Texteinheit 10: Ökotourismus und Naturerlebnis in Kanada

(Holly Innes und Alfred Hecht)

Didaktische Zielsetzung: Anhand einiger ausgewählter Beispiele aus verschiedenen Provinzen sollen einige Zielsetzungen und die Bedeutung des umweltfreundlichen Abenteuerurlaubs und des Ökotourismus in Kanada aufgezeigt werden.

Schlüsselbegriffe: Umweltfreundlicher Tourismus, Ökotourismus, Naturräume, Naturerlebnis, Umwelt, Abenteuerurlaub.

Unter umweltfreundlichem Tourismus bzw. Ökotourismus werden jegliche Formen der Freizeitgestaltung verstanden, die sowohl der Erhaltung der Umwelt als auch der Verbesserung der wirtschaftlichen Lebensbedingungen der Menschen in den betroffenen Gebieten dienen. Anders ausgedrückt handelt es sich um umweltbewußte Freizeitnutzung mit dem Ziel eines besseren Natur- und Kulturverständnisses, aber auch um einen Wirtschaftsfaktor, der in den betroffenen Gebiete eine wichtige materielle Voraussetzung für umwelterhaltende Maßnahmen schafft. In vielen Fällen ist der Ökotourismus mit einem hohen ethischen, ästhetischen oder wissenschaftlichen Anspruch [1] verbunden.

Einige Grundforderungen des umweltfreundlichen Tourismus gehören heute bereits zu den Selbstverständlichkeiten: Nur auf ausgezeichneten Wegen gehen, keinerlei Müll oder Speisereste hinterlassen, alles unberührt belassen, die Tierwelt nicht stören, sich Tieren nicht nähern, Reisezeitpunkte so wählen, daß Brutzeiten nicht gestört werden, Haustiere stets an der Leine führen, beim Campen nur kleine Lagerfeuer entfachen usw. Außerdem sollte man beim Kauf von Andenken oder sonstiger Gegenstände auf deren umweltfreundliche Produktionsweise achten, oder aber Reisebuchungen nur bei Unternehmen vornehmen, die umweltfreundliche Programme [2] anbieten.

Einige Beispiele mögen verdeutlichen, welche Bedeutung dem Ökotourismus in Kanada heute zukommt. So wirbt die Stadt Hamilton in der Provinz Ontario mit einer ganzen Reihe von ökotouristischen Attraktionen [3]. Dazu gehört z. B. der Niagara Escarpment Bruce Trail, der sich in einem 1990 durch die UNESCO anerkannten Welt-Biospärenreservat [4] befindet. Der Naturpfad führt durch eine wildreiche und weitgehend ungestörte Naturlandschaft. Ein besonders sehenswerter Punkt ist Devil's Punch Bowl [5], ein Gelände von rund 25 ha Fläche, wo ein spektakulärer Wasserfall über die Niagara-Stufe stürzt. Die Stelle ist vor allem aus geologischer Sicht interessant (und weltweit bekannt), da hier die bis zu 450 Mio. Jahre alten (devonischen) Gesteinsschichten besonders gut sichtbar sind. Außerdem bietet sich an Devil's Punch Bowl ein herrlicher Landschaftsüberblick. Ein anderes Beispiel aus Ontario ist die Grand River Conservation Authority [6], die ein umfangreiches ökotouristisches Programm im Bereich des Gewässersystems des Grand River entwickelt hat.

In Manitoba bieten zahlreiche Reiseveranstalter umweltfreundliche Natur- und Freizeitprogramme an. Zu ihnen zählt z.B. die Travel Manitoba [7]. Ihr Angebot erstreckte sich 1999 u.a. auf umweltfreundliche Campingreisen (low impact camping), Wandertouren, Naturbeobachtung, Kanufahrten u.ä. Aber auch spezielle Programme wie ethnisch-gastronomische Rundreisen, Besichtigungsreisen zu historisch interessanten Punkten und Landschaften, zu Veranstaltungen und Festen, die von den Gemeinden oder von der Urbevölkerung gestaltet werden, sind in dem Angebot [8] enthalten. Zu den besonders berühmten Ökotours in Manitoba gehört eine Fahrt nach Churchill [9] an der Hudson Bay, der "Eisbärenhauptstadt der Welt", wo man sich in sicheren Spezialfahrzeugen [10] bis auf kurze Distanzen den Eisbären [11] nähern kann.

