Texteinheit 1: Umweltrisiken und Umweltpolitik in Kanada – an Beispielen

(Holly Innes und Alfred Hecht)

Didaktische Zielsetzung: In einem riesigen Land wie Kanada könnte es scheinen, als wenn Umweltfragen und Umweltschutz weniger Bedeutung hätten als in dichtbesiedelten Räumen wie beispielsweise in Deutschland. Daß dies nicht so ist, soll beispielhaft an Maßnahmenkatalogen aus Britisch-Kolumbien und Ontario verdeutlicht werden.

Schlüsselbegriffe: Luftverschmutzung, Umwelt, Umweltpolitik, toxische Substanzen, Umweltschutzgesetze, Grundwasser, Grundwasserqualität, Pestizide, Atembeschwerden, Luftqualität, Smog, Smog-Grenzwerte

Kanada ist ein Land, das sich um die Erhaltung seiner Umwelt sehr bemüht. Das Bundesamt für Umweltfragen "Environment Canada" [1] ist eine der größten Behörden des Landes, das an der Schaffung gesetzlicher Grundlagen und Maßnahmen erheblichen Anteil hat. Im Verlauf der letzten Jahre sind umfangreiche Bestimmungen [2] zum Schutz der natürlichen Umwelt und zur Verhinderung von Umweltschädigungen [3] geschaffen worden. Um diese Ziele zu erreichen, fordert die Regierung in allen Lebens- und Wirtschaftsbereichen die Anwendung von Verfahren, Praktiken, Materialien, Produkten oder Energieformen, die Umweltschädigungen vermeiden oder zumindest auf ein Minimum beschränken, um damit einen Beitrag zur Erhaltung der menschlichen Gesundheit und einer gesunden Umwelt [4] zu leisten. Der Schwerpunkt der Politik hat sich dabei deutlich verlagert von einer Beseitigung hin zu einer Verhinderung [5] von Umweltschäden. Das kanadische Umweltschutzgesetz (Canadian Environmental Protection Act [6] – CEPA) sieht eine stärkere Bürgerbeteiligung in diesen Fragen vor, indem es die Grundlagen schafft für eine breite, allgemein verfügbare Informationsbasis und für Regelmechanismen, die eine aktive Mitbestimmung der Öffentlichkeit ermöglichen. Es bietet auch die Grundlage dafür, daß Bürger im Falle von nachgewiesenen schweren Umweltvergehen Strafanzeige stellen können, wenn dies nicht durch die offiziellen Regierungsstellen geschieht. Das Gesetz sieht außerdem beschleunigte Verfahren für die Messung und Kontrolle toxischer Substanzen vor, ebenso verbietet es die Verwendung besonders schädigender Substanzen in jeglicher meßbaren Größenordnung. Die Beachtung und Durchsetzung der gesetzlichen Grundlagen wird nicht zuletzt dadurch gefördert, daß die Bürger aufgefordert sind, als Alarmmelder (whistle-blower) zu fungieren, also jegliche Verstöße gegen das CEPA anzuzeigen. Schließlich bildet das Gesetz eine wichtige Grundlage für die behördliche Zusammenarbeit [7] und für die Kooperation mit der Urbevölkerung.

Ein anderes landesweites Umweltprogramm stellt das 1995 verabschiedete Nationale Klimawandel-Aktionsprogramm (National Action Program on Climatic Change = NAPCC). Es sieht vorwiegend freiwillige Maßnahmen zur Stabilisierung bzw. Reduzierung der für den Glashauseffekt verantwortlichen Emissionen vor. Einige der in diesem Zusammenhang entwickelten Programme betreffen Förder- und Regulierungsmaßnahmen sowie technische Unterweisungen zur besseren Energienutzung in Wohn- und Industriegebieten, andere zielen auf eine stärkere Verbreitung von Fahrzeugen mit geringerem Kraftstoffverbrauch. Das NAPCC propagierte auch Maßnahmen zur Reduzierung der Bodenentkalkung im Bereich der Landwirtschaft, etwa durch Reduzierung des Pflügens oder der sommerlichen Brachflächen. Gleichzeitig wurde eine Kampagne zur Ausweitung der Waldflächen gestartet, um den Verbrauch von Kohlendioxid aus der Luft zu erhöhen (Draper, 1998: 147).

