Texteinheit 9: Die verarbeitende Industrie

(Lindsay Porter und Alfred Hecht)

Didaktische Zielsetzung: Kanada gilt verbreitet als ein Land, das im wesentlichen von seinen Rohstoffen lebt, sie selbst aber kaum verarbeitet. Durch diese Texteinheit soll verdeutlicht werden, daß Kanada über ein breites Spektrum von verarbeitenden Industriebranchen verfügt, die zum Teil eine weltweite Bedeutung haben.

Schlüsselbegriffe: Rohstoffverarbeitung, verarbeitende Industrie, Hochtechnologie, Eisen & Stahl, Zellstoff & Papier, Autoindustrie, Beschäftigung, Export-Import

Kanada ist nicht nur reich an Rohstoffen, es verfügt auch über eine breite Palette industrieller Aktivitäten, die teilweise auf diesen Rohstoffen basieren, die sich aber auch unabhängig von ihnen entwickelt haben. Tatsächlich produzierte der sekundäre Sektor mehr für den Export als irgendein anderer Wirtschaftssektor des Landes. 1998 entfielen 17,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) Kanadas auf diesen Bereich, das entsprach einem Produktionswert von über 129 Milliarden Dollars, die sich auf insgesamt 26 Branchen verteilten. Das Spektrum reicht von der Schwerindustrie über die Automobilherstellung, die Ersatzteilproduktion, die Nahrungsmittelindustrie, die Benzin- und Heizölraffinerie, die Bau- und Sperrholzproduktion, die Zellstoff- und Papiererzeugung bis hin zur Computerherstellung und Raumfahrtindustrie im High Tech-Bereich. Generelles Kennzeichen der letzten Jahre ist jedoch die Rückläufigkeit der Beschäftigtenzahlen in diesem Sektor. Auch die starke Außenabhängigkeit – 40 Prozent der Betriebe, des Umsatzes und der Beschäftigten im verarbeitenden Sektor in Kanada werden von außen kontrolliert – ist ein prägendes Merkmal.

Das Zentrum der verarbeitenden Industrie Kanadas befindet sich in den beiden Provinzen Ontario und Québec, auf die zusammen rd. 75 Prozent der Umsatzes dieses Wirtschaftssektors entfallen. Das sog. ‚goldenen Hufeisen‘ Südontarios weist landesweit die höchste Industriedichte auf, wobei eine starke räumliche Konzentration der Unternehmen in den großen Agglomerationsräumen (z.B. Toronto, Montréal, Hamilton) hervorsticht. 1995 war Ontario in 15 der 22 wichtigsten Industriebereiche führend [1], etwa in der Fahrzeugindustrie, der Nahrungsmittelindustrie, der Chemie sowie der Elektro- und Elektronikindustrie. Québec nahm demgegenüber die Spitzenstellung in der Branche Textil und Bekleidung ein. Britisch-Kolumbien war führend für die meisten Bereiche der Holzverarbeitung, mit einer starken Exportorientierung in die benachbarten Vereinigten Staaten.

Tabelle 1: Die Beschäftigtenstruktur in der verarbeitenden Industrie Kanadas 1996
Provinz od. Territorium Beschäftigte absolut % Anteil an Industrie
beschäftigten gesamt
Kanada 2.039.845 14,25
Ontario 922.570 6,44
Québec 582.750 4,10
Britisch-Kolumbien 198.230 1,38
Alberta 121.365 0,85
Manitoba 62.575 0,44
Neu-Braunschweig 45.730 0,32
Neu-Schottland 45.415 0,32
Saskatchewan 31.240 0,22
Neufundland 22.085 0,15
Prinz Eduard Inseln 7.095 0,05
Nordwest-Territorien 475 0,003
Yukon 305 0,002
Quelle: Canadian Statistics - Labour force 15 years and over by industry division, 1996 Census, Canada, provinces and territories [2]

