Kanada erfreut sich als Zielgebiet des internationalen Tourismus einer immer größeren Beliebtheit. Für Besucher aus dem Ausland sind es häufig die grandiosen Landschaften, die den besonderen Reiz dieses Landes ausmachen. Dabei sind die Hochgebirgsregionen im Westen besonders beliebt, in denen sich zahlreiche Nationalparks (Banff, Jasper u.a.), die einmaligen pazifischen Regenwälder mit ihren Baumriesen, riesige Gletscher und wilde Gebirgsbäche eng nebeneinander finden. Weniger spektakulär, jedoch ebenfalls mit vielen landschaftlichen Besonderheiten präsentieren sich die Prärien, Zentralkanada und die maritimen Provinzen, wobei letztere ebenfalls atemberaubend schöne Gegenden aufweisen. Auch die Kanadier selbst haben zu ihrer Natur ein besonderes Verhältnis, verstehen sie als ein Stück ihrer Identität und haben dies auch immer wieder künstlerisch zum Ausdruck gebracht. Berühmt ist die Malerschule der Groupe of Seven, die die Wildheit der kanadischen Natur zum Hauptgegenstand ihres Schaffens gemacht hat.
Der zweite wichtige Tourismusbereich betrifft den Kulturraum Kanada. Der Begriff Kulturtourismus ist heute sogar zu einem wichtigen Schlagwort in der Planung geworden. Die kanadische Tourismus Kommission (Canadian Tourism Commission [1] = CTC) hat den Kulturtourismus als einen wichtigen Sektor des Fremdenverkehrs bezeichnet, dem die Aufgabe der Erhaltung und Pflege historisch bedeutender Objekte und Landschaften zufalle. Sie definiert: "Kulturtourismus ist eine Form des Tourismus, dessen Aufgabe es unter anderem ist, besondere Monumente und Sehenswürdigkeiten ins Bewußtsein zu rücken. Er hat, gemäß seiner allgemeinen Zielsetzung, auf diese einen positiven Effekt, indem er zu ihrer Erhaltung und zu ihrem Schutz beiträgt. Angesichts seines sozio-kulturellen und wirtschaftlichen Nutzens für alle Beteiligten rechtfertigt diese Form des Tourismus die Aufwendungen der Gesellschaft für eben diese Erhaltung und diesen Schutz" (The ICOMOS Charter on Cultural Tourism).
Die kulturellen und sozialen Kennzeichen des Kulturtourismus in Kanada sind vielseitig und einmalig. Dabei lassen sich einige immer wiederkehrende Elemente beim Vergleich des Angebots erkennen: die jeweilige geschichtliche Bedeutung eines Ortes, die meistens auf Informationstafeln festgehalten ist, Hinweise auf Sprachen und Dialekte der Bevölkerung, auf lokale Traditionen und Folklore, auf die Arbeitswelt und Produktionsverfahren, auf Kunst und Musik, Besonderheiten der Kleidung, architektonische Elemente, auf traditionelle Schulsysteme, auf die Religion und die damit verbundenen Äußerungsformen, auf Freizeitmöglichkeiten, das Kunsthandwerk, die Gastronomie und lokale Besonderheiten der Küche, auf Feste und sonstige feierliche Anlässe. Es wird deutlich, wie breit dieses Angebot ist und welche Bedeutung dem Kulturtourismus als einem dynamischen Wirtschaftsfaktor damit zufällt. Jedoch ist es mehr als nur dies. Kulturtourismus [2] dient gleichzeitig der Entdeckung und der Bewertung dessen, was einmalig und sehenswert ist und was der jetzigen Generation als wertvolles kulturelles Erbe von unseren Vorfahren als Vermächtnis hinterlassen worden ist. Es ist unsere Aufgabe, diese Werte zu schützen und für unsere Nachwelt zu erhalten. An einigen Beispielen sollen die regionalen Kennzeichen des Kulturtourismus verdeutlicht werden, jedoch sollen auch Aspekte des Landschaftstourismus betrachtet werden.
Besonders reich ist das Angebot in Britisch-Kolumbien, unbestritten ein atemberaubend schönes Land. Entlang der Küste fällt das Gebirge steil in die tiefblauen Fluten des Pazifiks ab, in den Regenwäldern finden sich teilweise bis heute noch Baumriesen und wilde Gewässer, die Vielfalt der Fauna mit seltenen Vogelarten, Bären, Walen, Lachsen usw. ist geradezu sprichwörtlich. Hinzu kommen viele kleine Siedlungen, wo die Zeit stehengeblieben zu sein scheint. Besondere Bedeutung hat die Urbevölkerung, deren kulturelle Vielfalt hier beeindruckend ist. Die ältesten Indianerkulturen auf Vancouver Island und entlang der Westküste haben schon früh eine nicht-agrarische Lebensweise entwickelt, die zu den erstaunlichsten Leistungen dieser Art in ganz Nordamerika zählt. Die Westküstenindianer waren Meister in der Holzverarbeitung und in der dekorativen Kunst, was sich in ihren Langhäusern, den Totempfählen oder in den ozeantüchtigen Booten zeigt.