Umweltpolitik in Britisch-Kolumbien. Britisch-Kolumbien nimmt hinsichtlich der meßbaren Umweltbelastungen in Kanada den vierten Rang ein. Der größte Teil dieser Schädigungen betrifft die Luftverschmutzung durch Methanol und Ammoniak. Positiv ist gleichwohl zu vermerken, daß seit 1993 ein Rückgang der Schadwerte [8] zu verzeichnen ist. Dies ist das Ergebnis verschiedener Programme und Maßnahmen, die von der Provinz insbesondere zum Schutz der Luft entwickelt worden sind. Hierzu zählen z.B. im unteren Frasertal das Testprogramm für den Schadstoffausstoß von Schwerfahrzeugen, die Modernisierung von Überwachungs- und Meßprogrammen, die Stillegung sog. "beheeve burner" (Öfen in Form von Bienenkörben, in denen Abfälle verbrannt werden, etwa in Sägewerken, in der Landwirtschaft, teilweise auch in der Industrie), die Einschränkung großflächiger Abbrennpraktiken in der Land- oder Forstwirtschaft und die Festlegung höherer Verbrennungsstandards für Heizanlagen mit Holzbefeuerung [9].

Säurehaltige Abwässer (Acid Mine Drainage = AMD) sind eine große Umweltgefahr, die vom Bergbau in Britisch-Kolumbien ausgeht und die insbesondere den Rohstoff Wasser gefährdet. Sie sind eine der Hauptbedrohungen für das Grundwasser, was um so gravierender ist, als mehr als die Hälfte der Bevölkerung außerhalb der Großräume von Victoria und Vancouver ihr Trinkwasser direkt aus dem Grundwasser entnimmt. Obwohl in der Bergbautechnik in den letzten Jahren Fortschritte zu verzeichnen waren, liegt hier doch noch ein erhebliches Umweltrisiko. So kann die unsachgemäße Anlage von Erschließungswegen negative Folgen nach sich ziehen, indem sie z. B. die Erosion fördert. Solche Wege können im Falle starker Niederschläge als regelrechte Erosionsrinnen wirken, durch die große Mengen an Feinmaterial abgeführt und in die umgebenden Flüsse und Seen abgelagert werden. Das gleiche gilt für die unsachgemäße Anlage von Tagebauen. Wasserverunreinigungen durch bergbauliche Abraumhalden bedürfen noch Jahrzehnte, möglicherweise Jahrhunderte nach Schließung der Bergwerke der Beobachtung und Kontrolle. Solche Langzeitschädigungen hängen von einer Reihe von Faktoren ab, wie etwa der spezifischen Beschaffenheit des Untergrundes, der Art der bergbaulich gewonnenen Mineralien, der verwendeten Abbautechnologien, dem Vermögen, der Kenntnis und dem Verantwortungsbewußtsein aller Beteiligten sowie den Kontroll- und Durchsetzungsmöglichkeiten von umweltschützenden Auflagen in den Bergbauunternehmen [10].

Ein zweites Problem resultiert daraus, daß im Zuge der Mechanisierung der Bergbau in immer größeren Dimensionen durchgeführt wird. Eine der Folgen ist ein enormes Anwachsen der bergbaulichen Abraummengen. Das Problem wird sich in dem Maße weiter verstärken, wie verbesserte Technologien auch die Nutzung geringwertigerer Erzlager wirtschaftlich vertretbar machen. Dieser Trend verpflichtet die Bergbauindustrie mehr als je zuvor zur Anwendung umweltschonender Verfahren, um die Umweltschädigungen durch ihre Abfallproduktion zu minimieren. Ein verantwortungsbewußtes Unternehmertum, der Einsatz umweltschonender Technologien und planerische Weitsicht können sicherlich viele dieser Negativeffekte verhindern helfen, zumal ohnehin viele vermeidbare Umweltschäden im Bergbau durch Nachlässigkeit verursacht werden.