1996 waren landesweit fast zwei Millionen Menschen in der verarbeitenden Industrie Kanadas tätig, davon etwa 15 Prozent in staatlichen Unternehmen. Die größte Zahl der Industriebeschäftigten findet sich einmal mehr in Ontario, gefolgt von Québec, Britisch-Kolumbien und Alberta. Die geringsten Zahlen weisen diesbezüglich die Nordwest-Territorien und der Yukon auf. Branchenmäßig ist besonders der Automobilsektor hervorzuheben. Er stellt eine Art Rückgrat für andere Industriebereiche dar, zu denen u.a. die Stahlindustrie, die Gummiverarbeitung, die Aluminium- und die Glasindustrie zählen. Der Exportwert der Automobilbranche betrug 1994 57 Milliarden Dollars [3]. Jeder siebte industrielle Arbeitsplatz hängt heute von dieser Branche ab, die landesweit fast 500.000 Beschäftigte aufweist. Das Produktionsspektrum reicht von leichten Kraftfahrzeugen (PKW , Lieferwagen, Kleinlastwagen) bis zur Produktion von schweren Fahrzeugen wie LKW, Busse und Militärfahrzeuge. Fast ein Viertel des gesamten Warenexports/-imports von Kanada entfällt auf Kraftfahrzeuge, ein Ergebnis des 1965 geschlossenen kanadisch-amerikanischen Auto Pacts. Hierbei handelt es sich um ein Industrie- und Handelsabkommen zwischen Kanada und den Vereinigten Staaten, das die Exporte und Importe von Kraftfahrzeugen erleichtert. Es sieht gleichzeitig die Produktion eines Teils der Automobilproduktion für den US-amerikanischen Markt in Kanada vor.

Heute gehört Kanada mit einer jährlichen Produktion von über 2,3 Millionen Fahrzeugen zu den größten Automobilherstellern [4] der Welt, zu denen außerdem USA, Japan, Deutschland, Frankreich, Süd-Korea, Italien und Spanien zählen. Weltweit bedeutet dies einen Anteil von 4,5 Prozent, bezogen auf Nordamerika (einschl. Mexico) von 16 Prozent der Produktion. Dabei teilen sich drei Unternehmen rd. 90 Prozent der Fertigprodukte, 41 Prozent der Autoteile und 50 % der Beschäftigten des Sektors, nämlich General Motors [5], Ford [6] und Chrysler [7]. Sie werden von daher als die ‚Großen Drei‘ (The Big Three) der Branche bezeichnet. Zu den übrigen Unternehmen des Automobilsektors zählen Honda, CAMI, Toyota und Volvo. Chrysler rühmt sich, in Bramalea (Ontario) über eines seiner modernsten Zweigwerke in Nordamerika zu verfügen, wo umgerechnet 2,54 Beschäftigte benötigt werden, um an einem Tag ein neues Fahrzeug herzustellen. Toyota unterbietet dies jedoch noch in seinem Zweigwerk in Cambridge (Ontario), wo es für die gleiche Arbeit lediglich 2,35 Beschäftigter bedarf. Die Namen dieser Unternehmen machen deutlich, daß sie alle zu 100 Prozent nicht kanadisch sind.

Mit Ausnahme eines Montagewerks in Québec und einem kleinen Unternehmen in Halifax (Neu-Schottland) findet die Automobilproduktion Kanadas [8] zwischen Windsor und Ottawa in Ontario statt. Rd. 90 Prozent der Beschäftigten in der Fertigmontage von Automobilen und 95 Prozent in der Herstellung von Autoteilen entfallen allein auf diese Provinz. In den 14 Montagewerken für PKW mit insgesamt 55.000 Beschäftigten werden jährlich im Mittel 2,4 Mio. Fahrzeuge hergestellt, die zu 90 Prozent exportiert werden. Daneben gibt es ebenfalls 14 Betriebe für den Bau von Schwerkraftfahrzeugen, deren 15.000 Beschäftigte jährlich rd. 30.000 Fahrzeuge herstellen, die wiederum zu 90 Prozent exportiert werden. Der mit Abstand größte Teil der Produktion geht in die Vereinigten Staaten (Exportwert 64,7 Milliarden Dollars), gefolgt von der Europäischen Union (299 Mio. Dollars), Mexico (241 Mio.) und Japan (172 Mio.). Importe stammen überwiegend aus den Vereinigten Staaten (59,2 Milliarden Dollars), gefolgt von Mexico (3,3 Milliarden), Japan (2,9 Milliarden) und der EU (1,5 Milliarden).