Bei dieser Vielfalt ist es nicht verwunderlich, daß der Tourismus in Britisch-Kolumbien seit langem eine wichtige Rolle spielt, wobei diese angesichts immer neu erschlossener Gebiete und ausgezeichneter Marketing Strategien in Zukunft noch zunehmen wird. 1998 betrugen die Einnahmen aus dem Tourismus in Britisch-Kolumbien 8,7 Milliarden Dollars, die Zahl der Touristen belief sich auf 21,3 Mio., die Zahl der direkt im Tourismus Beschäftigen auf rd. 113.000. Die Provinzregierung von Britisch-Kolumbien hat eine eigene Organisation (Tourism British Columbia) geschaffen, die den Status einer "crown corporation" (Unternehmen der öffentlichen Hand, aber in wirtschaftlicher Eigenverantwortung geführt) innehat. Dies erlaubt allen Fremdenverkehrsbetrieben und Agenturen, offiziell mit der weltweiten Einmaligkeit des touristischen Wertes der Provinz zu werben. Zu erwähnen sind natürlich auch die Möglichkeiten des Wintersports in Britisch-Kolumbien [3], die ebenfalls weltweit einen ausgezeichneten Ruf besitzen. Als Wirtschaftsfaktor spielt der Wintersport eine immer größere Rolle. Whistler und Blackcomb zählen kanadaweit zu den bekanntesten Ski- und Snowboardgebieten. Zur Erschließung der Wintersportzentren wurden in Britisch-Kolumbien mehr als zwei Milliarden Dollars investiert.
Die Breite des touristischen Angebots [4] in Britisch-Kolumbien ist schier unbegrenzt. Alle Attraktionen hier aufzuzählen, wäre völlig unmöglich - wie für andere Provinzen auch. Hier sind es aber vor allem die Kontraste. Der Besucher von Britisch-Kolumbien kann die Provinz als Camper kennenlernen, Wintersport in den Rocky Mountains betreiben, die einmaligen Ski- und Snowboardpisten am Whistler genießen, durch die pazifische Inselwelt segeln, Rundfahrten durch Weinberge des Okanagan Tals unternehmen, oder die so überaus britisch geprägte Hauptstadt der Provinz, Victoria auf Vancouver Island, besuchen, um nur einige der Möglichkeiten anzudeuten.
Nicht weniger vielfältig ist die Provinz Alberta, deren Einmaligkeit z.T. in ihrer Naturgeschichte begründet ist. In frühester Zeit waren die Prärien die Heimat der Dinosaurier. Sehr viel später kamen dann die Büffel, die Coyoten, Klapperschlangen, Hornkröten, Pronghorn-Antilopen u.v.a. hinzu. Sie sind aber auch die Heimat der Urbevölkerung, der Cowboys und der berittenen Polizeitruppe, der berühmten North West Mounted Police. Süd-Alberta bietet die typische Western-Atmosphäre. Es handelt sich um eine der vielfältigsten Prärielandschaften Nordamerikas mit ihrer Kurzgras-Vegetation, den vielfältigen Spuren der glazialen und periglazialen Überprägung, den Badlands, den großen Flußsystemen und Seen, den Vorgebirgen zu den Rocky Mountains (foothills) und natürlich dem Hochgebirge der ersten Kordillerenketten. In diesem Land haben die Prärieindianer [5] schon früh ihre Kultur entwickeln können.
Viele dieser Kennzeichen finden sich in Fort MacLeod im Süden der Provinz vereint. Der Ort wurde 1874 gegründet und war der erste Vorposten der Royal Canadian Mounted Police (RCMP) in Kanadas ungezähmtem Westen. Die "Rotröcke" oder RCMP haben heute eine Art Symbolwert für das kanadische Geschichtsbewußtsein. Alljährlich im Juli und August kommen unzählige Besucher nach Fort MacLeod, um der "Mounted Patrol Musical Ride" [6] beizuwohnen. Acht berittene und in den Uniformen von 1874 gekleidete Rotröcke reiten hierbei in Formation im Rhythmus der Musik, ein beeindruckendes Spektakel.
Die Kultur der Prärieindianer wird am Head-Smashed-In Buffalo Jumb [7] wieder lebendig. Es handelt sich um einen der größten und am besten erhaltenen Büffel-Jagdfelsen Nordamerikas, der sich an der Nahtstelle der Prärien und der Vorbergzone zu den Rocky Mountains in einem der ehemals bevorzugten Büffelweideareale befindet. Der Felsen wurde 1981 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Über 5500 Jahre lang nutzten ihn die Prärieindianer für ihre Jagdzwecke. Der Büffel war für die Prärieindianer jahrtausendelang eine seiner wichtigsten Lebensgrundlagen. Das Fleisch diente dem Verzehr, die Häute wurden zu Leder gegerbt und zu Kleidungsstücken verarbeitet, Sehnen, Knochen und Hörner wurden zur Herstellung von Geräten genutzt, die Fladen dienten als Brennmaterial. Die Methode, ganze Büffelherden gleichzeitig zu erlegen, war denkbar einfach. Durch Lärm und Feuer in Panik versetzt stürzten die Herden über das zehn bis achtzehn Meter hohe Kliff zu Tode und brauchten am Fuße des Felsens lediglich noch ausgeschlachtet zu werden. Diese Praxis ist bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts hinein bezeugt. Bis heute sind die teilweise mehrere Meter hoch aufgetürmten Knochenskelette zu sehen. Auch der Ort, wo die Tiere ehemals zerlegt und das Fleisch gekocht und aufbewahrt wurde, ist heute zu besichtigen.
Wollen sich Besucher über die Fauna der Prärien lange vor den Büffeln informieren, so können sie dies im weltbekannten Royal Tyrell Museum of Paleontology [8] tun. Hier befindet sich die größte Sammlung der verschiedenen Arten von Dinosauriern der Welt. Desgleichen können sie sich auf dem Dinosaurier Lehrpfad über die Lebensbedingungen dieser Vorzeitfauna informieren, ein Pfad, der in Drumheller beginnt und durch einmalig schöne Landschaften führt, einschließlich das tief eingeschnittene Tal des Red Deer Rivers, über den eine der letzten durch Drahtseile gezogenen Fähren Albertas führt.
