Umweltschutzfragen im Bereich des Bergbaus und der Metallgewinnung fallen in Kanada sowohl in die Zuständigkeit der Provinzen als auch der Bundesregierung. Beide sind gehalten, mit den verschiedenen Interessengruppen zusammenzuarbeiten und dabei insbesondere auf die Beachtung von Umweltfragen hinzuwirken. In der offiziellen sog. Minerals and Metals Policy of Canada [1] (MMPC, Leitlinie zur Gewinnung und Verarbeitung mineralischer Rohstoffe) sind die Zielsetzungen und Strategien für eine nachhaltige Nutzung im Bereich mineralischer Rohstoffgewinnung und -verarbeitung festgelegt. Der Verabschiedung dieses Leitpapiers waren ausführliche Diskussionen zwischen Bundes- und Provinzbehörden, Bergbauministerien in den Provinzen, Vertretern der Industrie, Umweltgruppen, Arbeitnehmerschaft und Vertretern der Urbevölkerung vorausgegangen.
Der Bergbausektor hat in den letzten Jahren einen tiefgreifenden Wandlungsprozeß durchlaufen, der auch mit zahlreichen neuen Herausforderungen verbunden war. An erster Stelle stehen dabei Fragen des Umweltschutzes [2], gleichzeitig aber auch Fragen der Strukturveränderungen im Rahmen eines zunehmenden Wettbewerbs in einer durch Globalisierung gekennzeichneten Weltwirtschaft, zumal einige Länder vor allem aus der Dritten Welt als neue Partner in diesen Wettbewerb eingegriffen haben. Als dritte wesentliche Aufgabe wird die Verbesserung der interprovinziellen Zusammenarbeit definiert, die dem vierten Ziel, der nachhaltigen Ressourcenentwicklung [3] im Bergbausektor dienen soll. Neben diesen vier definierten Rahmenzielsetzungen werden in der MMPC die wichtigsten Verpflichtungen genannt, die die Regierung zu ihrer Erfüllung eingeht. Mit diesen Zielvorgaben verbinden sich eine Reihe von Maßnahmen, die eine intakte und zukunftsorientierte Entwicklung des Bergbausektors im 21. Jahrhundert sichern soll. Es handelt sich somit um ein Dokument, in dem eine nachhaltige und gleichzeitig schonende und umweltverträgliche Ressourcennutzung gefordert wird. Impliziert ist eine offizielle Agenda für die Regierung zur Erhaltung der Arbeitsplätze und eines gesunden Wachstums in diesem für Kanada so bedeutenden Wirtschaftssektor [4].
Sechs Forderungen bilden den Kern der MMPC. Es sind dies
Rahmenbedingungen für die Entwicklung und Anwendung neuer Methoden und Technologien zur Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit und zur Erhaltung der Umwelt zu schaffen.
Diese politische Forderungen enthalten alle wesentlichen Aspekte, die einer öffentlichen Verantwortung für die nachhaltige Entwicklung im Bereich Ressourcennutzung unterliegen, als da sind: die Beachtung der Rolle von Marktmechanismen, Fragen der Regulierung und Deregulierung, die Bedeutung der Wissenschaft, die Verpflichtung zur Verhinderung von Umweltschädigungen unter Anwendung des Verursacherprinzips und die Bestätigung des Vorbeugeprinzips.
Darüber hinaus sind Langzeitstrategien für die stärkere Einbindung wissenschaftlicher Erkenntnisse und moderner Technologien bei der Gewinnung und Verarbeitung mineralischer Rohstoffe gefordert. Dazu gehören beispielsweise umfassende geowissenschafltiche Informationssysteme, die zu den Grundlagen einer nachhaltigen Ressourcennutzung zählen. Sie werden zur Weiterentwicklung neuer Technologien im Bergbau sowie zur besseren und schonenderen Nutzung und Weiterverarbeitung der Rohstoffe beitragen. Auch Gesundheits- und Sicherheitsfragen sind in diesem Zusammenhang zu beachten. Schließlich wird durch die Entwicklung verbesserter und hochwertigerer Produkte die Wettbewerbsfähigkeit der kanadischen Industrie gestärkt.