Tabelle 2: NAFTA Partner – vergleichende Aspekte 1996


Kanada Vereinigte Staaten Mexico

Bevölkerung

29.000.000 265.000.000 92.000.000

Kfz.-Verkauf

1.180.000 15.097.000 331.463

Kfz. Produktion

2.367.479 11.468.269 1.198.284

Die Autoindustrie ist jedoch nur eine unter vielen Branchen der verarbeitenden Industrie Kanadas. Ein anderes Beispiel ist die Canadian Space Agency, die einen wichtigen Anteil am internationalen Raumfahrtprogramm hat und eine Schlüsselrolle bei der Konstruktion der erdumkreisenden Raumstation einnimmt. Die Canadian Space Agency und Spar Aerospace [9] entwarf und produzierte den sog. Canadarm [10], das Verbindungsstück, durch welches das Shuttle Atlantis an die russische Raumstation Mir angekoppelt werden konnte. Darüber hinaus entwickelten sie das sog. Mobile Servicing System (MSS), das die Montage- und Kontrollarbeiten in der Raumstation sicherstellte. Dieses High Tech-System hat es erlaubt, die Zeiten, die von den Astronauten und Kosmonauten ehemals außerhalb der Raumstation verbracht werden mußte, erheblich zu reduzieren. Der MSS-Komplex mit einer differenzierten High Tech-Infrastruktur, einem Trainings- und Logistikzentrum, einem Bodenkontroll- und Auswertungszentrum sowie technischen Wissenschaftsbereichen befindet sich in St.-Hubert (Québec). MSS ist an der Planung von Raumfahrtmissionen beteiligt, ihr obliegt die technische Überwachung des Canadarms und sie bereitet Astronauten und Kosmonauten auf ihre Raumflüge vor [11].

Zu den bedeutenden High Tech-Unternehmen Kanadas zählt auch das Unternehmen Bombardier Inc., das sich, im Gegensatz zu den „Großen Drei“ der Automobilbranche, zu 88 Prozent in kanadischer Hand befindet.1995 nahm es unter den 500 größten Industrieunternehmen Kanadas den 18. Rang ein. Der Hauptsitz des Unternehmens befindet sich in Québec, jedoch unterhält es Zweigbetriebe in anderen kanadischen Provinzen, den Vereinigten Staaten, Mexico, dem Vereinigten Königreich, Finnland, Deutschland, Tschechien, der Schweiz, Österreich, Belgien und Frankreich. Mehr als 92 Prozent des Unternehmensumsatzes werden außerhalb Kanadas erwirtschaftet. Gleichwohl ist der größte Teil der Beschäftigten in Kanada tätig (22.000), gefolgt von Europa (18.000), den USA (9.000) und Mexico (2.000). Das 1942 gegründete Unternehmen war zunächst auf die Herstellung von speziellen Schienenfahrzeugen in schneebedecktem Terrain spezialisiert. Seit 1996 ist es aufgeteilt in fünf Bereiche: Luft- und Raumfahrt, Transportwesen, motorisierte Sportgeräte, Kundendienst und Finanzierungs- und Kreditabteilung.

Bombardier ist heute weltführend in der Entwicklung und Herstellung von Schienenfahrzeugen. Das Unternehmen verfügt über 24 Produktionsstätten, 18 Marketing- und Verkaufszentren sowie Service-Zentren, die über die ganze Welt verteilt sind. Zum Produktionsspektrum zählen Passagier- und Güterwaggons für Eisenbahnen, Stadtbahnen (z.B. das New York rapid transit car system), Untergrundbahnen sowie Bahnen für den innerstädtischen, den Nahbereichs- und den regionalen Schienenverkehr. Beispielhaft seien die Untergrundbahn von Toronto [12] (die eine Geschwindigkeit von bis zu 88 km/h erreicht und wo jeder Waggon 250 Passagiere fassen kann), das Toronto-Go-Transit System [13] und der Shuttle-Zug [14] für den Kanaltunnel zwischen England und Frankreich erwähnt.

Bombardier ist aber auch einer der Marktführer für die Entwicklung, den Bau und den Vertrieb von motorisierten Sportgeräten, z.B. von Motorschlitten (Ski-Doo) oder Schneemobilen (Lynx), Wasserbobs (Sea-Doo) oder Sportbooten. Auch Schneepflüge, Vielzweck- und Geländefahrzeuge gehören zur Produktionspalette. Hinzu kommt die weltführende Stellung in der Produktion von Kleinflugzeugen, die heute bereits von 25 Gesellschaften in 14 Ländern auf allen fünf Kontinenten eingesetzt werden. Bombardier produziert mehrere Flugzeugtypen im Bereich von Privatmaschinen, z.B. Global Express, Canada SE, Challenger 604, Continental, Learjet 60, 45 und 31A oder das Wasserflugzeug CL-415 [15], das mit speziellen Tanks zur Bekämpfung von Waldbränden ausgestattet ist.