In Saskatchewan ist der Tourismus heute der am stärksten wachsende Wirtschaftsbereich, aus dem jährlich über 1,1 Milliarden Dollars erwirtschaftet werden. Jede Teilregion der Provinz verfügt über ihre spezifischen Eigenheiten. Im Südwesten [9] befindet sich das landschaftlich bewegte Land der Cowboys. Touristen können hier den historischen Wegen der Gesetzlosen und der berittenen Polizeipatrouillen folgen. Zu den beliebtesten Zielen zählen die Cypress Hills. In diesem wild zerklüfteten Gebirge finden sich seltene Wildblumen und über 200 verschiedene Vogelarten. Mitten hindurch führt der Red Coat Trail, der ungefähr die Route nachzeichnet, die 1874 in dem berühmten "March West" (Zug in den Westen) von der berittenen Polizeitruppe, der North West Mounted Police, benutzt wurde, um Gerechtigkeit und Gesetz an der kanadischen Frontier durchzusetzen.
In der Südostregion [10] offenbart sich zwischen dem Qu'Appelle-Tal und den Moose Mountains ebenfalls eine große landschaftliche Vielfalt. Alljährlich findet hier im Sommer am sog. Treaty Four Gathering in Fort Qu'Appelle eines der größten Indianerfeste (Powwow) statt, das zahllose Besucher anzieht. Im Winter ist der Porcupine Forest einer der bekanntesten Plätze für Motorschlittensport in der ganzen Provinz. Die Gegend ist aber auch bedeutsam wegen ihrer wichtigen Lagerstätten an Primärenergieressourcen, namentlich Öl und Kohle.
Die westliche Zentralregion [11] der Provinz bietet ebenfalls Gelegenheit, das Rad der Zeit zurückzudrehen in die Phase der ehemaligen Indianerzeltlager (tipi rings), der Medizinmänner (medicine wheels) und der großen Pelzhandelsrouten. Es ist gleichzeitig das Gebiet, in dem Louis Riel im Jahre 1885 die Mestizen im Kampf gegen die Regierungstruppen führte. Inmitten dieser Landschaft befindet sich Saskatoon, heute die größte Stadt der Provinz. In der östlichen Zentralregion [12] befinden sich einige der ungewöhnlichsten Seen Saskatchewans, darunter z.B. der Little Manitou Lake, dessen hoher Salzgehalt es unmöglich macht, in ihm zu versinken. Eine andere Attraktion ist der Last Mountain Lake, in dem sich das größte Vogelschutzgebiet Nordamerikas befindet.
Im Norden der Provinz [13] erfolgt der Übergang in das schier unendliche boreale Waldland. So verwundert es nicht, daß z. B. das Museum von Prince Albert vorwiegend dem Vordringen des Menschen gegen die Wälder gewidmet ist. Aber auch die historische Bedeutung des Ortes für die Aufrechterhaltung von Recht und Ordnung ist hier nachvollziehbar. Der äußerste Norden der Provinz Saskatchewan ist nur mit dem Flugzeug erreichbar. Mit dem Athabaska Sand Dunes Provincial Park befindet sich hier eine besondere Attraktion, nämlich das am nördlichsten gelegene Dünenfeld der Welt. Es beherbergt außerdem zehn seltene Pflanzenarten, die nirgends sonst auf der Welt vorkommen.
Hauptstadt der Provinz Saskatchewan ist Regina [14], dessen Ursprung ein 1882 hier angelegtes Zeltlager mit dem eigentümlichen Namen Pile O'Bones (Knochenhaufen) darstellte. Heute befindet sich in Regina mit der Mackenzie Art Gallerie eine der bedeutendsten Kunstgalerien des Landes. Außerdem gibt es in Regina Kanadas einzige Ausbildungsakademie für die berittene Polizeitruppe RCMP. Schließlich rühmt sich die Stadt, mit den Saskatchewan Roughriders über das beliebteste Footballteam (Rugby) Kanadas zu verfügen.
Auch Manitoba verfügt über endlose Weiten. Die Hauptstadt Winnipeg hat ihren Ursprung in einem bereits 1734 angelegten Pelzhandelsposten. Die Stadt nimmt für sich in Anspruch, mit 2300 Sonnenstunden pro Jahr über die längste Sonnenscheindauer Kanadas zu verfügen. Manitoba ist aber auch die Provinz der 100.000 Seen. Nur wenige davon lernt man beim Besuch der sog. Interlake Area [15] kennen, ein beliebtes Touristengebiet zwischen dem Lake Winnipeg im Osten und dem Lake Manitoba im Westen. Es ist u.a. bekannt für seine einladenden Strände und für herrliche Bootstouren, aber auch für seine große Vielfalt an Wasservögeln.
