Texteinheit 2: Die kanadische "Staple Growth"- Theorie

(Alfred Hecht)

Didaktische Zielsetzung: Darstellung der Grundlagen für Kanadas Wohlstand, Hervorhebung der Bedeutung von natürlichen und erneuerbaren Ressourcen für die heutige kanadische Wirtschaft.

Schlüsselbegriffe: "Staple Growth" -Theorie, Naturressourcen, G7-Nationen, Rohstoffexport, Lebensstandard

Nach einer weit verbreiteten Ansicht hat Kanada einen recht einmaligen Weg durchlaufen, um den heutigen hohen Lebensstandard [1] zu erreichen - vergleichbar lediglich mit Australien und Neuseeland. Dieser Weg verbindet sich mit der sog. "Staple Growth"-Theorie, die erstmals im Jahre 1930 von Harold Innis [2] formuliert wurde. Diese Theorie geht davon aus, daß der Wohlstand Kanadas entscheidend auf der Nutzung und dem Export seiner natürlichen Rohstoffe/Güter beruht. Tatsächlich verbinden heute weltweit noch viele Menschen mit Kanada die Vorstellung einer Wirtschaftsnation, die weitgehend auf der Gewinnung und dem Export von natürlichen Rohstoffen [3] beruht. Diese Vorstellung ist so fest verankert, daß man die kanadische Wirtschaft gelegentlich als das Ergebnis der Arbeit von "Holzfällern und Wasserträgern" bezeichnet hat. Im Vergleich zu den anderen G8-Nationen [4] trifft dieses Naturressourcen-Image von Kanada gewissermaßen sogar zu. Es ist jedoch zu betonen, daß die Bedeutung dieser Rohstoffe im Vergleich zu den übrigen Wirtschaftssektoren heute für die kanadische Wirtschaft [5] rückläufig ist.

Ein historischer Rückblick [6] macht deutlich, daß Kanada von Beginn seiner Entstehung an die verschiedensten natürlichen Rohstoffe gewonnen und exportiert hat. Am Anfang [7] stand bereits im frühen 16. Jahrhundert die Fischerei, der schon bald der Pelzhandel und die Holzgewinnung, später dann der Weizenanbau, die Nutzung mineralischer Rohstoffe und von Energieressourcen folgten. Indem die Nachfrage nach diesen Gütern speziell in Europa und in den Vereinigten Staaten von Amerika ständig zunahm, nutzte Kanada seine Rohstoffe und verkaufte sie überwiegend auf dem Weltmarkt. Dies war solange für Kanada von Vorteil, wie weltweit die Versorgung mit natürlichen Rohstoffen einen wichtigen Anteil am allgemeinen Konsum der Menschen darstellte und die entsprechende Mehrwerterzeugung durch Arbeits- und Kapitaleinsatz vergleichsweise gering blieb. Die hieraus resultierende, ständig steigende Nachfrage nach Rohstoffen war die Hauptgrundlage für den wachsenden Wohlstand Kanadas, ein Zusammenhang, der in der sog. "Staple Growth" - Theorie aufgezeigt wird.

Im Verlauf der Entwicklung hat die Bedeutung der natürlichen Rohstoffe für die Wirtschaft Kanadas jedoch nachgelassen, dies insbesondere im Hinblick auf deren Wert im gesamten wirtschaftlichen Umsatzvolumen. In der westlichen Welt hat die Bedeutung von Arbeit und Kapital bei der Gütererzeugung in starkem Maße zugenommen, was nicht ohne Folgen für den kanadische Rohstoffsektor geblieben ist. Mit der weltweit sinkenden Nachfrage nach natürlichen Rohstoffen sinkt konsequenterweise auch die relative Bedeutung der diesbezüglichen Exporte im Vergleich zum Gesamtexportvolumen Kanadas. Besonders der Anteil an Halbfertig- bzw. Fertiggütern [8] verzeichnet einen wachsenden Exportanteil, wie der folgenden Tabelle zu entnehmen ist. Jedoch hat sich dieser Wandel erst in der jüngeren Vergangenheit vollzogen (v.a. im Verlauf der letzten 25 Jahre), in der die gesamte kanadische Exportwirtschaft grundlegende Veränderungen erfahren hat. Festzuhalten bleibt gleichwohl, daß zwischen 1500 und 1950 der Export von natürlichen Rohstoffen in Kanada sehr bedeutend und für die Entwicklung des Landes sehr maßgeblich gewesen ist.

Exportanteile verschiedener Gütergruppen in Kanada 1960 und 1998
Gütergruppe 1960 1998
Nahrungsmittel, Getränke, Tabak, Lebendvieh 19 % 8 %
Natürliche & verarbeitete Rohstoffe (einschl. Erdöl) 72 % 37 %
Endverbrauchsgüter 9 % 55 %
Quelle: Statistics Canada [9]

Fragen und Aufgaben: Interaktives Quiz

[1] http://www.gdin.edu.cn/wusongchu/yygj.cana.files/fact/mondocan_e.html
[2] http://collections.ic.gc.ca/heirloom_series/volume5/58-59.htm
[3] http://www.nrcan.gc.ca/statistics/layout.htm#Balance
[4] http://www.g7.utoronto.ca/scholar/kirton199701/tai2.htm
[5] http://www.nrcan.gc.ca/statistics/Slides/natresimp.gif
[6] http://collections.ic.gc.ca/maritime_museum/commerce/index.html
[7] http://collections.ic.gc.ca/cod/index.htm
[8/9] http://www.statcan.ca/english/Pgdb/gblec04.htm


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