Die Mitel Corporation in Kanata (Ontario) nahm 1995 innerhalb Kanadas den neunten Rang unter den Unternehmen der Telekommunikationsbranche ein (1995 Rang 230 unter allen Industrieunternehmen des Landes). Das Unternehmen mit rd. 6.300 Beschäftigten entwickelt, produziert und vertreibt Produkte des Telekommunikationssektors in 74 Vertretungen weltweit. Außer an dem Hauptstandort in Kanata gibt es Zweigbetriebe in Virginia (USA), Guadalajara und Mexico City (Mexico), im Vereinigten Königreich und in Asien. Das Unternehmen ist zu 43 Prozent in nichtkanadischem Besitz. Zu den speziellen Produkten zählen, neben dem üblichen Telephon, Internet Einrichtungen, drahtlose Kommunikationssysteme, Steuersysteme und optisch-elektronische Geräte. Auch spezielle Steuerungstechnik für Herzschrittmacher, Hörgeräte und sonstige Steuerungssysteme werden bei Mitel [16] produziert.

Ein weiteres bedeutendes Unternehmen der High Tech-Branche ist IBM Canada [17], jedoch ist es, wie GM, Ford und Chrysler, zu 100 Prozent nicht in kanadischer Hand. 1998 hatte IBM Canada 17.222 Beschäftigte, davon 3.006 im Entwicklungs- und Produktionsbereich. Der Umsatz der Unternehmens betrug 1998 4,8 Milliarden Dollars, 0,9 Milliarden mehr als 1996. Unter den 143 Niederlassungen in ganz Kanada gibt es nur einen einzigen Produktionsbetrieb in Bromont (Québec). Hierbei handelt es sich um eine der führenden Produktionsstätten für Hochtechnologie auf nordamerikanischem Boden, wo auch rd. 90 Prozent der von IBM in den USA produzierten Mikrochips getestet werden. Über 2000 Beschäftigte sind in Bromont im Bereich der Halbleitertechnik tätig. In den IBM – Laboratorien in Toronto werden demgegenüber Daten-Technologie, Anwendungssysteme, Internet-Technologie und elektronische Steuerungssysteme entwickelt. IBM ist weltweit einer der marktbeherrschenden Anbieter von Software-Paketen, von Großcomputern, PCs, Mikroelektronik, elektronischer Peripherausstattung, Drucksystemen, Speichersystemen usw.

Nicht alle industrielle Unternehmen Kanadas gehören indessen zur High Tech Branche. Die traditionelle Industrielandschaft Kanadas ist vielmehr durch Unternehmen der rohstoffverarbeitenden Industrie geprägt. Kanada verfügt z.B. heute über 17 Hüttenwerke zur Stahlerzeugung, die sich auf Alberta, Saskatchewan, Manitoba, Ontario, Québec und Neu-Schottland verteilen. Ontario hat mit 70 % den größten Anteil an der kanadischen Stahlerzeugung [18]. 1997 wurden für über 3,6 Milliarden Dollars Stahlprodukte exportiert (Walzprodukte, Spezialstähle, Stahllegierungen), wobei die USA der Hauptabnehmer waren. So wie heute bereits ein Teil der Stahlproduktion Kanadas durch Beimengung von Schrott erfolgt, wird auch das neu produzierte Stahl zu rd. 65 Prozent später wieder in den Recyclingprozeß einfließen [19].

Die Stahlproduktion erfolgt in zwei verschiedenen Verfahren: im klassischen Hochofen und im Elektroschmelzofen. Beim Hochofenverfahren erfolgt die Gewinnung von Roheisen aus oxidierten Eisenerzen oder Schrott. Kohlenstoff dient in Form von Koks als Reduktionsmittel, die benötigte Schmelz- oder Reduktionswärme wird durch Verbrennung von Koks mit Hilfe von eingeblasener, vorgewärmter Luft erzeugt. Algoma, Dofasco und Stelco sind die drei Hüttenunternehmen, die heute in Kanada vorwiegend mit diesem Verfahren arbeiten. In den Elektrostahlwerken wird vor allem Schrott verbraucht. Eingeschmolzen wird v.a. Edelstahlschrott für die Erzeugung von hochlegierten Edelstählen sowie verunreinigter Sammelschrott, der nicht ohne weiteres in anderen Verfahren verarbeitet werden kann. Beide Verfahren werden in Kanada angewandt. Die Jahresproduktion an Rohstahl im Elektroschmelz-Verfahren schwankt zwischen 250.000 und 1 Mio. Tonnen.