Wer das Abenteuer liebt, muß sich nach Churchill begeben, unbestritten die Eisbären-Hauptstadt der Welt. Besucher können sich in speziellen Fahrzeugen, den sog. Tundra Buggies [16], auf bequeme und sichere Art den Eisbären nähern, wobei ihnen große geöffnete Fensterflächen beste Sichtbedingungen gewährleisten. Aber es gibt nicht nur Eisbären in Churchill. Auch andere Besonderheiten der arktischen Fauna sind auf diesen Touren zu beobachten, etwa selten Falkenarten, Schneeulen, Schneehühner, Polarfuchs, Kragen-Lemminge u.a. Die Krönung eines Besuchs ist jedoch die überwältigende Schönheit des Polarlichts (aurora borealis), die viele Besucher in ihren Bann schlägt. Die blauen, grünen und weißen Lichtbündel schwirren wie in einem Tanz über den nördlichen Nachthimmel und hinterlassen unvergeßliche Eindrücke [17]. Einer Legende zufolge sollen sie sich im Tanz auf die Erde zubewegen, wenn man ihnen zupfeift.
Die touristische Palette von Ontario hält für jeden Besucher etwas bereit. Hier wird alljährlich das größte karibische Festival außerhalb der Karibik veranstaltet, in Kitchener-Waterloo findet das größte Oktoberfest der Welt nach München statt, alljährlich im Sommer wird ein internationaler Feuerwerk-Wettbewerb veranstaltet, um nur einige der Attraktionen zu nennen. Zu ihnen gehört z.B. auch Casa Loma, ein romantisches Schloß im Herzen von Toronto [18], der Provinzhauptstadt. Es wurde zwischen 1911 und 1914 von einem gewissen Sir Henry Pellatt gebaut. Das Schloß mit seinen vielen Geheimgängen, die besonders bei jüngeren Besuchern sehr beliebt sind, ist umgeben von einem rund zwei Hektar großen Park.
Eine ganz andere Art von Attraktion stellt das alte Fort York [19] in Toronto dar, das die größte geschlossene Verteidigungsanlage darstellt, die an die Zeit des kanadisch-amerikanischen Krieges von 1812 erinnert. Diesen Auseinandersetzungen verdanken auch zahlreiche weitere Forts außerhalb von Toronto ihre Existenz, z. B. Old Fort Henry [20] in Kingston, das 1812 angelegt und in seiner heutigen Form zwischen 1832 und 1836 erneuert wurde. Es dient heute als Freilichtmuseum, in dem das militärische und das zivile Leben des 19. Jahrhunderts nachvollziehbar wird. Nur ein einziges Mal wurde von dem Fort aus auf ein amerikanisches Schiff gefeuert.
Eine der unbestrittenen modernen Attraktionen von Toronto ist der Canadian National Tower. Mit 553,33 Metern handelt es sich um den höchsten freistehenden Turm der Welt, was auch vom Guinness Buch der Rekorde anerkannt wird: "The World's Tallest Building and Free Standing Structure". Aber es sind noch mehr Weltrekorde des CN-Towers in diesem Buch verzeichnet, etwa "The World's Longest Metal Staircase" oder "The World's Highest Wine Cellar". 1995 wurde der CN-Tower [21] als eines der sieben modernen Weltwunder benannt. Unmittelbar neben dem Turm befindet sich mit dem SkyDome [22] eine weitere Attraktion, das erste und bisher einzige Stadion mit einer sich voll öffnenden Dachkonstruktion. Es ist dies das Heimstadion der Toronto Blue Jays (Baseballteam) und der Toronto Argonauts (Footballteam), jedoch finden auch zahlreiche andere Sportveranstaltungen, Konzerte usw. im SkyDome statt.
Wer sich mehr für die Natur interessiert, darf Lake on the Mountain Provincial Park in der Nähe von Kingston nicht versäumen. Der See zählt zu den Naturwundern Ontarios [23], indem er über einen ständigen Überlauf an klarstem Wasser verfügt, jedoch keinen Quellzufluß erkennen läßt. Die Erklärung liegt wohl darin, daß der See Teil der Karsthydrographie in dem devonischen Kalkstein darstellt, der in dieser Gegend ansteht. Der See ist offensichtlich in einer Doline entstanden und wird durch infiltrierendes Wasser gespeist. Aber es gibt auch andere Theorien, die von einem vulkanischen Ursprung, von einem Meteoriteneinschlag, von riesigen periglazialen Wasserstrudeln oder von sonstigen Ursachen ausgehen. Die ersten Siedler in der Gegend glaubten, daß der See unendlich tief sei. Von ihnen stammt auch die Behauptung, daß ein unterirdischer Zugang zu einem entfernten Wasserreservoir bestünde, aus dem der See gespeist würde.
Nur wenige Stunden nördlich von Toronto befindet sich der Algonquin Park [24], Ontarios erster Provinzpark. Es handelt sich sowohl um den ältesten als auch um den berühmtesten Provinzpark Ontarios und einen der größten ganz Kanadas. Gegründet wurde er bereits 1893 und er zählt bis heute zu einem der wichtigsten geschlossenen biologischen Forschungsgebiete des Landes.
Eine ganz andere Freizeitbeschäftigung bietet sich etwas nördlich von North Bay mit Temagami Adventure [25]. Dahinter verbirgt sich z. B. die Möglichkeit, im Winter die Wildnis des nordontarischen Waldlandes per Hundeschlitten kennenzulernen. Die Expedition führt über 30 km in das Waldland hinein und endet in einem inmitten der Natur angelegten Zeltlager, in dem sich die Besucher von der anstrengenden Tour erholen können. Die speziellen Schlitten (Temagami Adventure sleds) werden von reinrassigen sibirischen Huskies oder von den seltenen Canadian Eskimo Hunden gezogen. Speziell diese in Kanada gezüchtete Rasse zeichnet sich durch eine beeindruckende Kraft und Ausdauer aus, die vielen Indianern Kanadas das Überleben ermöglichte und ohne die die frühesten Erkundungsfahrten in den kanadischen Norden kaum denkbar gewesen wären.
