Geographisch gesehen ist Kanada ein riesiges Land, in dem die Bevölkerung zwar nicht gleichmäßig verteilt, jedoch gleichwohl weit verstreut lebt [1]. Die Wirtschaft des Landes, insbesondere die verarbeitende Industrie, ist nach wie vor in starkem Maße von Primärressourcen abhängig, die oft über große Distanzen über das ganze Land zu den Verarbeitungs- oder Vermarktungszentren transportiert werden müssen. Ein zuverlässiges, effizientes Transportwesen ist von daher für die Menschen und die Wirtschaft lebensnotwendig, wobei sich dieses auf fünf wichtige Träger [2] stützt: Luft, Straße, Schiene, Wasser und Pipelines. Jedem dieser Verkehrsträger kann, je nach Raum und Transportgut, eine besondere Bedeutung zufallen. Auch die geschichtliche Erschließung und Entwicklung des Landes war in starkem Maße von der Verfügbarkeit bestimmter Verkehrs- und Transportmöglichkeiten abhängig.
Betrachtet man die heutige Situation, so hat der Luftverkehr einen großen Stellenwert. Die erste kanadische Fluggesellschaft, Trans Canada Airlines, wurde bereits 1937 gegründet. Aus kleinsten Anfängen heraus am Beginn standen 10 Passagierflugzeuge und ein Kleinflugzeug für das Versprühen von Pflanzenschutzmitteln versorgte diese Gesellschaft 1948 schon alle wichtigsten kanadischen Städte und verfügte über erste internationale Verbindungen nach Europa und in die Karibik. 1965 wurde das Unternehmen in Air Canada umbenannt [3], dessen Flotte sich bis zum Ende des Jahrhunderts auf 157 Maschinen ausgeweitet hatte, die 545 Ziele auf der ganzen Welt ansteuerten. Parallel entwickelte sich seit 1942 mit Canadian Pacific Airlines eine zweite Fluggesellschaft, die bis Ende der sechziger Jahre ihr Netz besonders im pazifischen Raum mit Zielen in Ostasien, Australien und Südamerika ständig erweitern konnte. 1968 erfolgte eine Umbenennung in CP Air [4] und 1987, nach Fusion mit einigen kleineren Gesellschaften, in Canadian Airlines. Eine neuerliche Veränderung ergab sich am 1. Januar 2000, als Canadian Airlines durch Air Canada aufgekauft wurde [5]. Diese ist nunmehr die einzige große Fluggesellschaft Kanadas mit einer Flotte [6] von nun 240 Maschinen, die nahezu 600 Ziele in der ganzen Welt ansteuern.
Bereits 1960 war der Flugverkehr in Kanada ein breit genutztes Verkehrsmittel, dessen Netz sich seither ständig weiter verdichtete. Heute verfügt das Land über 515 Flughäfen/-plätze mit geteerten Landebahnen und weitere 878 mit geschotterten Pisten. Hinzu kommen 17 Hubschrauberplätze, sog. Heliports. Allein auf die Provinz Ontario entfallen 60 Flugplätze im regelmäßigen Flugverkehr, 20 davon sind für Düsenflugzeuge anfliegbar. 40 Prozent des kanadischen Binnenflugaufkommens entfallen allein auf diese Provinz, was in starkem Maße wohl auch dadurch bedingt ist, daß sich mit Lester B. Pearson Airport [7] Kanadas größter Flughafen in Toronto befindet. Von hier aus werden nicht nur alle wichtigsten kanadischen, sondern auch viele nordamerikanische (z.B. New York, Chicago, Cleveland u.a.) und internationale (z.B. London, Frankfurt, Paris u.a.) Ziele in 45 Ländern der Welt angeflogen. Hinsichtlich des Passagieraufkommens ist Lester B. Pearson der viertgrößte Flughafen Nordamerikas. Der erste Heliport wurde durch das Unternehmen Helicopter Transport Services im Jahre 1974 in Timmins (Ontario) eingerichtet. Seither hat sich das Hubschrauber-Streckennetz [8] über ganz Kanada und die Vereinigten Staaten ausgeweitet. Hubschrauber werden insbesondere eingesetzt für Krankentransporte, Geschäftsreisen, Schwertransporte in der Bauwirtschaft, Luftüberwachung, Postverteilung und für touristische Zwecke. Besondere Bedeutung haben sie im Ressourcenbereich, etwa für die Bergbauunternehmen oder in der Forstwirtschaft.