Algoma Steel [20] wurde 1901 gegründet und hat seinen Hauptsitz in Sault St.Marie (Ontario) nahe des Oberen Sees. Das Unternehmen arbeitet nach dem Hochofenverfahren und befindet sich lediglich zu 19 % in ausländischer Hand. Dofasco [21] zählt zu Nordamerikas progressivsten integrierten Stahlwerken, seit das Unternehmen 1995 gegründet wurde. Dofasco ist in Hamilton (Ontario) ansässig und bezieht seine Eisenerze fast ausschließlich von der Québec Mining Company, der Iron Ore Company of Canada und den Wabush Mines. Ein Zweigbetrieb von Dofasco, Gallatin Steel, befindet sich in Gallatin County in Kentucky (USA). 1995 betrug die Rohstahlproduktion des Unternehmens 2,87 Mio. Tonnen, von denen 2,74 Mio. in Kanada erzeugt wurden (17 % der nationalen Produktion). Kanadas bedeutendster Stahlproduzent ist indessen Stelco Inc [22]. Das Unternehmen befindet sich ebenfalls in Hamilton (Ontario). Zu Stelco Inc. gehören auch Hilton Works in Hamilton (Ontario), Lake Erie Steel Company in Nanticoke (Ontario), Stelco McMaster Limitée in Contrecoeur (Québec) und Alta Steel Ltd. in Edmonton (Alberta). 1998 produzierte Stelco 5,3 Mio. Tonnen Stahl, von denen 4,6 Mio.Tonnen mit einem Gesamtwert von 3,2 Milliarden Dollars an Kunden abgesetzt werden konnten.

Ein weiteres bedeutendes Unternehmen der Metallbranche ist die Alcan Aluminium [23] mit Hauptsitz in Montréal, die sich jedoch zu 39 % nicht in kanadischen Händen befindet. Es hat Zweigwerke in 21 Ländern der Welt, u.a. in den Vereinigten Staaten, im Vereinigten Königreich, Italien, Brasilien, Australien und Japan. Das Unternehmen ist in mehreren Produktionsbereichen tätig, so in der Energieerzeugung, Aluminiumgewinnung, Aluminiumveredelung und –verarbeitung, Recycling. Die Aluminiumveredelungsbetriebe befinden sich in Kanada, Jamaica, Brasilien, Guinea, England, Indien, Japan und Australien. Aluminium wird aus dem Rohstoff Bauxit in zwei Arbeitsschritten [24] gewonnen: Zunächst wird aus dem Bauxit Aluminium-Oxid gewonnen (Bayer-Verfahren), im zweiten Arbeitsschritt wird hieraus durch elektrolytische Zersetzung (Schmelzflußelektrolyse) das Aluminium abgeschieden. Stelco Inc., Kanadas größter Stahlproduzent, gehört weltweit auch zu den bedeutendsten Aluminiumherstellern. Das Unternehmen besitzt 13 Aluminiumgewinnungsbetriebe , davon vier außerhalb Kanadas. 1997 wurden in kanadischen Unternehmen dieser Branche 1,10 Mio. Tonnen Rohaluminium hergestellt, während die Zweigunternehmen in den übrigen Ländern lediglich 355,000-Tonnen produzierten [25].

Ein wichtiger Bereich der verarbeitenden Industrie ist die Zellstoff- und Papierherstellung. Weltweit waren die diesbezüglichen Produkte aus Kanada wegen ihrer hohen Qualität stets sehr begehrt. 1997 nahm das Land z.B. die zweite Stelle in der Papierbreiproduktion ein . Der Anteil dieses Produkts am Außenhandelsüberschuß Kanadas von 28,3 Milliarden Dollars betrug rd. ein Drittel. Papierbrei wird dadurch hergestellt, daß die Holzfasern (die durch Lignin zusammengehalten werden) auf mechanischem Wege und unter Zusatz von chemischen Mitteln zerkleinert und gelöst werden. Dabei werden die Faserstoffe zunächst in Wasser bei niedriger Stoffdichte (5 kg Holz in 100 l Wasser) in einem sog. Pulper (Stofflöser) durch rotierende Laufräder suspendiert. Anschließend wird die Fasersuspension einer mehrstufigen Reinigung unterzogen. Durch Zumischung verschiedener Stoffe werden die späteren Papiereigenschaften bewirkt. Bei diesem Verfahren können rd. 85-95 Prozent des Holzes in Papier umgewandelt werden. Bei rein chemischen Verfahren liegt der Anteil lediglich bei 40-55 Prozent. 1995 wurden in Kanada im mechanischen Verfahren rd. 11 Mio. Tonnen, im chemischen Verfahren rd. 8,2 Mio. Tonnen Papierbrei hergestellt [26].

