Eines der ältesten Exportgüter Kanadas ist der Fisch, wobei sich seit jeher die bedeutendsten Fanggründe im Gebiet der Grand Banks vor den Küsten Neufundlands befinden. Diese reichen Vorkommen wurden schon lange vor der Besiedlung Kanadas durch die Europäer [1] intensiv von englischen, französischen, spanischen und irischen Fischern genutzt. Alljährlich kamen sie mit ihren Flotten in das Gebiet der Grand Banks. Zur Konservierung salzten sie die Fische ursprünglich unmittelbar auf den Schiffen ein, bevor sie mit ihrem Fang nach Europa zurückkehrten - meistens ohne auch nur einen Fuß auf kanadisches Land gesetzt zu haben. In dem Maße, wie auch getrockneter Kabeljau [2] auf dem Markt abgesetzt werden konnte, entstanden aber auch Fischtrocknungsanlagen entlang der kanadischen Küste, die von den Fischern vor allem während des Sommers genutzt wurden, während sie im Winter meistens verlassen waren. Nach heutigem Seerecht liegen die Grand Banks innerhalb der 200 Seemeilen-Zone [3] und gehören somit zu Kanada.
Gegenwärtig ist die Bedeutung der Fischerei als Exportfaktor eingeschränkt. Moderne Fangmethoden [4] und Umweltschädigungen haben für viele Fischarten nahezu ein Aussterben bewirkt. Um diese Gefahr einzudämmen, hat die kanadische Regierung restriktive Quoten für den Fang zahlreicher Fischarten (z.B. Kabeljau, Lachs u.a.) verordnet und insbesondere die kommerzielle Fischerei nichtkanadischer Flotten drastisch eingeschränkt [5]. Gleichzeitig hat sie schärfere Kontrollen innerhalb der kanadischen Seezone veranlaßt, um sicherzustellen, daß keine fremden Flotten in kanadischen Gewässern fischen. Bekannt wurde der Fall eines spanischen Kutters, der von kanadischen Behörden gestellt wurde, als er trotz des Verbotes nahe der 200-Meilenzone fischte. Der Zusammenbruch der Kabeljaufischerei [6] in den atlantischen und der Lachsfischerei in den pazifischen Küstengewässern Kanadas ist ein augenfälliges Beispiel dafür, wie gemeinsame Ressourcennutzungen zum Kollaps von Ökosystemen führen können (the tragedy of the commons). Die verschiedenen Nutzer (die Nationen und ihre Fangflotten) haben ständig versucht, sich in ihren Fangquoten gegenseitig zu übertreffen, unter Mißachtung der Frage einer dauerhaften biologischen Reproduktionsbasis dieser natürlichen Ressource.
Wenn somit der traditionelle Fischereisektor heute durch erhebliche Probleme gekennzeichnet ist, so ist er doch gleichwohl als Wirtschaftsfaktor nicht völlig verschwunden. Zum Teil hat eine Verlagerung von der traditionellen Fischerei in den Küsten- und Binnengewässern auf kommerziell betriebene Aquakulturen [7] stattgefunden. In solchen Fischzuchtbetrieben wurden z.B. 1997 387.000 t Fisch erzeugt, während gleichzeitig die traditionelle Fischerei im Atlantik und Pazifik zusammengenommen 947.000 t Jahresfang verzeichnete. Den höchsten Anteil unter den in Aquakulturen gezüchteten Fischen hat der Lachs, dicht gefolgt von Forellen. Lachszuchtbetriebe sind besonders häufig in Britisch Kolumbien [8] und in Neu-Schottland [9] anzutreffen, während die Forellenzucht vor allem in großen Süßwasserbecken in den Prärien erfolgt. Zusammengenommen betrug der Exportwert des Fischereisektors (traditionelle Fischerei und Aquakulturen zusammen) im Jahre 1998 3,4 Mrd. Dollar und lag damit doppelt so hoch wie der Importwert [10]. Somit ist der Fischereisektor nach wie vor ein wichtiger Wirtschaftsfaktor [11] Kanadas.
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