Schädigungen durch den Bergbau sind jedoch nicht die einzigen Gefahren, denen das Wasser ausgesetzt ist. So wurden in den Küstenhäfen Britisch-Kolumbiens Geschlechtsumwandlungen bei Schnecken [11] festgestellt, was zum Aussterben dieser Art führen könnte. Wissenschaftler führen dieses Phänomen auf erhöhte Zinnwerte im Wasser zurück. So ist z.B. Tributyltin (TBT) eine hochwirksame Zinnverbindung, die ehemals in Schiffsfarben und in den Lachszuchtfarmen verwendet wurde. Seit 1989 ist die Verwendung von TBT durch entsprechende Bestimmungen deutlich eingeschränkt worden. Die Geschlechtsumwandlung der Schnecken ist ein sichtbares Zeichen der Wasserverschmutzung. Zu befürchten ist, daß auch nicht unmittelbar wahrnehmbare Schädigungen erfolgen, etwa im Bereich der Mikroorganismen und in den genetischen Erbanlagen.

Zur Rettung der Schnecken und um generell die Wasserverschmutzung einzudämmen hat Britisch-Kolumbien ein Aktionsprogramm zur Verhinderung von Umweltschädigungen, den sog. Non-Point Source Pollution Action Plan entwickelt. Im gleichen Zusammenhang sind eine spezielle Fischschutz-Verordnung (Fish Protection Act) [12] und Veränderungen in der Gemeindeordnung (Municipal Act) zu nennen. Hierdurch werden den Provinzbehörden und den Kommunen größere Handlungsspielräume zum Schutz des Wassers und zur Erhaltung der Wasserqualität eingeräumt. Wenn man sich vorstellt, daß Britisch-Kolumbien über 25 Prozent der kanadischen Fließgewässer verfügt, so wird klar, welche Bedeutung der Überwachung, dem Schutz und der kontrollierten Nutzung dieser Ressource zukommt. Die Einleitung von Industrieabwässern und Gewässerbelastungen durch die Landwirtschaft müssen künftig weiter reduziert werden, etwa durch Pilotprojekte zur Vorbeugung gegen Gewässerverschmutzung und durch umweltbewußtere Produktionsverfahren. Ebenso wichtig sind Maßnahmen in der Abwasserbewirtschaftung der Kommunen durch Verbesserung der Kanalisationssysteme und der Kläranlagen sowie durch die Erstellung von Wasserschutzplänen. Die Wasserqualität der fischreichen Fließgewässer soll verbessert und durch einen Maßnahmenkatalog dauerhaft gesichert werden, wozu eine ganze Reihe spezieller Aktionsprogramme [13] (das Watershed Restoration Program, das Urban Salmon Habitat Program, der Fish Protection Act, der Forest Practices Code u.a.) beitragen sollen.

Eine Reihe weiterer Umwelt- und Umweltschutzprogramme betreffen den Agrarsektor, etwa das sog. Integrierte Schädlingsbekämpfungs-Programm (Integrated Pest Management [14] = IPM). Es fördert die kombinierte Anwendung von chemischen, biologisch - organischen und genetischen Methoden zur umweltverträglichen Schädlingsbekämpfung mit dem Ziel, den Verbrauch von Pestiziden in der Landwirtschaft und anderen Wirtschaftsbereichen zu reduzieren. Allein zwischen 1991 und 1995 verdoppelte sich die Fläche, die in Britisch-Kolumbien durch IPM-Berater betreut wurde. Konsequenterweise ging in dieser Zeitphase der Verkauf hochtoxischer, unter die Bestimmungen der Pestizid-Kontroll-Verordnung (Pesticide Control Act [15] = PCA) fallenden Schädlingsbekämpfungsmittel deutlich zurück. In Britisch-Kolumbien wurde die PCA Verordnung inzwischen durch einen Zusatz ergänzt, der eine verstärkte Anwendung der IPM-Programme fordert [16].