Ein großer Teil des Papierbreis wird durch die Canadian Pulp and Paper Association zu Fertigprodukte weiterverarbeitet, wie z.B. Druck- und Schreibpapier, Packpapier, Spezialpapiere (z.B. fettbeständig, Transparentpapier u.a.), Papier für den Sanitärbereich (Kleenex, Toilettenpapier etc.) sowie Pappen und Kartons. Kanada ist außerdem der weltgrößte Produzent und Exporteur von Zeitungspapier, das in alle Welt geliefert wird. Die Zeitungspapierherstellung stellte 1996 das wichtigste Segment der kanadischen Papierindustrie dar, das 26 Prozent des Weltbedarfs deckte. Nach Papierbrei waren 1996 Zeitungspapier, Druck- und Schreibpapier und Pappe die wichtigsten Exportartikel dieser Branche [27]. 1997 gingen 50 Prozent der Exporte in die Vereinigten Staaten, gefolgt von Asien, Europa und Lateinamerika.

Das Spektrum der kanadischen Industrie ist mit diesen Beispielen lediglich angedeutet. Der Überblick läßt gleichwohl einige der charakteristischen Eigenschaften erkennen, welche die kanadische Industrie prägen. Wichtige Grundlagen stellen die im Lande verfügbaren Rohstoffe dar. Allerdings stimmt das Image nicht, daß die kanadische Wirtschaft hierdurch determiniert wäre. Im Gegenteil: Kanada hat heute in vielen Bereichen der produzierenden Wirtschaft eine weltführende Stellung, einschließlich der High Tech-Industrien, die den sekundären Wirtschaftssektor in starkem Maße prägen. Deutlich wird aber auch die starke Außenabhängigkeit einzelner Branchen, die insbesondere bei der Automobilherstellung hervorsticht. Schließlich ist auf die große Exportbedeutung kanadischer Industrieprodukte hinzuweisen, so daß sich das Land auch in dieser Hinsicht als ein echter „globaler Partner“ (global partner) präsentiert.

Fragen und Aufgaben: Interaktives Quiz


[1] http://www.statcan.ca/english/Pgdb/manuf14.htm
[2] http://www.statcan.ca/english/Pgdb/labor47a.htm
[3] http://www.statcan.ca/english/Pgdb/manuf10.htm
[4] http://www.geocities.com/MotorCity/Speedway/4939/carprod.html
[5] http://www.gmcanada.com/inm/gmcanada/english/about/index.html
[6] http://www.ford.ca/english
[7] http://www.daimlerchrysler.ca/
[8] http://strategis.ic.gc.ca/epic/internet/inauto-auto.nsf/en/am00767e.html
[9] http://www.spar.ca
[10] http://ewh.ieee.org/reg/7/millennium/canadarm/canadarm_technical.html
[11] http://exn.ca/iss/index.cfm?URL=http://exn.ca/iss/MSS.cfm
[12] http://www.urbanrail.net/am/toro/toronto.htm
[13] http://www.trainweb.org/gotransit/
[14] http://www.eke.com/references/?content=special
[15] http://www.transportation.bombardier.com/index.jsp?id=3_0&lang=en&file=/en/3_0/3_3/3_3_0.html
[16] http://www.mitel.com/DocController?documentId=10140
[17] http://www.ibm.com/ibm/ca/en/
[18] http://www.canadiansteel.ca/industry/statistics/index.html
[19] http://www.canadiansteel.ca/industry/factsheets/recycling.htm
[20] http://www.algoma.com/
[21] http://www.dofasco.ca/
[22] http://www.stelco.com/businesses/
[23] http://www.alcan.com/web/publishing.nsf/content/About+Alcan+Home
[24] http://www.umweltlexikon-online.de/fp/archiv/RUBchemieprozesse/Aluminiumherstellung.php
[25] http://www.alcan.com/web/publishing.nsf/Content/Insights+on+the+Global+Aluminum+Industry
[26] http://www.cifq.qc.ca/html/english/pates_papiers/index.php
[27] http://www.cppa.org/english/info/taking.htm


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