Kanada spielt in der Frage der Entwicklung neuer Technologien im Bergbausektor eine wichtige Rolle und ist sich seiner diesbezüglichen Verantwortung bewußt. Spezielle Forschungseinrichtungen des Bundes wie z.B. das Kanadische Zentrum für Bergbau- und Energie-Technologie (Canada Centre for Mineral and Energy Technology [5] CANMET) haben die Aufgabe, den Zielen einer nachhaltigen Ressourcennutzung durch eine verstärkte geowissenschaftliche Grundlagenforschung zu dienen. Wichtig in diesem Zusammenhang auch die Zusammenarbeit [6] von Wissenschaft und politischen Institutionen ganz allgemein (Draper, 1998: 345). Damit ist eine wichtige Voraussetzung dafür geschaffen, daß Kanada seine weltweite Spitzenstellung hinsichtlich der Gewinnung und des Exports mineralischer Rohstoffe auch in Zukunft behalten wird und daß der Bergbausektor auch weiterhin eine der wichtigen Stützen der kanadischen Wirtschaft bleiben kann.
Große Bedeutung fällt in diesem Zusammenhang Fragen des Umweltschutzes, insbesondere der Rekultivierung zu. Wichtigster Bereich ist hierbei die Wiederherstellung lebensfähiger, stabiler Ökotope oder Ökosysteme in ehemaligen Bergbaugebieten (Draper, 1998: 341). Fragen der Rekultivierung fallen überwiegend in den Zuständigkeitsbereich der Provinzen, mit Ausnahme des Yukon Territoriums und der Nordwest-Territorien, die direkt dem Bund unterstehen. Landesweit unterliegt lediglich der Uranbergbau der Kontrolle der Bundesregierung. Auf Bundesebene sind mehrere Verordnungen hinsichtlich der Rekultivierungsfragen im Bergbau wirksam, u.a. der Canadian Environmental Assessment Act [7] (CEAA = Kanadische Umweltnormen-Verordnung) und die kanadische Fischereiverordnung (Canadian Fisheries Act). Der Bund ist außerdem für Besteuerungen sowie die Wissenschafts- und Technologieförderung zuständig (Draper, 1998: 340/341).
Schon 1986 wurde auf Initiative der kanadischen Bergbauindustrie und der Bundesregierung eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die sich speziell Fragen neuer Technologien bei der Rekultivierung in Bergbaugebieten unter besonderer Berücksichtigung säurehaltiger Abwässer und Grundwasserkontamination widmen sollte. Bereits 1989 legte die Arbeitsgruppe einen Bericht vor und empfahl die Einrichtung eines Programms zum Gewässer- und Grundwasserschutz in Bergbaugebieten, das sog. Mine Environmental Neutral Drainage Program [8] (MEND). Seit Einrichtung dieses Programms im Jahre 1989 wurden über zehn Millionen Dollars zur Erforschung der Gewässerbelastung durch säurehaltige Abwässer aus Abraumhalden und Verfüllungen ausgegeben, wie z. B. im Falle des Projekts "New" Tailings Area Closure [9] in einem Bergbaubetrieb der Falconbridge Gesellschaft. Was das MEND aber v.a. bestätigt hat ist die Tatsache, daß die beste Lösung dieser Probleme in vorbeugenden Maßnahmen besteht. Weiterhin wurde gefordert, daß Bergbauanlagen nach deren Aufgabe nicht sich selbst überlassen werden. Ihre Rekultivierung unter Beachtung der Bestimmungen der Provinzen und des Bundes wird Probleme dieser Art in Zukunft mindern. Problematisch sind vor allem die vielen Gruben, die in der Vergangenheit ohne jegliche Maßnahmen des Umweltschutzes sich selbst überlassen blieben. Sie stellen heute eines der großen Umweltprobleme im Bergbausektor Kanadas dar (Draper, 1998:341).
Wichtig im Zusammenhang mit der nachhaltigen Rohstoffnutzung ist auch die Frage des Recyclings [10], die in den letzten Jahren ständig an wirtschaftlicher Bedeutung gewonnen hat. Vermehrtes Recycling mineralischer oder metallurgischer Produkte wird den Bedarf an primären Rohstoffen reduzieren und damit die Lebensdauer der vorhandenen Vorräte verlängern. Bereits heute sind die meisten EBM-Produkte in Kanada aus einer Mischung wiederverwendeter und primärer Rohstoffe hergestellt.
Am Beispiel des Bergbausektors werden einige Grundfragen deutlich, die sich immer wieder mit dem Problem der nachhaltigen Entwicklung stellen. Viele der Bestimmungen und Verordnungen sind theoretisch gut begründet, jedoch macht ihre Umsetzung in die Praxis Schwierigkeiten. Was meint "nachhaltige Entwicklung" konkret im Bereich des Bergbaus? Die allgemeine Vorgabe, die natürlichen Ressourcen heute sinnvoll zu nutzen ohne ihre künftige Nutzung zu verhindern, ist nicht im allumfassenden Sinne auf den Bergbau anwendbar.