Ganz andere Möglichkeiten des Naturerlebnisses und des Abenteuerurlaubs [12] bieten sich in Alberta, insbesondere im Übergangssaum von den Prärien in die Hochgebirgslandschaft [13] der Rocky Mountains. Hier ist man nicht auf ausgeschilderte Wege angewiesen, sondern kann sich seine Wandertouren frei gestalten [14] - auf Wegen, die in keinem Reiseführer verzeichnet sind. Besonders zünftig sind die Touren im Sattel durch die weiten Gebirgstäler bis hinauf zu den alpinen Matten, die alten Wildwechseln der Bären und Bergziegen (bighorn sheep) folgen. Die wilden Gebirgsbäche laden außerdem zu Paddeltouren ein. Inmitten dieser Wildnis gibt es nur die Möglichkeit der Zeltübernachtung, ein besonders naturnahes Erlebnis. Auch andere Gebiete Albertas werben mit Ökotourismus, wie am Beispiel des Kalyna Country Ecomuseum [15] deutlich wird. Eine besondere Attraktion stellen die Badlands in Südalberta [16] dar. In der Nähe von Drumheller befindet sich mit dem Tyrell Museum [17] eines der bedeutendsten Museen zur prähistorischen Fauna und Flora.

Ein interessantes Beispiel ist Britisch-Kolumbien, wo u.a. die Coastal Ecosystems Research Foundation [18] (CERF) den umweltfreundlichen Tourismus fördert. Die non-profit Organisation unterstützt mit den Einnahmen aus ihrem Freizeitangebot zahlreiche Forschungsprogramme [19] über die Lebensräume der Wale [20] (Grauwale, Buckelwale) und verschiedener Arten von Delphinen. Seit 1999 wird z.B. ein spezielles Beobachtungsprogramm für die Grauwal-Populationen in den küstennahen Gewässern [21] durchgeführt. Dabei werden verschiedene Fragestellungen verfolgt, etwa, wie sich die Wale in ihrem Lebensraum verhalten, wie lange sie sich der Nahrungssuche widmen, welche Nahrung sie aufnehmen, wie sie miteinander umgehen, usw. Die Beobachtungen werden von zwei für diesen Zweck speziell umgestalteten Fischerbooten aus unternommen, die sich so unauffällig wie möglich den Walen nähern. An diesen Beobachtungsfahrten können auch Besucher teilnehmen, die während einer 7-Tage langen Expedition die Biologen der CERF begleiten und dabei aus erster Hand Forschungsmethoden kennenlernen und wissenschaftliche Erkenntnisse über die Buckelwale erfahren können. Es ist dies eines der interessantesten Abenteuer, das man in einer der schönsten Landschaften zwischen den küstennahen Regenwäldern und den Wellen des offenen Pazifiks erleben kann. Viele weitere Unternehmen bieten Touren zur Walbeobachtung [22] und sonstige Ökotouren an.

Auf der atlantischen Seite Kanadas gibt es vergleichbare Angebote. In der Provinz Québec bietet u.a. Ecomertours [23] eine breite Palette spezieller Programme zur Naturbeobachtung, sog. Ökotouren (Ecotours) an, wie das Beispiel des Naturschutzgebiet Les Escapades Nord Côtières verdeutlicht.

LES ESCAPADES NORD COTIERES QUEBEC & NFLD.

Join us in our "Camper Westfalia VW" to explore Anticosti Island, Mingan Archipelago, Groulx, and Mealy Mountain and the Eastern Coast by sea kayaking, hiking, and back country skiing or snowmobile (1 - 15 days).
Travelling on the road 389 up North to Labrador and the 138 east up to Lourdes-de-Blanc-Sablon, we will reach the wildest natural site of the Quebec North East and Labrador region. We transport our clients in the camper, which is the base camp of our adventures.
On the sea kayak we will observe the whales, seals, and marine birds.
Hiking the Groulx and Mealy mountains over 1000 meters high we get right to the Arctic Tundra. Back country skiing with husky dogs & pulka to carry the materials and to take you on a wild adventure in the white desert.