Während das Flugzeug für die größeren Distanzen heute unerläßlich ist, kommt dem Kraftfahrzeugverkehr für kürzere Distanzen die größere Bedeutung zu. Seit 1920, als die ersten Automobile in Serie produziert wurden, leben wir im Automobilzeitalter. Auch wenn seit 1987 die Wachstumsraten der Automobilindustrie geringer werden, so ist doch das Auto heute aus unserem Leben überhaupt nicht mehr wegzudenken. Gerade auf kurzen Distanzen ist der Straßentransport am wettbewerbsfähigsten und bietet das höchste Maß an Flexibilität. Seit dem Zweiten Weltkrieg ist das kanadische Straßennetz stark ausgeweitet und verbessert worden. Eine besondere Leistung stellte der Bau des 1962 eröffneten Trans Canada Highway (TCH) dar [9], mit 7.821 km der längste durchgehende Highway innerhalb eines Landes weltweit.
Der TCH beginnt in St. Johns (Neufundland) und endet in Victoria auf Vancouver Island (Britisch-Kolumbien). Über weite Strecken verfügt er autobahnmäßig über zwei Fahrbahnen, gelegentlich ist er aber auch nur zweispurig mit eingeschränkter Nutzungsberechtigung ausgebaut. Im Norden Ontarios verlaufen zwei verschiedene Trassen des TCH, eine nördliche, die die wichtigsten Bergbau- und Ressourcenzentren miteinander verknüpft und dabei durch die atemberaubende Landschaft des Kanadischen Schildes mit ihre wilden Flüssen, unberührten Seen, zahlreichen kleinen Pioniersiedlungen und die unendlichen Wälder mit ihrem Wildreichtum führt. Die südlichere Trasse verläuft weitgehend parallel zur Grenze zu den USA bzw. entlang der großen Seen (Huronsee, Oberer See). Auch in den Prärien gibt es zwei unterschiedliche Trassenführungen. In Portage la Prarie westlich von Winnipeg (Manitoba) teilt sich der TCH in eine südliche Route, die durch die drei Prärieprovinzen über Regina und Calgary in die Rocky Mountains mit ihren berühmten Pässen (z.B. dem Kicking Horse Paß [10]) nach Britisch-Kolumbien führt. Eine nördliche Route, die über Saskatoon (Saskatchewan) und Edmonton (Alberta) in den Westen führt, trägt die Bezeichnung Yellowhead Highway (benannt nach einem blondhaarigen Indianer). Der TCH ist leicht an seiner Beschilderung erkennbar, die ein in grün und weiß gehaltenes Ahornblattsymbol [11] aufweist. Der Anfangspunkt des TCH, die sog. Mile 0, befindet sich in Victoria auf Vancouver Island und ist durch ein kleines Monument markiert.
Die einzige Provinz, die nicht vom TCH erfaßt wird, ist PEI, die Prinz Eduard Insel. Bis 1997 hatte diese Insel keine feste Verbindung zum Festland. Erst der Bau der Confederation Bridge [12] über die Northhumberland Strait hat dies geändert. Die 12,9 km lange Brücke gilt als das längste Bauwerk seiner Art, das über eine zeitweilig eisbedeckte Wasserfläche führt. Die Brücke überspannt die Northhumberland Strait an deren engstem Punkt zwischen Jouriman Island (Neu-Braunschweig) und Borden-Carleton (PEI).
