Am Beginn der Ressourcennutzung Kanadas durch die europäischen Kolonialmächte stand die Fischerei. Etwa ein Jahrhundert später gewann zunehmend ein zweiter Rohstoff an Bedeutung: der Reichtum an Pelztieren. Wichtig ist hierbei, daß die Nachfrage nach Pelzen in Europa bis in das frühe 19. Jahrhundert stark zunahm. Um diesen Bedarf zu befriedigen, drangen europäische Pelzjäger und -händler auf der Suche nach dem wertvollen Rohstoff [1] immer weiter ins Innere Kanadas vor, wobei sie zwangsläufig in Gebiete gelangten, in denen die indianische Urbevölkerung teilweise noch auf der Wirtschaftsstufe des Jäger- und Sammlertums lebte. Ein Ergebnis dieses Vordringens war die Erkundung und die teilweise systematische Kartierung eines großen Teils der einzigartigen Landschaften Kanadas. Die Franzosen nahmen eine Schlüsselposition im Pelzhandel ein, als dessen wichtigstes Zentrum sich Montreal seit dessen Gründung im Jahre 1642 entwickelte. Hier hatte die 1682 gegründete Compagnie du Nord ihren Sitz, der seit 1685 durch Ludwig XIV. das Pelzhandelsmonopol im französischen Kolonialgebiet auf dem nordamerikanischen Kontinent übertragen worden war. Nach dem Verlust Neu-Frankreichs an England (1763) wurde die North West Company zu einer der wichtigsten Pelzhandelsgesellschaften auf dem Kontinent.
Allerdings verbindet sich mit dem Pelzhandel auch ein Teil der Rivalitäten zwischen den Engländern und den Franzosen. Zwei der berühmtesten sog. Waldläufer (frz. coureurs de bois), die Franzosen Médart des Groseillers [2] und Pierre Radisson [3], hatten von Montreal aus im Jahre 1659 die Gebiete südlich der Hudson Bay erreicht und brachten von dort eine riesige Ladung an Fellen zurück, die von 300 Indianern in ihren Booten transportiert werden mußte. Aufgrund von Intrigen wurden die beiden Kundschafter jedoch in Haft genommen und erst nach langen Auseinandersetzungen wurde ihnen gestattet, sich mit einem Gnadengesuch an Ludwig XIV. zu wenden. Dabei wiesen sie auf den unermeßlichen Pelzreichtum in den kanadischen Wäldern hin und empfahlen, entlang der Hudson Bay Handelsposten einzurichten, um diesen Reichtum zu nutzen. Der französische König schlug diese Vorschläge jedoch leichtfertig in den Wind. In ihrer Verbitterung gingen des Groseillers und Radisson zum englischen König Charles II., bei dem sie offene Ohren fanden.
Die Folgen dieser Ereignisse waren von großer Tragweite. Prince Rupert, der Cousin des englischen Königs, wurde in dessen Auftrag zum Initiator einer Handelsexpedition in die Hudson Bay und gründete eine erste Handelsgesellschaft unter englischer Flagge. Im Jahre 1688 führte des Groseillers das Handelsschiff "Nonsuch" [4] im Auftrag dieser Gesellschaft in die Hudson Bay und gründete ein Fort am Südende der James Bay [5] (Fort Rupert). 1670 wurde dann die Hudson's Bay Company [6] gegründet, die sich auf der Grundlage des Pelzhandels in der Folgezeit zu einem der mächtigsten Handelsunternehmen des Kontinents entwickeln sollte. Der Gesellschaft wurde vom englischen König treuhänderisch alles Land im Einzugsbereich der Flüsse, die in die Hudson Bay münden, übertragen: Rupert's Land [7] war geboren, ein Territorium, das bis an die Hochgebirge im kanadischen Westen [8] reichte, wie sich erst im Laufe der Zeit herausstellen sollte.
Die Engländer organisierten in der Folgezeit ihren Pelzhandel über Handelsrouten, die fast alle zur Hudson Bay führten, von wo aus die Schiffe die kostbare Fracht nach Europa brachten. Die Hudson's Bay Company, die diesen Handel organisierte, legte in ihrem Einflußbereich ein weitmaschiges Netz von Handelsposten [9] an, eine Art Sammelstellen für die Pelze, die von den Indianern dort abgeliefert wurden, um dann über die Flüsse und Seen zu den Häfen an der Hudson Bay gebracht zu werden. Einige der alten Handelsposten, so etwa die berühmte York Factory [10], sind bis heute erhalten, auch wenn sie ihre ehemalige Bedeutung längst verloren haben. 1835 wurden die Hudson's Bay Company und die North West Company zusammengelegt. Damit war ein noch größeres Handelsimperium entstanden, jedoch erfolgte dies zu einem Zeitpunkt, als die Bedeutung des Pelzhandels bereits wieder zu schwinden begann.
In der heutigen Wirtschaftsstruktur Kanadas spielt der Pelzhandel [11] im Vergleich zur geschichtlichen Bedeutung nur noch eine vergleichsweise geringe Rolle. Weltweit gesehen zählt Kanada gleichwohl immer noch zu den wichtigsten Rohstofflieferanten für Pelze [12]. Den größten Anteil an diesem Wirtschaftszweig haben die verschiedensten Urbevölkerungsgruppen, für die der Pelzhandel nach wie vor eine wichtige Einnahmequelle darstellt. Schätzungen zufolge sind kanadaweit etwa 88.000 Menschen direkt oder indirekt im Bereich der Pelztierjagd und des Pelzhandels tätig, davon rund 90 % als Fallensteller (trapper), wobei sie einen Gesamtwert von etwa 800 Mio. Dollars erzeugen. Rund ein Drittel (rd. 270 Mio. Dollars) hiervon wird exportiert, was heute lediglich 0,1 % des Gesamtexportvolumens der kanadischen Wirtschaft bedeutet.
Wie in der Fischereiwirtschaft haben sich auch in der Pelzerzeugung Kanadas [13] grundlegende Veränderungen vollzogen. Rund die Hälfte der heutigen Produktion erfolgt in Pelztierfarmen, wobei Nerze fast ausschließlich auf diese Weise gezüchtet werden. Die übrigen, vor allem Biber, Marder und Bisamratte werden nach wie vor noch überwiegend durch traditionelles Fallenstellen gefangen. Montreal hat vieles von seiner historischen Bedeutung als Pelzhandelszentrum erhalten können. Über 80 % der Pelzverarbeitung Kanadas (z.B. die Herstellung von Pelzmützen oder Pelzmänteln) erfolgt auch heute noch in Montreal. Hauptabnehmer dieser verarbeiteten Pelzprodukte, ebenfalls rd. 80 %, sind die Vereinigten Staaten.
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