Quelle: ecotours [24]

Das Exkursionsgebiet befindet sich an der sog. Côte Nord der Provinz Québec bei Lourdes-de-Blanc-Sablon und zählt zu den wildesten Landschaften dieses Raumes und ganz Labradors. Mit speziellen seetüchtigen Kajaks können auch hier die Besucher Wale, Robben und Seevögel aller Art beobachten. Daneben finden sich Naturwanderwege im Bereich der Groulx und der Mealy Mountains, wo man sich in rd. 1000 Metern Höhe bereits in einer voll ausgebildeten Tundra befindet. Während des Winters kann man die Natur hier per Hundeschlitten erleben, ein Angebot, das der Bevölkerung eine zusätzliche Einnahme erschließt und das darüber hinaus auch ein unvergeßliches "kanadisches" Naturerlebnis garantiert. Sehr populär sind auch die Touren zur Walbeobachtung im Sankt-Lorenz Strom [25]

Ein anderes Beispiel aus dem Osten ist der East Coast Trail [26] in Neufundland. Dieser 360 km lange Wanderweg folgt Nordamerikas östlichster Küstenlinie. Er beginnt in Topsail Beach an der Conception Bay und reicht bis zur Spitze der Avalon Halbinsel. Zahlreiche natürliche Attraktionen [27] kennzeichnen den Verlauf entlang einer wilden Küstenlandschaft, in der steile Kliffs, tief eigeschnittene Fjorde und bizarre Felsformationen einander abwechseln. Die Initiative zur Anlage diese "Ökowanderwegs" entstand 1994 durch eine kleine Gruppe von Naturliebhabern. Inzwischen erfreut er sich großer Beliebtheit bei einer ständig wachsenden Zahl von Besuchern, die in dieser weitgehend unberührten Landschaft ihr Naturerlebnis suchen.

Dieses kann man möglicherweise noch authentischer in den Nordwest Territorien erfahren, etwa beim Besuch auf Broughton Island, wo man während des Frühjahrs Hundeschlittentouren oder während des Sommers Bootstouren unternehmen kann. Mehrere Anbieter [28] haben sich auf die Organisation von Abenteuerreisen und Naturbeobachtung in der Arktis [29] spezialisiert. Selbst im Winter gibt es interessante Freizeitmöglichkeiten, die sehr am Lebensstil der Inuit orientiert sind. Unter Anleitung der Urbevölkerung lernen die Besucher, wie man ein Schneehaus (Iglu) baut und wie man, mit Karibuleder als Unterlage und eingepackt in Fellen, darin übernachtet. Natürlich sind dabei auch mehrtägige Touren mit dem Hundeschlitten [30] vorgesehen, ein in Kanadas Norden insgesamt sehr beliebtes Wintervergnügen. Bootstouren sind erst ab Ende Juli möglich, wenn das Eis aufgebrochen ist. Dann beginnt die Zeit der Walbeobachtung, der Fahrten zu den Eisbergen, den Gletschern und den gigantischen Fjorden mit ihren bis zu 900 m hohen Kliffs und unzähligen Wasserfällen. Schließlich zählt das Polarlicht [31] (aurora borealis) zu den unvergeßlichen Attraktionen des Nordens.

Fragen und Aufgaben: Interaktives Quiz


[1] http://cerf.bc.ca/deutsch/text.html
[2/24] http://www.travel2canada.com/ecotours2.htm
[3] http://www.hamilton.ca/parks/default.asp
[4] http://www.biosphere-canada.ca/reserves/niagara_escarpment/default.asp
[5] http://www.geocities.com/Yosemite/Rapids/8910/niag-pen-fals.html
[6] http://www.grandriver.ca/
[7] http://www.travelmanitoba.com/contents.html
[8] http://www.travelmanitoba.com/events/
[9] http://www.toursexplore.com/tour51.html
[10] http://travelwild.com/PolarBuggy.asp
[11] http://travelwild.com/default.asp
[12] http://www.cantravel.ab.ca/
[13] http://www.cantravel.ab.ca/adv-trvl.html
[14] http://www.timberwolftours.com/
[15] http://www.kalynacountry.ab.ca/
[16] http://www.toursexplore.com/tour122.html
[17] http://www.tyrrellmuseum.com/
[18] http://cerf.bc.ca/deutsch/index.html
[19] http://cerf.bc.ca/deutsch/resinfo2.html
[20] http://cerf.bc.ca/deutsch/whales.html
[21] http://cerf.bc.ca/deutsch/study_area.html
[22] http://www.seaorca.com/
[23] http://www.ecomertours.com/Ecotours.htm
[25] http://www.toursexplore.com/tour44.html
[26] http://www.eastcoasttrail.com/
[27] http://www.eastcoasttrail.com/trail/attractions.php
[28] http://travelwild.com/AboutTravelWild.asp
[29] http://travelwild.com/ArcticExpeditionCruises.asp
[30] http://www.fishinontario.com/ridgewood/mush.html
[31] http://www.gov.nt.ca/RWED/gallery/tourism/northernlights.htm

Verwendete Literatur
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