Neben dem TCH verfügt Canada über ein immenses Netz an Autobahnen, Highways und sonstigen Straßen, die durch die Provinzen unterhalten werden. 1995 belief sich das Straßennetz landesweit auf 1,02 Mio. km, davon waren 358.371 km geteert und 662.629 km lediglich geschottert. Ontario allein verfügt über 72.000 km Teerstraßen, was bedeutet, daß 40 Prozent der Gesamtbevölkerung Nordamerikas innerhalb von 24 Autostunden in das Herz dieser Provinz gelangen können. Highway 401 ist Ontarios wichtigste Arterie, die von Windsor (Ontario) bis nach Montréal (Québec) führt. Sie ist durchgängig vierspurig ausgebaut, verfügt jedoch z.B. im Großraum Toronto über bis zu 14 Fahrbahnen [13]. Highways 2. Ordnung (Secondary highways) gibt es lediglich in Nordontario. Viele von ihnen sind nur als Schotterstraßen ausgebaut. Sie verbinden die weitab gelegenen Siedlungen mit den Hauptstraßen. Daneben gibt es in Nordontario sogar noch einige Highways 3. Ordnung (Tertiary Highways). Diese ganz überwiegend ungeteerten Straßen enden jedoch oft unvermittelt an einem Fluß, See oder einem anderen natürlichen Hindernis [14].
Von besonderer Bedeutung bei der Erschließung Kanadas war das Eisenbahnnetz. Erste Strecken wurden seit 1854 gebaut, insbesondere zum Zweck des Rohstofftransportes (z.B. Erze) aus den entlegenen Abbaugebieten in die verarbeitenden Zentren. 1881 wurde von einer in Calgary beheimateten Gesellschaft mit dem Bau einer ersten transkontinentalen Eisenbahnlinie begonnen, der Canadian Pacific Railway [15]. Sie wurde zum bedeutendsten Verkehrsmittel bei der Erschließung des Kanadischen Westens, indem per Eisenbahn Tausende und Abertausende von Siedlern aus aller Welt in die Prärien transportiert wurden, wo sie sich eine neue Heimat und der Welt eine ihrer wichtigsten Kornkammern schufen. Das Eisenbahngelände der CPR erstreckt sich über ein Gebiet von rd. 25.000 km² zwischen dem Atlantischen und dem Pazifischen Ozean. Die wichtigsten kanadischen Städte sowie 16 Städte im mittleren Westen und im Nordosten der Vereinigten Staaten sind durch das Schienennetz der CPR verbunden. Heute betreibt die Gesellschaft ausschließlich Gütertransport, mit hohem Frachtaufkommen im Bereich von Nahrungsmitteln (Zucker, Melasse, Konserven, Frischobst und gemüse, Tiefkühlprodukte etc.) und industriellen Verbrauchsgütern und Baustoffen (Brennmaterialien, Beton & Baumaterialien, Haushaltsgeräte, Gummiprodukte, Baumwolle etc.). Eine wichtige Rolle spielt die Gesellschaft heute bei den Außenhandelsbeziehungen mit den Vereinigten Staaten.
Eine zweite bedeutende und ebenfalls heute ausschließlich auf den Güterverkehr ausgerichtete Gesellschaft ist die Canadian National Railway [16]. Sie entstand zwischen 1917 und 1923 durch den Zusammenschluß mehrerer kleiner Eisenbahngesellschaften wie der Old Grand Trunk Railway, der Grand Trunk Pacific, der Intercolonial, der Canadian Northern und schließlich der National Transcontinental Railway. Ursprünglich versorgte auch die CNR sowohl den Passagier- als auch den Güterverkehr. Wie die CPR operiert auch sie kanadaweit zwischen Halifax (Neu-Schottland) am Atlantik durch alle Provinzen hindurch bis zur Westküste mit Vancouver und Prince Rupert als Endpunkten am Pazifik. Über diese Verbindung zwischen den beiden Ozeanen hinaus reicht das Netz der CNR bis zum Golf von Mexico, indem eine Strecke über Chicago bis nach New Orleans im Süden der Vereinigten Staaten führt. Das Schienennetz der CNR erstreckt sich über 72.063 km, auf denen über 85.000 Güterwaggons im Einsatz sind. Haupttransportgüter sind Kohle, Getreide und Raffinerieprodukte.
