigten Eisenerze kommen aus verschiedenen Teilen des Landes, zum Beispiel aus Nordquebec und Labrador.
Ein wichtiger Bereich ist die Automobilindustrie, auch wenn Kanada über keine eigenen Automobilhersteller verfügt. Aber bereits ein Jahr, nachdem Henry Ford [17] 1904 sein erstes Autowerk in Detroit (Michigan) errichtet hatte, eröffnete er ein Zweigwerk auf der kanadischen Seite des Detroit Rivers in Windsor, Ontario. Seitdem ist die Automobilproduktion sowie die Zulieferindustrie ein wichtiger Motor der Wirtschaft Ontarios, die unter einem unbestreitbaren Einfluß amerikanischer Automobilkonzerne wie Ford, General Motors und Chrysler sowie meherer japanischer Unternehmen steht.
Von besonderer Bedeutung für die industrielle Entwicklung wurde ein 1965 zwischen den USA und Kanada abgeschlossenes Handelsabkommen, der sogenannte Auto-Pact [18], in dem der Austausch von Autoteilen sowie fertigen Autos über die Grenzen hinweg vereinbart wurde. In dem Vertrag wurde festgeschrieben, daß US-amerikanische Autohersteller in Kanada Autos bzw. Autoteile in mindestens dem Wert herstellen lassen, wie sie in Kanada Kfz.-Endprodukte verkaufen. Diese Abkommen ist für die kanadische Wirtschaft von großem Nutzen gewesen, insbesondere für Ontario, wo ein Großteil der Autoindustrie konzentriert ist. Hier werden heute rund doppelt so viele Autos hergestellt wie von den USA tatsächlich in Kanada verkauft werden.
Andere Schwerpunkte des verarbeitenden Sektors sind zukunftsorientierte High-Tech-Bereiche, die ebenfalls in starkem Maße in Zentralkanada angesiedelt sind. Die kanadische Luftfahrtindustrie hat z.B. in Montreal einen wichtigen Standort. Das Unternehmen Bombardier ist heute Nordamerikas drittgrößter Flugzeughersteller nach Boeing und McDonald-Douglas. Traditionell ist Montreal auch ein Schwerpunkt der Textilindustrie. In Ottawa konzentrieren sich, in unmittelbarer Nähe zu den nationalen Forschungslaboratorien, ebenfalls zahlreiche Unternehmen der High-Tech Industrie. Enge Zusammenhänge bestehen auch zu den Bildungs- und Forschungseinrichtungen des Landes. Im Großraum Toronto befinden sich z.B. mehrere Universitäten, die in starkem Maße in die Technologieforschung involviert sind.
Besondere Beachtung in der kanadischen Wirtschaftsstruktur verdient der tertiäre Sektor, dessen Bedeutung in den vergangenen Jahrzehnten ständig gewachsen ist. Der Anteil der Beschäftigten im primären und sekundären Wirtschaftsbereich betrug 1994 z.B. zusammengenommen nur rund 26% der insgesamt 14.832.000 Arbeitnehmer Kanadas, bei weiterhin rückläufiger Tendenz. Wie in anderen industrialisierten Teilen der Welt hat der Anteil des Dienstleistungssektors demgegenüber seit langem kontinuierlich zugenommen. 1994 waren im tertiären Wirtschaftsbereich 74% aller Beschäftigten [19] tätig, davon die überwiegende Mehrheit in den urbanen Zentren.
Ein wichtiger Bereich ist hierbei der Handel, nicht zuletzt deshalb, weil die kanadische Wirtschaft in starkem Maße exportabhängig ist. Lange Zeit war Europa der wichtigste Absatzmarkt für ressourcenabhängige Güter aus Kanada. Das galt z.B. für Fisch und Getreide, aber auch für Holzprodukte und zahlreiche andere Waren. Mit 7% aller kanadischen Exporte ist Europa zwar auch heute noch ein bedeutender Markt, die wichtigsten Handelspartner [20] sind jedoch die USA und Japan. 1995 gingen 79% aller Exporte in das Nachbarland. Dieser hohe Anteil ist auf die große Zahl von Rohstoffen zurückzuführen, insbesondere Holz, Zellulose und Papier sowie zahlreiche mineralische Rohstoffe, die die USA aus Kanada importieren. Von noch größerer Bedeutung ist jedoch der Handel mit Autos und Autozubehör im Zusammenhang mit dem bereits erwähnten Auto-Pact.