Dies liegt vor allem daran, daß im Bergbau vorwiegend nicht erneuerbare Rohstoffe abgebaut werden. Wenn ein Erz, z.B. ein Uran-Vorkommen, in einem Gebiet ausgebeutet ist, so steht es für künftige Generationen nicht mehr zur Verfügung. Hier muß sich das Augenmerk also ganz automatisch auf andere Aspekte legen, etwa auf Fragen der Methoden und Technologien, die eine schonende Nutzung des Rohstoffs gewährleisten. Dazu gehören z.B. Abbaukontingentierungen, vor allem aber auch die Erhaltung einer gesunden Umwelt in Bergbaugebieten [11], wie dies z.B. von der Bergbaugesellschaft BHP Diamonds Incorporated [12] durch einen sorgfältig ausgearbeiteten Rekultivierungs- und Umweltplan [13] praktiziert wird. Dies ist ein Beispiel dafür, daß sich im Bergbaubereich etwas bewegt, daß Firmen auch Verantwortung übernehmen für Schäden, die sie der Umwelt zugefügt haben. Auch die Teck Corporation [14] reiht sich hier positiv ein, ein Bergbauunternehmen, das große Anstrengungen unternimmt, um jegliche Form von Umweltschädigung durch den Bergbau zu verhindern. Teck ist konsequenterweise sehr stark an der Finanzierung von wissenschaftlichen Untersuchungen beteiligt, die zur Entwicklung neuer Methoden und Technologien im Bergbausektor beitragen können um auf diese Weise die damit verbundenen Probleme zu reduzieren. Das Unternehmen hat ein umfangreiches Meß- und Kontrollsystem installiert [15], durch das es mit speziell entwickelten Software Paketen (Environmental management software EQW) ständig die Luftbelastung sowie die Oberflächenwasser- und die Grundwasserqualität überwacht.
Leider sind Beispiele dieser Art aber noch selten, dennoch lassen viele Unternehmen heute Ansätze in der richtigen Richtung erkennen. So hat z.B. INCO [16] (International Nickel Company) 1993 in ihrem Bergbaubezirk in Sudbury (Ontario) das größte Umweltprojekt Nordamerikas verwirklicht, indem es seine gesamte ehemalige Hüttenanlage durch eine neue ersetzte. Ziel dieser Maßnahme war es, die Schwefel- und Dioxin-Emissionen drastisch zu reduzieren. Gleichzeitig fanden hierdurch moderne Technologien Eingang, so daß diese Anlage heute zu den produktivsten, wettbewerbsfähigsten und umweltfreundlichsten der Welt zählt. Begleitet war diese Neuanlage von umfangreichen Rekultivierungs- und Aufforstungsmaßnahmen [17], die mehrere Tausend Hektar Fläche [18] umfaßten. Allerdings läßt dieses Beispiel auch die Frage entstehen, ob Umweltschutzmaßnahmen im Bergbausektor auch dann durchgeführt würden, wenn damit nicht Produktivitätssteigerungen oder Verbesserungen der Wettbewerbsbedingungen verbunden wären. Werden die Unternehmen auch dann noch in umweltschonende Maßnahmen investieren, wenn sie dabei Geld drauflegen müssen? Oder investieren sie nur, um ihr öffentliches Image zu verbessern? Hier bleiben sicherlich einige Fragen offen. So werden sich die Unternehmen auch immer wieder an ihren Taten messen lassen müssen, denn allzu oft klafft zwischen dem selbst formulierten Anspruch und der Wirklichkeit eine deutliche Lücke. Wenn es sich z.B. das Unternehmen Melloy & Associates Ltd. (Edmonton) [19] zur Devise macht "to act responsibly as steward of the ressources in its charge for the well being of its employees and the communities and countries in which it operates" ("in verantwortlicher Weise die Rohstoffe für das Wohl ihrer Beschäftigten, der Gemeinden und der Länder, in denen sie tätig ist, zu nutzen"), so ist das nicht frei von Emphase. Wichtig ist, was die Unternehmen wirklich für die Erhaltung der Umwelt tun - daran werden sie gemessen und hier liegt ihre eigentliche Verantwortung, auch im Sinne einer nachhaltigen Nutzung.
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