Schließlich sollte Ottawa [26] noch erwähnt werden, die kanadische Bundeshauptstadt. Die Stadt quillt schier über von kulturellen und sonstigen Attraktionen. Auch hier gibt es eine Reihe von Superlativen, mit denen gerne geworben wird. So besitzt die Stadt die größte natürliche Eislaufbahn der Welt, die größte Museumssammlung von Totem-Pfählen, natürlich die Parlamentsgebäude (die das Vorbild des kolonialen Mutterlandes in England nicht verhehlen können), die Nationale Kunstgalerie (National Arts Centre) usw.
Viele der touristischen Ziele in der Provinz Québec erinnern an die Geschichte der letzten viereinhalb Jahrhunderte, seit Jacques Cartier 1535 hier erstmals kanadischen Boden betrat. Québec ist besonders stolz auf sein kulturelles französisches Erbe. Für viele Besucher verbindet sich in dieser Provinz der Charme der Alten mit der Dynamik der Neuen Welt. Einmalig ist die Provinzhauptstadt Québec [27], die einzige Stadt Nordamerikas nördlich von Mexico mit einem Befestigungsring. Diese Einmaligkeit hat die UNESCO veranlaßt, die Altstadt von Québec im Jahre 1985 in die Liste des Weltkulturerbes einzutragen und sie insgesamt unter Denkmalschutz zu stellen. Es ist die einzige Stadt Nordamerikas, der diese Auszeichnung je zuteil wurde.
Zu den besonderen Attraktionen der Stadt Québec [28] zählt z.B. die Place Royale, eine der ältesten städtischen Platzanlagen Nordamerikas. Kennzeichnend sind die engen Gassen, die von Häusern aus vier Jahrhunderten flankiert werden. Die Abrahamsebene (Plaine d'Abraham), auf denen 1759 die entscheidende Schlacht zwischen den Engländern und den Franzosen stattfand, stellt heute einen der größten Stadtparks der Welt dar. Unweit der Stadt befinden sich die Montmorency Wasserfälle, von denen sich ein wunderschönes Panorama auf den Sankt-Lorenz, auf die Ile d'Orléans und auf die Altsadt von Québec bietet. Die Wasserfälle selbst übertreffen mit ihren 83 m Höhe die Niagara-Fälle um das eineinhalbfache. Auf der Ile d'Orléans wurden bereits 1638 die ersten Siedlungen durch die Franzosen angelegt, die damit zu den ältesten Kolonialsiedlungen auf dem nordamerikanischen Kontinent zählen.
Am Fuße des Mont Royal und an den Ufern des Sankt-Lorenz-Stroms befindet sich Montréal, die größte Stadt Québes und eine der größten Kanadas. Aus der ursprünglichen Missionsstation ist im Laufe der Jahrhunderte einer der bedeutendsten Binnenhäfen der Welt entstanden. Gleichzeitig ist es, nach Paris, die zweitgrößte "französischsprachige" Stadt weltweit. Unter den vielen Attraktionen der Stadt sei auf das Olympiastadion hingewiesen, bekannt unter der Bezeichnung "Big O", in dem auch das Baseballteam beheimatet ist. Wahrzeichen des Stadions ist ein schiefer Turm, der größte seiner Art in der Welt, zu dessen Spitze man mit einer Seilbahn gelangt. Gegenüber dem Olympia-Gelände befindet sich der Botanische Garten mit japanischen und chinesischen Abteilungen und einem Insektarium, das die zweitgrößte Insektensammlung der Welt beherbergt. Montréal [29] ist auch bekannt für seine Museen, die zu den ältesten und bedeutendsten Kanadas zählen und von denen lediglich das Museum für Schöne Künste (Musée des Beaux Arts) erwähnt sei.
Schließlich sei noch auf Hull [30] hingewiesen, die Stadt, die am Zusammenfluß des Ottawa- und des Gatineau-Flusses entstanden ist. Bis weit in das 19. Jahrhundert hinein handelte es sich um nicht viel mehr als um ein Holzfällercamp. Heute bildet Hull zusammen mit dem gegenüberliegenden Ottawa einen Teil der nationalen Hauptstadtregion (National Capital Region), die mit einer Bevölkerung von über einer Million Menschen zu den vier größten städtischen Zentren des Landes zählt. Zu den Attraktionen der Stadt gehört u.a. das nationale Kulturmuseum, das Canadian Museum of Civilisation.
Viele Besucher behaupten, daß sich in der Provinz Neufundland & Labrador die beeindruckendsten Landschaften Kanadas verbergen. Die Provinz setzt sich aus zwei sehr unterschiedlichen Landesteilen zusammen. Das eigentliche Neufundland [31] stellt eine Insel dar, die sich auf halbem Wege zwischen Westeuropa und dem Zentrum des nordamerikanischen Kontinents befindet. Hier errichteten die Wikinger [32] bereits vor rd. 1000 Jahren eine erste europäische Siedlung in der Neuen Welt. Die Insel ist durch die Strait of Belle Isle von Labrador getrennt. An den Küsten Labradors haben nachweislich bereits im 16. Jahrhundert baskische Walfänger erste Fischverarbeitungsplätze angelegt und damit die ersten "Industrieanlagen" in der Neuen Welt geschaffen. Auch an dieser Küste sind an mehreren Stellen Spuren der Wikinger nachgewiesen. Außerdem ging hier John Cabot 1497 erstmals an Land, was den Ausschlag gab für die erste Gründung einer britischen Überseekolonie.