Neben diesen beiden Gütertransportgesellschaften gibt es auch Eisenbahnunternehmen, die auf den Passagierverkehr spezialisiert sind. So bieten mehrere Gesellschaften, die im Canadian Passenger Rail Service [17] zusammengefaßt sind, Verbindungen zu den unterschiedlichsten Zielpunkten an. Ein Beispiel ist die Algoma Central Railway mit einem Service zwischen Sault-St. Marie und Hearst in Nordontario, während AMT ein Regionalsystem in Montréal versorgt. Die Ontario Northland Railway unterhält eine Strecke von North Bay nach Moosonee an der James Bay (der sog. Polarbear Express), die Quebec North Shore and Labrador Company sowie die West Coast Express Company unterhalten Strecken im atlantischen bzw. im pazifischen Landesteil. Drittgrößte Eisenbahngesellschaft Kanadas nach CPR und CNR ist BC Rail, die sowohl Güter- als auch Passagiertransport anbietet. Ihre wichtigste Strecke ist die 1573 km lange Verbindung von North-Vancouver nach Fort Nelson im Norden Britisch-Kolumbiens. Die Gesellschaft wurde bereits 1912 unter der Bezeichnung Pacific Great Eastern Railway gegründet, wurde 1972 in British-Columbia Railway umbenannt und fährt seit 1984 unter der Bezeichnung BC-Rail.
Während BC-Rail überwiegend im westlichen Landesteil operiert, bietet VIA Rail [18] als einzige kanadische Eisenbahngesellschaft heute einen landesweiten Service für den Personenverkehr an, hat aber einen Schwerpunkt im östlichen Landesteil. Das Angebot umfaßt vier Regional-Netze mit insgesamt 429 wöchentlichen Zugverbindungen. Unter der Bezeichnung Bezeichnung Corridor versorgt VIA Rail die hochfrequentierte Verbindung von Windsor (Ontario) nach Québec (Stadt) entlang des Sankt-Lorenz Tales und über die Ontario-Halbinsel. Zwischen Montréal und der Gaspé-Halbinsel verkehrt der Chaleur, zwischen Montréal und Halifax (Neu-Schottland) der The Ocean. Die vielleicht nostalgischste Verbindung sind die sog. Western Trains, von den Kanadiern angesichts der Bedeutung der Eisenbahn bei der Erschließung des Landes auch gerne als The Canadian bezeichnet, die von Toronto über Sudbury, Winnipeg, Saskatoon, Edmonton, Jasper, Kamloops nach Vancouver verkehren, eine Fahrt, die fahrplanmäßig drei volle Tage in Anspruch nimmt.
Ebenfalls für die Erschließung des Landes von großer Bedeutung und als frühestes Verkehrsmittel überhaupt für den weißen Mann nutzbar waren die Wasserwege. Sie boten für die Pelzhändler und frühen Kundschafter den einzigen Zugang zu diesem unendlichen Land, Jahrhunderte bevor die modernen Verkehrssysteme entstanden sind. Auch heute noch spielen die natürlichen Wasserläufe und zahlreiche künstliche Wasserwege eine gewisse Rolle. Unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten ragt dabei das Great Lakes / St. Lawrence System [19] heraus, eine Wasserstraße, die teils in natürlichen, teils in künstlichen Streckenabschnitten verläuft und die durch teilweise spektakuläre Schleusensysteme gekennzeichnet ist. Die Endpunkte dieser Wasserstraße sind der Atlantische Ozean und Lakehead am Westende des Oberen Sees, dazwischen nutzt sie als natürlichen Lauf den Sankt Lorenz Strom sowie vier der fünf großen Seen der nordamerikanischen Seenplatte: Ontariosee, Eriesee, Huronsee und Oberer See. Die wichtigste Schleusensysteme befinden sich zwischen dem Oberen See und dem Huronsee bei Sault Ste. Marie und im Welland Kanal, der den Erie-See mit dem Ontariosee verbindet und dabei die Niagara-Schichtstufe zu überwinden hat.