Britisch-Kolumbien hat sich auch zum Ziel gesetzt, das in Deponien oder Verbrennungsanlagen zu entsorgende Müllaufkommen pro Kopf der Bevölkerung bis zum Jahr 2000 auf 430 kg/Jahr zu senken. Dieses Ziel wurde fast erreicht. Vorbeugende Umweltschutzprogramme sollen darüber hinaus die Verbreitung umweltschonender Produktionsprozesse in der Industrie fördern. In verantwortungsvoller Zusammenarbeit mit der Industrie und in Verbindung mit den verschiedenen Regierungsprogrammen soll erreicht werden, daß die gefährlichsten Komponenten der Müllproduktion umweltgerecht entsorgt werden [17]. Dazu gehören: Batterien, Altreifen, Altöl, Farbreste, Pharmazeutika, Lösungsmittel, Brennstoffe, Pestizide, Treibstoffrückstände, Getränkedosen etc.

Die Provinz kann sich außerdem rühmen, mit dem Recycling Council of British Columbia (BCBC) das älteste "Amt für Recyclingangelegenheiten" innerhalb Kanadas zu besitzen. Das RCBC ist bemüht, durch Erziehungs- und Informationsmaßnahmen sowie durch Bürgerbeteiligungsprogramme zu einer Verringerung des Müllaufkommens und zum Ressourcenschutz beizutragen. RCBC hat sich auch zum Anwalt des sog. "Product Stewardship" [18] gemacht. Diese Forderung bedeutet, daß die Kosten für die Abfallentsorgung bzw. für Recyclingverfahren direkt über den Preis der Produkte finanziert werden sollen, anstatt hierfür Steuergelder aufzuwenden. Dies würde einen direkten Anreiz bedeuten, abfallärmere Verpackungen zu verwenden bzw. recyclebare oder dauerhaft wiederverwendbare Produkte zu entwickeln. Das große Ziel des RCBC [19] ist es, das Müllaufkommen Britisch-Kolumbiens im Verlauf der nächsten Jahre um die Hälfte zu reduzieren [20]. Inwieweit dies erreicht werden kann, hängt entscheidend davon ab, ob die Menschen bereit sind, ein entsprechendes Umweltbewußtsein zu entwickeln und die Umweltprogramme der Regierung und der Umweltorganisationen zu akzeptieren und verwirklichen zu helfen.

Umweltpolitik in Ontario. Die Medizinische Gesellschaft von Ontario (Ontario Medical Association = OMA) weist seit einiger Zeit darauf hin, daß die Luftverschmutzung in Ontario ein ernstzunehmendes Gesundheitsrisiko darstellt. Jährlich sterben nachgewiesenermaßen 1800 Menschen in der Provinz an den Folgen der Luftverschmutzung, Tausende leiden darüber hinaus an Atemwegsbeschwerden wie Asthma oder Bronchitis, die unmittelbar auf die Luftverschmutzung zurückzuführen sind. Diese bleibt in Ontario, der Provinz mit dem höchsten Fahrzeugaufkommen, der größten Industriekonzentration und der stärksten Umweltbelastung von den benachbarten Vereinigten Staaten her, auch weiterhin eine der großen Herausforderung, der sich u.a. die Ontario Clean Air Alliance [21] stellt.

Hauptverursacher der Luftverschmutzung Ontarios sind die großen Industrieschornsteine, die Kraftwerke, die PKWs, die Auspuffrohre der LKWs, die Müllhalden und die Müllverbrennungsanlagen. Ozon, saurer Regen und andere umweltschädigende Stoffe wehen in großen Mengen über die Staatsgrenze von den USA nach Kanada herüber. Auffällig ist, daß Ontario immer häufiger und immer früher von extremen Smogereignissen heimgesucht wird. Stellten sich diese in der Vergangenheit erst Mitte des Sommers ein, so verzeichnet Ontario inzwischen schon oft Mitte Mai extreme Smogwerte. In den heißen Sommermonaten bilden sich in Ontario vermehrt flüchtige organische Verbindungen (Volatile organic compounds = VOCs), die mit den Stickstoffoxiden (NOx) reagieren und Smog erzeugen, der die Städte buchstäblich ersticken läßt und der unter den Anbaupflanzen großen Schaden anrichtet.