Zu den Attraktionen Neufundlands [33] zählt u.a. der Reichtum an Seevögeln, der zu den bedeutendsten Beständen weltweit zählt. Rund 40 Mio. Seevögel sind an den Küsten Neufundlands und Labradors beheimatet. In der Witless Bay Ecological Reserve leben z. B. 95 Prozent der Atlantischen Papageientaucher (Atlantic Puffins) Nordamerikas. Wer sich für Rentiere interessiert, findet mit der "George's River Herd" die größte Rentierherde der Welt, die auf 600.000 Tiere geschätzt wird. Die Küstengewässer von Labrador und Neufundland werden außerdem von über 5000 Buckelwalen bewohnt. Eine Besonderheit weist auch Corner Brook auf: es ist die Stadt mit dem höchsten Schneefall in Kanada.
St. John's, die Provinzhauptstadt, gilt als die älteste Siedlung Nordamerikas, in der sich auch die älteste Straße des Kontinents befindet. Sie führt vom Hafen in das Stadtinnere und ist bis auf den heutigen Tag ein beliebter Treffpunkt von Seeleuten aus aller Welt. Der östlichste Punkt Nordamerikas befindet sich in Cap Spear [34], auf dem gleichzeitig auch der älteste Leuchtturm Neufundlands steht. Er dient heute allerdings lediglich noch als Museum und gibt einen Einblick in die Vergangenheit, als hier der Leuchturmwärter und seine Familie lebten und über die Schiffahrt wachten.
Eines der bekanntesten Kennzeichen der Provinz ist Signal Hill, oder besser Cabot Tower. Der Turm wurde im Jahre 1897 in Erinnerung an den vierhundersten Jahrestag der Entdeckung Neufundlands durch John Cabot errichtet. 1901 konnte Marconis an dem nahe gelegenen Punkt "S" die erste drahtlose transatlantische Funkverbindung aus England empfangen. Der Cabot Turm ist heute das Zentrum des Signal Hill National Historic Park [35], Kanadas zweitgrößtem Historischen Park überhaupt.
In der benachbarten Provinz Neu-Braunschweig zählt der Tourismus ebenfalls zu den rasch expandierenden Wirtschaftsbereichen. Die Provinz ist auf drei Seiten von Wasser umgeben, wobei die Fundy-Bucht (Bay of Fundy) am faszinierendsten ist. Abgesehen davon, daß sie eine der besten Plätze für die Walbeobachtung darstellt, wird in dieser Bucht weltweit der höchste Tidenhub gemessen – was ihr das Attribut eines Ozeanwunders der Welt eingebracht hat. Zweimal täglich füllt sich die Bucht mit rd. 100 Milliarden Tonnen Wasser. Ihre Trichterform bewirkt bei Flut einen enormen Höhenstau des Wassers [36], der an einigen Stellen bis zu vierzehn Meter erreicht. Spektakulär sind auch die Hopewell Rocks. Hier kann man bei Ebbe auf dem Ozeangrund zwischen mehrere Geschosse hohen, bizarren Felsformationen [37] herumwandern, die durch die Erosionskraft der Tiden vom Kliff abgetrennt wurden. Bei aufgelaufener Flut ragen diese mächtigen Felsen lediglich noch als kleine Inselchen aus dem Wasser.
An der Fundy-Bucht ist auch Saint-John gelegen, amtlich die älteste Stadt Kanadas (incorporated city). Obwohl nicht Regierungssitz (das ist Fredericton) ist sie heute doch die größte Stadt der Provinz. Zu den Berühmtheiten der Stadt zählen die sog. Reversing falls (die sich umkehrenden Wasserfälle) im Saint John River. Auch dies hängt mit dem hohen Tidenhub in der Fundy-Bucht zusammen. Die hohe Flutwelle setzt sich in den Fluß hinein fort und bedingt an einer ihn durchquerenden Felsbarriere einen flußaufwärts gerichteten Wasserfall. Bei rücklaufender Flut kehrt sich das Phänomen um, indem dann die Wasserfälle meerwärts orientiert sind.
Neu-Braunschweig hat auch einige gastronomische Besonderheiten aufzuweisen. So gilt z. B. Sussex Corner als die Milchkammer Kanadas. Hier wurde angeblich von dem Bäcker Walter Donnelly auch das erste Eistütchen der Welt gebacken. Es war eher ein Zufallsprodukt. Ihm war ein Teig so richtig mißlungen. Mit dem Produkt, einer harten, zerbrechlichen Waffel ging er in den benachbarten Eisladen, der damit zum Geburtsort der Eiswaffel wurde. Wem weniger an Eiscream gelegen ist, der mag sich an Arthur Ganong erinnern, den ‚Erfinder‘ der Schokoladentafeln. Der Fischer war es leid, stets verschmierte, halb geschmolzene Schokolade in seinen Taschen zu haben. So kam er 1910 auf die Idee, die Schokoladenmasse zu pressen und in Aluminiumpapier einzupacken – heute eine Selbstverständlichkeit [38].
Eine Besonderheit ganz anderer Art weist Hartland auf. Hier wurde im Jahre 1889 die längste überdachte Brücke der Welt gebaut. Die 390 m lange Brücke überspannt den Saint John River. Neben ihr gibt es noch über sechzig weitere überdachte Brücken [39] in der Provinz. Zu den Kuriositäten Neu-Braunschweigs zählt der Magnetic Hill Complex, der seine Besucher immer wieder verblüfft. Aufgrund einer optischen Täuschung hat man hier den Eindruck, daß Autos bei abgestellten Motoren mit magnetischer (oder magischer?) Kraft bergauf gezogen würden. Der Magnetic Hill liegt in der Nähe von Moncton, einer Stadt, in der alljährlich vielbeachtete Jazz- und Blues Festivals mit weltbekannten Musikern veranstaltet werden. Außerdem gibt es hier jedes Jahr ein großes Weinfest, das World Wine Festival.