Die Wasserstraße versorgt 15 der bedeutendsten und 50 kleinere Binnenhafenstandorte sowohl Kanadas als auch der USA, die z.T. bis im Herzen des Kontinents liegen. Die navigierbare Wasserfläche des Systems beträgt 245.752 km² (rd. 450 mal die Größe des Bodensees), jedoch ist der Zugang während der Wintermonate zwischen Dezember und März nicht möglich. Rund 60 Prozent der transportierten Güter kommen von oder gehen nach Übersee. Das wirtschaftliche Kerngebiet Kanadas mit den Provinzen Ontario und Québec sowie zahlreiche Staaten der USA (New York, Pennsylvania, Michigan, Indiana, Illinois, Wisconsin und Minnesota) sind durch dieses System mit der Welt verbunden. Über 40 Highways und fast 30 Eisenbahnlinien stellen die Verbindungen zwischen dem Häfen und den Inneren des Landes her. Rund 90 Prozent der transportierten Fracht werden in Form von Schüttgut transportiert, mit hohen Anteilen an Getreide, Eisenerz, Kohle und Raffinerieprodukten. Vom Volumen her ist Getreide (Anteil rd. 40 %) das wichtigste Frachtgut, dessen Exportbedeutung sowohl für die USA als auch für Kanada sehr groß ist. Eisenerze (v.a. Pellets) werden von den Bergbaugebieten Labradors, Québecs, Ontarios und Minnesotas über das System in die Stahlwerke gebracht, die sich in mehreren Zentren sowohl auf US-amerikanischer als auf kanadischer Seite finden.
Die Canada Steamship Lines [20] operieren mit zwölf Großfrachtern auf dem Great Lakes / St. Lawrence System, die über vollautomatisierte Lade- und Entladeeinrichtungen verfügen und die sowohl im Kanalsystem, in Küstengewässern als auch im Hochseeverkehr eingesetzt werden können. Mit dieser Flotte, der größten ihrer Art auf der Welt, transportiert die Gesellschaft jährlich rd. 40 Mio. Tonnen Schüttgut. Bis zu sechstausend Tonnen Schüttgut können von einem Schiff pro Stunde automatisch entladen werden. Die Gesellschaft hat ihren Hauptsitz in Montréal, unterhält aber Zweigsitze in Halifax, Winnipeg, Burlington (USA) und Singapore. Als das Unternehmen 1845 gegründet wurde, versorgte es zunächst nur die Standorte an den Großen Seen und am Sankt-Lorenz mit Rohstoffen für ihre Stahlwerke und Thermalkraftwerke. Heute operiert es weltweit mit vielen Zielhäfen an der West- und Ostküste des nordamerikanischen Kontinents, in der Karibik, in Südamerika, in Europa und im Fernen Osten.
Zu den modernsten Transportmitteln Kanadas [21] zählen ohne Zweifel die Pipelines, mit deren Hilfe zwei der Reichtümer des Landes, Erdöl und Erdgas, auch aus den entferntesten Abbaugebieten in die Verarbeitungs- und Verbrauchszentren transportiert werden kann. Die Ölförderung [22] betrug im Jahre 1997 pro Tag 2,1 Mio. barrels, auf das Jahr umgerechnet also 766,5 Mio. barrels (1 barrel = 159 Liter). 95 Prozent der Erdöl- und Ergasförderung Canadas werden durch die Canadian Energy Pipeline Association (CEPA) [23] befördert. Ihr sind mehrere Unternehmen angeschlossen, etwa die Foothills Pipe Line Ltd., NOVA Gas Transmissions und Trans Canada Pipelines Ltd., die, neben zahlreichen anderen, das insgesamt 540.000 km lange Pipeline-Netz Kanadas als wichtigsten Transportträger nutzen. Die CEPA ist in Britisch-Kolumbien, den Nordwest-Territorien, Alberta, Saskatchewan, Manitoba, Ontario und Québec vertreten. 1997 betrug das Gesamtvolumen an befördertem Erdgas 5,6 Billionen Fuß³ (158 Mrd. m³).