Die Gefahr, daß sich das Smog-Problem weiter verstärkt, ist in Anbetracht der wachsenden Umweltbelastung durch Kraftwerke und der zunehmenden Zahl an Kraftfahrzeugen sehr groß. Die Politiker reagieren leider nur sehr langsam auf dieses Problem. Strenge Kontrollen der durch die USA verursachten NOx Emissionen sind zwar ab dem Jahr 2003 vorgesehen, inzwischen scheint es jedoch, als ob dieser Termin um mindestens ein zusätzliches Jahr verschoben würde. Zahlen des Umweltministeriums von Ontario haben in den letzten Jahren keinerlei nennenswerten Verbesserungen bei den Smogwerten erkennen lassen (Mittelstaedt, 1999: A10).

Einer der Hauptverursacher der Luftverschmutzung Ontarios [22] sind die kohlebefeuerten Wärmekraftwerke. Zwar ist die Kohle als Primärenergieträger billig, jedoch zahlt die Öffentlichkeit einen hohen Preis im Hinblick auf die durch sie verursachte Luftverschmutzung. Wärmekraftwerke auf Kohlebasis emittieren tödliche Rauchwolken mit hohen Anteilen an smogverursachenden Stickstoffoxiden, Quecksilber, Arsen und anderen toxischen Gasen, die allesamt nachgewiesene Verursacher von Lungenkrankheiten, Krebs, Gehirnschäden, Smog, saurem Regen und des Glashauseffekts sind und damit Auswirkungen auf den globalen Klimawandel [23] haben.

1997 wurde die "Allianz zur Erhaltung der Luftreinheit Ontarios" (Ontario Clean Air Alliance = OCAA) mit dem Ziel gegründet, die Luftverschmutzung durch die Emissionen der Wärmekraftwerke zu reduzieren. Sie stellt den Dachverband dar für 65 Organisationen und Institutionen, zu denen Kommunen, Gesundheitsbehörden, Umweltgruppen, öffentliche Einrichtungen, religiöse Organisationen und Einzelpersonen gehören. Auf diese Weise spricht die OCAA für über 4 Mio. Bewohner der Provinz. Eines ihrer Hauptziele besteht darin, daß die Deregulierung des Energiemarktes in Ontario zu einer Verringerung – nicht zu einer Zunahme – der Luftverschmutzung führt. Entsprechend fordert die OCAA Grenzwertfestlegungen für durch Wärmekraftwerke verursachte Emissionen von Schwefeldioxid, NOx sowie sonstige toxische und für den Glashauseffekt verantworlichen Gase. Diese neuen Grenzwerte sollen die verstärkte Verwendung umweltfreundlicherer Primärenergieträger [24] wie Naturgas oder erneuerbarer Ressourcen bewirken.

Die oberste umweltpolitische Zielvorgabe [25] Ontarios orientiert sich an den Rahmenbestimmungen durch die Bundesregierung, wie sie eingangs skizziert wurden. Verhinderung statt Beseitigung von Umweltschäden [26] ist die Prämisse. Dies ist ein vernünftiger Grundsatz, denn es ist einfacher und billiger, Schäden gar nicht erst entstehen zu lassen als sie mit hohem Kostenaufwand zu beseitigen, soweit dies überhaupt möglich ist. Diese Politik stellt nicht nur einen wichtigen Schritt zum Schutz und zur Erhaltung der Umwelt dar, sie bietet gleichzeitig einen Ansatz dafür, bestehende Technologien effizienter zu nutzen und weiterzuentwickeln, Betriebskosten zu senken und ganz allgemein das Umweltrisiko zu vermindern. Ein Beispiel: die Firma Kuntz Electroplating Inc. in Kitchener (Ontario) wurde mit einem Umweltpreis ausgezeichnet, weil sie mehrere Verfahren zur Verhinderung von Umweltbelastungen [27] entwickelt hat (Recycle-Verfahren für Chrom, Substitution chemischer durch umweltfreundliche Substanzen, Entseuchung von Müllhalden usw.). Über 150 Unternehmen in Ontario haben sich freiwillig verpflichtet, im Rahmen des "Bündnisses zur Verhinderung von Umweltschäden in Ontario" (Ontario’s Pollution Prevention Pledge) ihr toxisches Abfallvolumen bis zum Jahr 2000 um 90 Prozent zu senken.