Die Provinz Neu-Schottland (Nova Scotia) läßt sich am besten mit dem Auto erschließen, zumal zehn ausgewiesene Touristenrouten die Orientierung leicht machen. Diese Routen führen zu allen interessanten Punkten der Provinz: zu den zahlreichen Fischereihäfen, den Stränden, Schiffahrtsmuseen, nachgebauten alten Schiffen, usw. – Dingen, die das Leben der Provinz seit jeher geprägt haben. In dieser Landschaft kann man sich einfach treiben lassen, durch üppige Felder, tiefgrüne Berglandschaften, entlang an felsigen Küsten. Der Cabot Trail auf Cape Breton Island, eine Insel, die nur durch die enge Canso-Straße vom Festland getrennt ist, zählt für viele zu den schönsten Touristenwegen in Nordamerika.
Der Cabot Trail umläuft auf einer Länge von rund 300 km die gesamte Cape Breton Insel. Er ist nach John Cabot benannt, der im Jahre 1497 erstmals hier an Land ging. Immer wieder öffnen sich großartige Panoramablicke, oder man trifft auf historisch interessante Punkte. Um wirklich alles zu erschließen, benötigt man zwei volle Tage. Zu den besonderen Attraktionen entlang des Weges zählt z. B. die Alexander Graham Bell National Historic Site, die zu den Anfängen der Telekommunikation zurückführt. Ein anderer besonderer Punkt ist das Scarecrow Theatre, eine Sammlung von mehr als fünfzig Vogelscheuchen, die in einem Acker neben dem Highway aufgestellt sind. Die Idee stammt von Joe Delaney, der in Erinnerung an eine alte Tradition der Acadiens (erste frankophone Bewohner der Gegend), sich während der Fastenzeit (La Micarème) als Vogelscheuchen zu verkleiden und wilde Tänze zu vollführen, diese Vogelscheuchen-Sammlung [40] anlegte.
Zu den unbestrittenen Höhepunkten zählt indessen der Fortress of Louisburg National Historic Park. Diese trutzige Festungsanlage wurde nach dem Verlust Neu-Schottlands im Frieden von Utrecht (1713) von den Franzosen erbaut, denen lediglich Cape Breton Island verblieben war. Die im Vauban-Stil erbaute Festung war die teuerste Investition, die je für eine Festung auf nordamerikanischem Boden vorgenommen wurde: über 200 Mio. Dollars, umgerechnet auf heutige Währung. Im Jahre 1758 wurde das Fort von den Engländern eingenommen und vollständig zerstört. Heute handelt es sich um das größte Rekonstruktionsvorhaben in Nordamerika [41], wo man das Leben des 18. Jahrhunderts nacherleben kann und wo auch die lukullischen Spezialitäten [42] aus jener Zeit angeboten werden.
Lohnend ist auch der Besuch der vielen kleinen Fischerorte aus der französischen Siedlungsphase, mit ihren typischen Schindelfassaden und alten Ladenzeilen. Das französische Acadien, das im wesentlichen der heutigen Provinz Neu-Schottland und seiner angrenzenden Gebiete entspricht, wurde schon im frühen 17. Jahrhundert besiedelt. Bis 1750 war die Zahl der französischen Siedler auf rund 10.000 angewachsen, die auf den fruchtbaren Marschböden rund um die Fundy-Bucht im Schutz der Deiche eine recht einträgliche Landwirtschaft betrieben. Nach dem Frieden von Utrecht (1713) fiel das Gebiet jedoch an England, was für die französische Bevölkerung schon bald zum Problem wurde, indem sie sich weigerten, der englischen Krone den Treueeid zu leisten. Viele der sog. Acadier verließen das Land, um sich in anderen Teilen des Kontinents anzusiedeln, z. B. in Louisiana im unteren Mississippital. Auch wenn später viele von Ihnen wieder in ihre alte Heimat zurückkehrten, so ist doch immer wieder von der großen Vertreibung [43] die Rede. Sie ist oft Gegenstand von historischen oder künstlerischen Abhandlungen geworden, als Beispiel sei auf den Roman Evangeline von Henry Wadsworth Longfellow verwiesen, dessen Schauplatz die Grand Pre National Historic Site [44] am Nordende der Fundy-Bucht ist. Die Traditionen der Acadier werden alljährlich in zahlreichen Festen gepflegt.
Unweit der ältesten deutschen Siedlung auf kandischem Boden (Lunenburg) befindet sich an der Ostküste von Neu-Schottland Peggy's Cove [45], sicher eines der meistfotographierten Fischerdörfchen Kanadas mit heute nur knapp 100 Einwohnern. Es wurde inmitten einer bizarren Granitlandschaft aus unzähligen erratischen Blöcken angelegt, die als Ergebnis der letzten Eiszeit hier vor rd. 10.000 Jahren entstanden ist. Auf einem dieser Blöcke ist der berühmte Leuchtturm errichtet, dem einzigen in Nordamerika, der gleichzeitig auch als Postamt dient. In den Sommermonaten werden bis zu 500.000 Besucher in Peggy's Cove gezählt.