Im Gegenzug importiert Kanada mehr Waren aus den USA als aus irgendeinem anderen Land, insgesamt 67% aller Importe. Kanada verzeichnet einen großen Handelsüberschuß mit den USA, aber in den Handelsbeziehungen mit vielen anderen Ländern importiert Kanada mehr als es exportiert. So sind Japan, Großbritannien, Deutschland, Frankreich und Italien wichtige Handelspartner, mit denen Kanada jeweils ein Handelsdefizit aufweist. Die Struktur des Handels mit Deutschland verläuft nach einem typischen Muster: Kanada exportiert Rohstoffe sowie Maschinen und Geräte nach Deutschland, importiert dafür aber industrielle Fertigwaren. 1995 hat Kanada Waren im Wert von CAD $ 3.150,3 Millionen nach Deutschland ausgeführt, dagegen aber Waren im Wert von CAD $ 4.801 Millionen eingeführt.
Die Gesamthandelsbilanz des Landes ist gleichwohl positiv, was hauptsächlich auf den vorteilhaften Autovertrag mit den USA zurückzuführen ist. Das Nordamerikanische Freihandelsabkommen zwischen den USA, Kanada und Mexiko (NAFTA) wird dies eventuell verändern. Produktbezogen [21] verbucht Kanada einen Handelsüberschuß bei Agrarprodukten, Fischwaren, Energie, Holzprodukten, Industriewaren und Autos bzw. Autoteilen, es weist jedoch ein Defizit bei Maschinen und Geräten sowie sonstigen Verbrauchsgütern auf.
In diesem Zusammenhang ist auf eine weitere Besonderheit Kanadas hinzuweisen. Charakteristisch ist, daß viele Wirtschafts- und Dienstleistungsunternehmen landesweit operieren. Ihr Hauptsitz liegt in einer der großen Städte, während zahlreiche Zweigniederlassungen in den kleinen und mittleren urbanen Zentren im gesamten Land bestehen. Banken sind dafür ein gutes Beispiel. In Kanada gibt es nur fünf große Bankunternehmen, die alle ihren Hauptsitz in Montreal oder Toronto haben. Sie besitzen jedoch ein weitverzweigtes Zweigstellensystem mit zahlreichen Filialen in Städten in allen Teilen des Landes, in denen Tausende von Angestellten beschäftigt sind. In ähnlicher Weise gibt es nationale oder regionale Filialunternehmen von Warenhäusern, Haushaltswarenläden, Lebensmittelketten, Drogeriemärkten, Restaurantketten usw. Viele von ihnen sind landesweit an einem speziellen Gebäudestil und/oder Marketingdesign erkennbar. Als Folge davon verlieren viele Städte Teile ihrer Individualität, besonders in den Gewerbegebieten mit ihrer Häufung von kanadischen oder internationalen Dienstleistungseinrichtungen, von denen eine auffällige architektonische Uniformität ausgeht.
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Fragen und Aufgaben:
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[1]
http://www.nrcan-rncan.gc.ca/inter/index_e.html
[2]
http://www.canhydropower.org/hydro_e/p_hyd_b.htm
[3] http://www.coal.ca
[4] http://www.pcf.ab.ca/silos/ET-CanEn01.asp
[5]
http://www2.nrcan.gc.ca/es/ener2000/online/html/chap3b_e.cfm
[6]
http://www.gov.nf.ca/mines&en/maps/offshore/SDOGB.pdf
[7]
http://www.nrcan-rncan.gc.ca:80/media/newsreleases/1996/199609a_e.htm
[8]
http://interactive.usask.ca/ski/mining/search/mineral_types/energy/uranium/
[9] http://www.nps.gov/klgo/
[10]
http://www.ainc-inac.gc.ca/nr/ecd/ssd/otm11_e.html
[11]
http://www.dfo-mpo.gc.ca/communic/statistics/commercial/landings/index_e.htm
[12]
http://interactive.usask.ca/ski/forestry/industry/history_cdn.html
[13] http://www.forest.ca
[14]
http://www.newholland.com/na/news/nhn/Sept01/V47No6_3.htm
[15]
http://grainscanada.gc.ca/quality/canola/2000/canola00hs10-e.htm#table2
[16]
http://www.cfa-fca.ca/francais/lagriculture_au_canada/productions.html
[17]
http://www.motorsportshalloffame.com/halloffame/1993/Henry_Ford_main.htm
[18]
http://archives.cbc.ca/IDD-1-73-326/politics_economy/auto_pact/
[19]
http://www.statcan.ca/english/Pgdb/labor21a.htm
[20]
http://www.statcan.ca/english/Pgdb/gblec02a.htm
[21]
http://www.statcan.ca/english/Pgdb/gblec04.htm
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