Das ontarische Ministerium für Umwelt und Energie verfügte 1997 das Abgaskontrollprogramm "Drive Clean" [28], das LKWs, Busse und PKWs zu regelmäßigen Abgastests verpflichtet. Dies wird zu einer Verringerung der Stickstoffoxide (NOx), der flüchtigen organischen Verbindungen (VOC) und sonstiger Emissionen beitragen. Das Programm wird nach Dringlichkeitszonen im Zeitraum 1998 bis 2002 verwirklicht [29]. Es soll u.a. auch zu einer Reduzierung der Smoggefahr in der Provinz beitragen [30]. Die Abgastests werden alle zwei Jahre für Kraftfahrzeuge mit einem Alter zwischen 4 und 19 Jahren durchgeführt und sind die Voraussetzung für die jeweilige Verlängerung der Zulassung, die in Kanada jährlich erfolgt. Gebrauchtwagen müssen beim Verkauf grundsätzlich erst getestet werden. Allein in Südontario sind rd. 5,5 Mio. Fahrzeuge von diesem Programm betroffen. Nach seiner kompletten Verwirklichung wird jährlich eine Verringerung smogverursachender Substanzen [31] um 62.000 t erwartet. Vielen Umweltschützern geht allerdings das Drive Clean Programm nicht weit genug, da es z.B. den NOx-Gehalt der Luft lediglich um 2,5 bis 5 Prozent vermindern wird (Mittelstaedt, 1999: A 10).

Als äußerst erfolgreich bezeichnet das ontarische Ministerium für Umwelt und Energie seine Programme zum Gewässerschutz. So wurde z.B., eine deutliche Verminderung des Abwassereinlasses durch Raffinerien durchgesetzt, provinzweit erfolgte ein Rückgang beim Einsatz von Pestiziden, der Phosphoreintrag in den Eriesee wurde halbiert. Auch Quecksilber, PCBs (polychlorierte Biphenole), Dioxine und andere toxische Substanzen, die z.B. in Eiern von Möwen festgestellt worden sind, sind gegenüber 1970 um 90 Prozent zurückgegangen. Jedoch sind nicht alle Ergebnisse positiv, noch geben sie die volle Wahrheit wider. Dioxine befinden sich z.B. in unserer heutigen Umwelt und in unserer Nahrungskette sehr verbreitet; jeder von uns ist ihnen ausgesetzt durch die tägliche Nahrungsaufnahme, besonders in fetthaltigen Nahrungsmitteln wie Milchprodukten, Fleisch, Fisch und in Eiern. Die Dioxinbelastung in Ontario ist leider nicht so niedrig wie es viele wahrhaben wollen. So brachte z.B. ein Brand in einer Autowrackverwertung in Hamilton 1997 Dioxinwerte zutage, die 60-mal höher lagen als die für Industriegelände zugelassene Obergrenze. Hunderte von Menschen mußten evakuiert werden, um der unmittelbaren Gefährdung zu entgehen. Die Bewohner der Umgebung des Brandortes durften das Gemüse aus ihren Gärten nicht mehr verzehren, die Kinder durften nicht mehr auf dem Rasen spielen, der Brand kam einer Umweltkatastrophe gleich.