Seit Fertigstellung der Confederation Bridge hat der Fremdenverkehr auch in der Provinz Prinz Eduard Insel an Bedeutung gewonnen. 1997, im Jahr nach Eröffnung der Brücke, wurde ein Zunahme der Besucher um 40 Prozent registriert, was gleichzeitig das Überspringen der Millionengrenze bedeutete. Dennoch: mit Ausnahme von Charlottetown und Cavendish, den beiden Haupttouristenzielen, bewirken Besucher hier oft noch ein erstauntes Aufblicken bei den Inselbewohnern.
Die ersten Bewohner der Insel waren nachweislich die Micmac-Indianer, die hier bis zur Ankunft der Europäer noch auf der Stufe der Fischer und Jäger lebten. Jacques Cartier ging hier erstmals 1534 an Land. Es dauerte aber noch bis 1719, bevor die Franzosen (Acadier) erste Siedlungen anlegten. Ihnen war indessen kein langes Leben beschert, denn bereits 1758 wurden die Siedler von den Engländern wieder vertrieben.
An der Nordostecke der Insel befinden sich einige kleine Orte, die stets in erster Linie vom Fischfang gelebt haben. Das Basin Head Fisheries Museum [46] dokumentiert dies eindrücklich. In idyllischer Lage an einem Strand, der den saubersten Sand von PEI enthält, informiert das Museum aber auch über die Geschichte und Kultur der Insel aus früheren Zeiten. Auch hier gibt es eine Besonderheit: die "singing sands". Beim Laufen über den Strand ist ein eigenartiges singendes Geräusch unter den Füßen zu hören, ein Phänomen, für das es bis heute keine schlüssige Erklärung gibt.
An der Nordküste von PEI liegt Cavendish, nur einige Kilometer von der Provinzhauptstadt Charlottetown entfernt. Es ist unbestritten einer der touristischen Schwerpunkte der Insel, dies nicht zuletzt wegen der Nähe seiner weißen Sandstrände und des Prince Edward Island Nationalparks [47]. Dieser Nationalpark weist eine Reihe landschaftlicher Besonderheiten auf: weiße Sanddünen, herrliche Strände, rote Felsklippen, satte Salzwiesen und einige abgeschnürte Brack- oder auch Süßwasserseen. Insbesondere das Ökosystem der Sanddünen, das bemerkenswerteste im atlantischen Kanada, ist hervorzuheben.
Noch bekannter ist das nahe gelegene Green Gable Haus [48], das durch den Roman Anne of Green Gable von L. M. Montgomery zu einer der Hauptattraktionen der Insel geworden ist. Das Haus befindet sich etwas westlich von Cavendish und ist Schauplatz des Romans – jedoch ist es nicht der authentische Platz, wo Anne tatsächlich gelebt hat. Vielmehr gehörte es David und Margaret Macneill, Cousins von Montgomery's Großvater. Unmittelbar benachbart findet sich in Park Corner ein Haus, das ehemals dem Onkel Lucie Montgomerys gehörte und wo sie sich oft aufgehalten hat. Dieses Haus (Silver Bush home) wurde zum Anne of Green Gables Museum umgewandelt und im Stil so hergerichtet, wie es dem Roman am ehesten entsprach. Tausende von Besuchern pilgern alljährlich zu diesem Ort, der durch den Roman weltberühmt wurde. Anne of Green Gable [49] ist in über neun Millionen Exemplaren weltweit in vielen Sprachen verkauft worden, die höchste Auflage, die je ein kanadisches Buch und ein kanadischer Autor erreicht hat.
Ein weiterer berühmter Besichtigungspunkt befindet sich auf PEI: das Province House in Charlottetown. In ihm befindet sich der Confederation Room, ein heute restauriertes Zimmer, das als der Geburtsplatz der kanadischen Nation [50] gilt. Hier versammelten sich 1864 die Gründungsväter Kanadas, 26 Delegierte aus den Provinzen Neu-Schottland, Neu-Braunschweig, Prinz-Eduard-Insel und der United Province of Canada (= Québec oder East Canada und Ontario oder West Canada),und vereinbarten die Gründung der Confederation of Canada, des kanadischen Bundesstaates. Natürlich ist dies ein Platz, um die Geschichte des Landes nachzuvollziehen, wobei die historischen Gebäude, die Wächter in den traditionellen Kostümen, oder die nachgestellten Szenen durch die Confederation Players gleichermaßen die Besucher in eine andere Zeit versetzen.
Der Überblick macht deutlich, in welcher Weise sich in Kanada kulturelle und landschaftliche Touristenziele immer wieder überlagern. Die beschriebene Auswahl kann nur im Ansatz das Spektrum aufweisen, das die Vielfalt dieses Landes kennzeichnet. Jedem Besucher Kanadas wird sehr rasch klar, daß die Landschaften, historischen Stätten, Traditionen usw. von den Kanadiern als ein Erbe verstanden werden, das die Grundlage ihrer eigenen Kultur ist. Dabei ist es unerheblich, ob es sich um Dinosaurier oder Bären, um Indianer, Asiaten oder Europäer, um ein Tipi oder den CN-Tower handelt. Alles fügt sich zusammen zu einer Kultur, die in ihrer Eigenständigkeit Teil des Nationalgefühls der Kanadier schlechthin ist. Von daher kommt auch dem Tourismus in diesem Land ein besonderer Stellenwert zu. Zu einem nicht unerheblichen Teil wird er von der Auseinandersetzung und Identifikation der Menschen mit ihrer natürlichen Umwelt und ihrer kulturellen Vergangenheit gleichermaßen geprägt.
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