Der besondere Vorteil von Pipelines besteht darin, daß sie Gas und Öl auch aus den entferntesten Gegenden in die Absatzzentren transportieren können, auch wenn diese an den beiden entgegengesetzten Enden des Kontinents liegen. So werden z.B. große Mengen des im Westen geförderten Erdöls über Pipelines nach Québec oder zum Atlantik transportiert. Pipelines sind, neben ihrer Effizienz, auch das mit Abstand billigste Verkehrsmittel für den Transport von Erdgas und Erdöl. Nur zehn Prozent der Marktpreises eines Barrels Erdöl (1997 = 27 kan. Dollars) entfallen auf Transportkosten durch Pipelines. Das Verfahren ist einfach: Die Leitungssysteme werden unter Druck gesetzt, welcher die Rohprodukte zu den Verarbeitunszentren befördert. Auch die Weiterleitung der Endprodukte bis zu den Verbrauchern wird über Pipeline-Systeme gewährleistet.
Von den zahlreichen Unternehmen des Erdgas/Erdölsektors seien zwei etwas genauer carakterisiert. Die w.o. erwähnte Foothills Pipe Lines Ltd. [24] mit Sitz in Calgary (Alberta) wurde Mitte der 1970er Jahre gegründet und ist seither eine der wichtigsten Gesellschaften für den Erdgastransport. In ihrem Netz von 927 km Länge kann sie täglich bis zu 2,5 Mrd. Fuß³ (über sieben Milliarden Liter) Erdgas befördern. Rund ein Drittel des gesamten Erdgasexports in die USA werden von diesem Unternehmen transportiert, das waren 1998 938 Mrd. Fuß³ (26,6 Mrd. m³). Ebenfalls bereits erwähnt wurde Trans Canada PipeLines Ltd [25], eines der führenden nordamerikanischen Unternehmen der Branche. Es verfügt über ein interprovinzielles Netz von 13.955 km Pipelines und Pump- bzw. Kompressorstationen, die über das ganze Land verteilt sind. 45 Prozent des nach USA exportierten Gases werden durch diese Gesellschaft befördert. Im Jahr 2000 wird im kanadischen Westen mit dem Bau einer neuen Pipeline begonnen, die sog. Alliance Pipeline, die, von Fort St. John (Britisch-Kolumbien) ausgehend, über eine Strecke von 3.100 km Erdgas nach Chicago (Illinois) transportieren wird. Auf kanadischer Seite wird diese Pipeline über eine 340 km lange Strecke mit einem Durchmesser der Stahlrohre von 1067 mm und über 1.220 km mit einem Durchmesser von 914 mm verlegt werden. Weiterhin werden innerhalb Kanadas entlang dieser Linie zwölf Kompressorstationen sowie alle 32 km Sicherheitsventile installiert.
Es wird deutlich, daß die kanadische Wirtschaft, ja das Leben ganz allgemein in Kanada in hohem Maße von einem leistungsfähigen Transportsystem abhängig ist. Wenige Länder der Welt müssen so wenige Menschen in einem so großen Raum versorgen. Deutlich wird aber auch, daß die jeweilige Art des Transportmittels im historischen Entwicklungsverlauf eine unterschiedliche Rolle spielte und daß auch heute noch, je nach Art der zu transportierenden Güter oder der räumlichen Beziehungen zwischen deren Ursprungs-, Verarbeitungs- oder Konsumzentrum den einzelnen Verkehrs- und Transportsystemen eine sehr unterschiedliche Bedeutung zufällt.
| Seitenanfang | Inhalt | VGT Home |