Erfolge kann Ontario im Bereich des allgemeinen Müllaufkommens nachweisen. Im Verlauf der letzten fünf Jahre wurde beispielsweise das Volumen des anfallenden festen Mülls um 25 Prozent gemindert. Seit 1970 findet eine regelmäßige Überwachung der Luftverschmutzung statt und das ontarische Umweltministerium betont, daß trotz aller diesbezüglichen Probleme die Luftwerte in der Provinz mindestens ebenso gut (oder schlecht) sind wie in den Vereinigten Staaten oder in den europäischen Industrienationen, wenn nicht besser. Erwähnt werden muß in diesem Zusammenhang das 1998 erlassene Gesetz 82 (Bill 82), der sog. Environmental Statute Law Amendment Act. Dieses Gesetz gibt dem Umweltministerium größere Möglichkeiten zu Verwarnungen oder Bestrafungen im Falle von Umweltvergehen. Es hat außerdem legislative Lücken geschlossen, die es vorher ermöglichten, bestehende Bestimmungen zu umgehen oder nicht zu beachten. Das neue Gesetz läßt hier keinerlei Spielräume offen und stellt den Zustand der Rechtssicherheit [32] her zwischen denen, die sich an die Gesetze halten und denen, die es zu umgehen versuchen. Insgesamt bemüht sich die Provinz Ontario, ihre Anstrengungen zur Erhaltung der Umwelt auch in Zukunft zu verstärken. Wie die Vergangenheit gezeigt hat genügt es dabei nicht, Bestimmungen und Gesetze zu erlassen. Es muß auch sichergestellt sein, daß diese umgesetzt werden. Dies ist seit einigen Jahren das sichtbare Bestreben der Provinz, was sicherlich einen Schritt in die richtige Richtung bedeutet.



Fragen und Aufgaben: Interaktives Quiz


[1] http://www.ec.gc.ca/
[2] http://www.ec.gc.ca/introec/orgs_e.htm
[3] http://www.ec.gc.ca/pollution/strategy/en/index.cfm
[4] http://www.edco.on.ca/journal/story9.htm
[5] http://www.ec.gc.ca/pollution/strategy/en/p1.cfm
[6] http://www.ec.gc.ca/ceparegistry/
[7] http://www.ec.gc.ca/press/cepa98_n_e.htm
[8] http://wlapwww.gov.bc.ca/soerpt/992airquality/particulatesglance.html
[9] http://wlapwww.gov.bc.ca/air/particulates/agttobsc.html
[10] http://www.miningwatch.org/emcbc/publications/amd_water.htm
[11] http://www.ivf.com/snail.html
[12] http://wlapwww.gov.bc.ca/habitat/fish_protection_act/
[13] http://www.gov.bc.ca/bvprd/bc/channel.do?action=ministry&channelID=-8395&navId=NAV_ID_province
[14] http://wlapwww.gov.bc.ca/epd/epdpa/ipmp/
[15] http://www.qp.gov.bc.ca/statreg/stat/P/96360_01.htm
[16] http://wlapwww.gov.bc.ca/epd/epdpa/ipmp/updates/pmp_update.html
[17] http://wlapwww.gov.bc.ca/epd/epdpa/ips/index.html
[18] http://wlapwww.gov.bc.ca/epd/epdpa/ips/
[19] http://wlapwww.gov.bc.ca/epd/epdpa/ips/index.html
[20] http://wlapwww.gov.bc.ca/epd/epdpa/mpp/mpp_home.htm
[21] http://www.cleanair.web.net/index.html
[22] http://www.airqualityontario.com/science/index.cfm
[23] http://www.cleanair.web.net/aboutus/index.html
[24] http://www.cleanair.web.net/index.html
[25] http://www.ene.gov.on.ca/envision/bp/2002-2003.htm
[26] http://www.eman-rese.ca/eman/program/about.html
[27] http://www.ene.gov.on.ca/programs/3551e_01.pdf
[28] http://www.driveclean.com/
[29] http://www.driveclean.com/why/plan/plan_3e.html
[30] http://www.driveclean.com/why/smogprob/index.html
[31] http://www.ene.gov.on.ca/bp0601.htm
[32] http://www.ene.gov.on.ca/envision/news/041701mb.htm


Verwendete Literatur
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